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Kino

Banksy kommt leider nicht

Die Filmreihe »Galerie Straße – Streetart Revisited« im Berliner Brotfabrik-Kino

Foto: Mary Evans/IMAGO
Durchaus berühmt: Street-Art-Künstler Banksy

Nur bei einem der sieben Filme, die in der Filmreihe »Galerie Straße – Streetart Revisited« im Brotfabrik-Kino gezeigt werden, wird der Regisseur nicht anwesend sein; dass sein Film hier läuft, weiß der große Banksy allerdings schon.

Den Auftakt machte am vergangenen Sonnabend »Art War«. Der Berliner Dokumentarfilmer Marco Wilms drehte zwei Jahre lang in Kairo. Eher zufällig war er vor dem Sturz Hosni Mubaraks mit jungen Künstlern in Kontakt gekommen, die ihre Werke als Antrieb und Deutung der Revolution verstanden. »Keiner von ihnen«, sagte Wilms nach der Vorführung, »lebt heute noch in Ägypten.« Obwohl die Phase der politischen und künstlerischen Freiheit intensiv und turbulent war, fand sich die ägyptische Streetart schnell in dem vertrauten Dilemma wieder: der unscharfen Grenze zwischen subversivem Charakter und kommerzieller Vereinnahmung.

Als die Porträts der jungen Märtyrer in der bekannten Mohamed-Mahmoud-Straße mehr und mehr zu einer touristischen Attraktion verkamen, entschloss sich der Künstler, die Gesichter der Getöteten ab sofort nicht mehr auf der Basis früherer Fotos darzustellen, sondern die jungen Männer so zu porträtieren, wie sie nach dem Tod aussahen. Es wurde eine Galerie des Schreckens. Heute ist davon nichts mehr übrig. »Tabula-rasa-mäßig ausradiert«, sagt der Regisseur.

Dass von den politischen Wandgestaltungen wenigstens einige Motive die Zeit überdauerten, ist auch dem Film zu verdanken. Wilms hat Nachdrucke immer wieder im Umfeld der vielen Festivals entdeckt, zu denen er mit »War Art« eingeladen wurde. Einmal sogar beim Mittagessen. Die Servietten waren damit dekoriert worden.

Selbst auf die Gefahr hin, jetzt zynisch zu klingen (»Ich bin kein Zyniker« um mal Heiner Müller zu zitieren), muss ich doch sagen, dass ein offenes Schicksal zum Charakter jeder Kunst der Straße gehört. Außerdem gibt es kein Urheberrecht auf Sachbeschädigung. Was nicht bedeutet, dass sich damit kein Geld machen lässt. Womit wir bei Banksy wären.

Ich muss gestehen, dass ich seinen Namen noch vor zwei Tagen nicht gekannt habe; ich besitze keinen Fernseher, lese am liebsten meine eigenen Artikel, und ich hasse Graffitis. Es gibt zwei Ausnahmen. Die eine ist ein Spruch, den ich kurz nach der Maueröffnung in Kreuzberg gelesen habe: »Arme DDR. Bleibt die Mauer, gehen die Leute. Fällt die Mauer, ist sie pleite.«

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Die zweite Ausnahme ist Banksy, das Phantom der Streetart. Jener Mann, der eines seiner Bilder in einem selbstgebastelten Rahmen zur Auktion schickte, der eine Mechanik enthielt, die das Werk nach dem Knallen des Hammers zur Hälfte schredderte und den Wert damit augenblicklich vervielfachte.

Doch Banksy hat nicht nur grandiose Einfälle. Er hat vor allem auch Humor. Ich habe vieles von ihm im Netz entdeckt, wo ich lachen musste.

Seine politische Adoleszenz war anarchistisch grundiert, und die bei ihm in jedem Werk zum Ausdruck gebrachte Ironie hat meist einen unverkennbaren Linksdrall.

Banksy arbeitet ohne allzu typische Handschrift. Wiedererkennbar ist bei ihm vor allem die inhaltliche Integration der ausgewählten Wand ins Kunstwerk.

Eine Zeitlang war er komplett von der Bildfläche verschwunden. Das war kurz nachdem er plötzlich zu weltweiter Berühmtheit gelangt war; als Weltstar unerkannt und unbehelligt zu arbeiten, bedarf sorgfältiger Planung.

Am Sonnabend, dem 7. November, wird in der Brotfabrik der Banksy-Biograph Ulrich Blanché ab 19 Uhr aus seinem Buch über das sagenumwobene Genie vorlesen und per Powerpoint dessen Werke an die Wand werfen (das Publikum ist also zur Ostereiersuche eingeladen).

Übrigens hat die Brotfabrik tatsächlich Nachricht von Banksy erhalten. In einer Mail wurde den beiden Kuratoren, Hansi Oostinga und KP Flügel, mitgeteilt, dass sie gerne Banksys Film »Exit Trough the Gift Shop« im Rahmen ihrer Reihe zeigen dürfen, was dann auch am Sonntag, dem 8. November, um 19 Uhr geschehen wird. Allerdings besteht Banksy darauf, dass die Filmvorführung und die Vorstellung des Buches strikt voneinander getrennt stattfinden.

Jetzt ist diese Mail auf meinem Rechner. Ich habe sie Ulrich Blanché am Telefon vorgelesen. Er hält sie für echt. – Die wird nicht gelöscht! Höchstens ausgedruckt und geschreddert.

»Galerie Straße – Streetart Revisited«, Brotfabrik-Kino, Berlin, bis 28.11.2026

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Erschienen in der Ausgabe vom 03.11.2026, Seite 10, Feuilleton

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