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Kino

Der Blick in den Spiegel

Haariges Halloween: »Shaun das Schaf – Spuk im Kürbisfeld«

Foto: AARDMAN Animations/STUDIOCANAL
Der perfekte Held: Shaun das Schaf

Eigentlich wollten es Shaun und die Seinen in ihrem dritten Langfilm etwas ruhiger angehen lassen. Wie der deutsche Titel »Spuk im Kürbisfeld« erahnen lässt, sollte es eine ganz gewöhnliche Horrornacht werden: Nur ein paar Teelichter in die ausgehöhlten Kürbisse stellen und dann als Schaf im Wolfspelz den Hütehund erschrecken. Doch daraus wird nichts. Schuld sind zwei Dinge, die niemand vorhersehen konnte, da sie in der Natur des Schafes nicht vorkommen: die Eitelkeit und die Liebe.

Der Schäfer, dem die Mossy Bottom Farm gehört, auf der Shaun mit seinen Artgenossen lebt, ist des Alleinseins müde. Er hat sich in die Tierärztin verliebt. Sie besucht regelmäßig den Hof, um der Schafherde irgendwelche Schluckimpfungen zu verpassen. Und wenn der Ziegenbock aus lauter Bockigkeit mal wieder die komplette Wäscheleine mitsamt Socken und Unterhose verschlungen hat, sorgt sie auch da beherzt für Abhilfe und zieht alles wieder heraus.

Jeder alleinstehende Schäfer hätte sich vermutlich früher oder später in sie verknallt, vor allem, wenn er bloß zwei Paar Unterhosen besitzt.

Unser einsamer Farmer – einen Namen hat er trotz hunderter Fernsehfolgen und des nun schon dritten Kinofilms noch immer nicht –, der namenlose Farmer also, hat zwei Tickets für den Tanzabend an Halloween unten in der Stadt gekauft. Bevor er sich traut, die Einladung an seine Angebetete auszusprechen, begeht er einen riesigen Fehler: Er blickt in den Spiegel.

Das kennen wir aus einer früheren Folge, und es war damals ziemlich lustig, weil das Glas des Spiegels zerbrochen war. Shaun hatte sich als Farmer verkleidet und spielte das Spiegelbild, so dass niemand etwas bemerkte.

Dieses Mal ist der Spiegel heil.

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Bei den ersten beiden Langfilmen wurde hin und wieder von der Kritik behauptet, die Story diene mehr oder weniger nur dazu, die Gags aneinanderzureihen. Also das Gefühl hatte ich dieses Mal ganz und gar nicht. Der Zuschauer will schon wissen, ob es mit der Ärztin und dem Schäfer wohl doch noch klappen wird. An Hindernissen herrscht nämlich kein Mangel.

Zunächst bekommt der Farmer, als er vor dem Spiegel steht und seine Resthaare zählt, beträchtliche Zweifel an seiner Attraktivität. Mit angeschlagenem Selbstbewusstsein geht er in den Garten, erschrickt dort, weil ihm seine Schafe mal wieder einen Streich gespielt haben. Er rutscht aus und landet im Gemüse. Nicht in irgendwelchem. Als er sich wieder aufrappelt, ist er von oben bis unten beschmiert. Doch was viel schlimmer ist: Die Kürbisernte ist total im Eimer. Alles nur noch Brei. Bye-bye, Halloween. Aber das kann man den kleinen Schafen nun wirklich nicht antun.

Shaun funktioniert als Held so perfekt, weil er sich nie aufdrängt. Sein wuscheliger Kopf steckt zwar voller Ideen, doch wird er immer erst dann so richtig aktiv, wenn das Wohl des Hofes in Gefahr ist, also das der Herde.

Er erinnert sich an ein altes Schulbuch, das zahllose Anleitungen für chemische und physikalische Versuche enthält.

Die Schöpfer von »Shaun das Schaf« sind mit ihrer Experimentierwut schon bei »Wallace & Gromit« überaus erfolgreich gewesen. Jetzt lassen sie Shaun bei Vollmond auf eine Leiter steigen, um in einem riesigen Glasballon eine Tinktur anzurühren, die es in sich hat: ein Wachstumshormon, wie es unsere schwächelnde Wirtschaft gebrauchen könnte. Oder eben auch ein Mann mit kahlem Schädel.

Als er am nächsten Morgen das erste Mal in den Spiegel blickt, freut sich der Farmer noch über seine Mähne und macht sich auf den Weg in die Stadt. Kaum dass er dort angekommen ist, nehmen alle schreiend Reißaus.

Immerhin interessiert sich plötzlich die Ärztin für ihn. Doch leider nur aus wissenschaftlicher Neugierde. Sie ahnt ja gar nicht, wen sie da bei sich in der Praxis betäubt auf ihrem OP-Tisch zu liegen hat. Ist das zottelige Wesen vielleicht sogar gefährlich?

Der Mob, der draußen tobt und ihm den Garaus machen will, scheint davon überzeugt zu sein. Und dann ist da noch Shaun mit seiner Herde. Sie wollen ihren Schäfer nicht nur zurückhaben, sondern auch zurückverwandeln. Ein sehr ehrgeiziger Plan.

Ich hätte an Shauns Stelle ja einfach die Ärztin mit der Hormonsuppe besprenkelt, dann hätten sie und der Schäfer bestimmt zueinander gefunden. Und zwar für immer. Aber das kann man den kleinen Zuschauern nun wirklich nicht antun.

→ »Shaun das Schaf – Spuk im ­Kürbisfeld«, Regie: Steve Cox, Matthew Walker, Großbritannien 2026, 80 Min., Kinostart: heute

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Erschienen in der Ausgabe vom 01.10.2026, Seite 11, Feuilleton

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