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DR Kongo

Verschleppen und plündern

DR Kongo: Mit Kigali verbündete Miliz deportiert Zivilisten. Rohstoffschmuggel über Ruanda blüht

Foto: Moses Sawasawa/AP/dpa
Vertreibung und Deportation von Zivilisten durch die »M 23«-Miliz dauern seit 2022 an (Goma, 11.2.2025)

Kämpfer der Miliz »M 23« sollen im Osten der Demokratischen Republik (DR) Kongo Zivilisten aus dem Dorf Katogota ins benachbarte Ruanda deportiert haben. Das berichtete die Organisation »Genocide Watch« vergangenen Sonntag unter Berufung auf eine Mitteilung der Provinzregierung Südkivus an die Nachrichtenagentur Agence Congolaise de Presse. Wie viele Menschen verschleppt wurden, geht aus der Meldung nicht hervor. Der Vorfall, den die Provinzregierung als Kriegsverbrechen verurteilte, ist jedoch nicht die erste Deportation durch »M 23«-Kräfte.

Bereits im Juni 2025 hatte die Organisation Human Rights Watch in einem Bericht dargelegt, wie »M 23«-Einheiten Zivilisten aus besetzten Gebieten im Osten der DR Kongo nach Ruanda verschleppt hatten. Ruanda lenkt die Truppen der Miliz, die sie logistisch und militärisch unterstützt, was UN-Expertengruppen wiederholt bestätigt haben. Kigali streitet die Zusammenarbeit mit der »M 23« offiziell ab, rechtfertigt deren Vorgehen aber zugleich. Zudem hat die ruandische Regierung nach UN-Angaben mehrere tausend reguläre Soldaten ins Nachbarland einmarschieren lassen.

Als Begründung für seinen Überfall bringt Kigali stets die vorgebliche Verfolgung von Milizen an, die aus der Bevölkerungsgruppe der Hutu hervorgegangen sind und demnach Verbindungen zu den Verantwortlichen des Völkermords 1994 in Ruanda haben sollen. Damals waren etwa 800.000 Menschen, überwiegend Zivilisten aus der Bevölkerungsgruppe der Tutsi, ermordet worden, ehe die Truppen des Front Patriotique Rwandais (FPR) unter Führung des heutigen ruandischen Staatschefs Paul Kagame aus Uganda vorrückten und den Genozid stoppten.

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In der Tat waren Hutu-Milizionäre damals in die benachbarte DR Kongo geflohen und hatten immer wieder Attacken gegen Tutsi verübt, deren Milizen wiederum von Ruanda unterstützt wurden. Der Konflikt führte 1996 zum Beginn des Ersten Kongokriegs. Seitdem kam es in der Region, in der mehr als 100 Milizen aktiv sein sollen, immer wieder zu Kämpfen und Kriegen. Die derzeitige »M 23«-Offensive mit Unterstützung Ruandas begann 2022 und führte bis heute zur Besatzung großer Gebiete im Osten der DR Kongo, darunter auch der Hauptstädte der Provinzen Nord- und Südkivu, Goma und Bukavu.

Doch auch wenn Kigali 32 Jahre nach dem Ende des Völkermords in Ruanda noch immer auf die Verfolgung der Täter verweist und auch wenn die Opfer der heutigen Deportationen nahezu ausnahmslos Angehörige der Volksgruppe der Hutu sind: Der Krieg, der heute im Osten der DR Kongo tobt, hat vor allem ökonomische Gründe. Die Region verfügt über bedeutende Vorkommen an für die globale Elektronik- und Kriegsindustrie wichtigen Rohstoffen. So berichtete etwa The New Humanitarian im September dieses Jahres, dass der Coltanschmuggel nach Ruanda heute laut UN-Angaben bisher unerreichte Ausmaße angenommen habe. Demnach ist Ruanda heute der größte Coltanexporteur der Welt – obwohl es selbst fast keine Lagerstätten des Rohstoffs hat. Das UN-nahe Medium berichtete zudem, dass internationale Rohstoffhändler, die zuvor in den kongolesischen Provinzen Nord- und Südkivu operiert hätten, nun Büros in Ruandas Hauptstadt Kigali eröffnet hätten, um von dort aus ihre Geschäfte weiterzuführen.

Ihren Raubzug finanzieren die Besatzungsmacht und die mit ihr verbündete Miliz »M 23« zudem durch Wegezölle, die nicht nur auf Erztransporte, sondern auf nahezu jeglichen Güterverkehr und selbst auf Motorradtaxifahrten erhoben werden. Die Kämpfer hätten »eine tief illegale De-facto-Paralleladministration methodisch aufgebaut«, zitiert The New Humanitarian den ehemaligen UN-Expertengruppenmitarbeiter Zobel Behalal, der heute für die Global Initiative Against Transnational Organized Crime arbeitet.

Zum Nutzen der angeblich »befreiten« Zivilbevölkerung funktioniert diese Besatzungsmacht jedenfalls nicht. Die Landwirtschaft liegt weitgehend danieder, weil Bauern sich aufgrund anhaltender Kämpfe nicht auf ihre Felder trauen. Zudem ist das Bankwesen stark eingeschränkt: Die etablierten Geldhäuser haben geschlossen, von der Miliz geschaffene Institute genießen weder Vertrauen in der Bevölkerung noch sind sie an den internationalen Zahlungsverkehr angeschlossen. Entsprechend niedrig ist die Kaufkraft, die lokale Wirtschaft stagniert. Für die ohnehin arme Bevölkerung bedeutet dies verschärftes Leid, während die Reichtümer des Landes in Form von Rohstoffen über die Grenze geschmuggelt werden.

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Erschienen in der Ausgabe vom 07.11.2026, Seite 6, Ausland

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