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Kino

Harte Zeiten und andere Probleme

Der Dokfilm »La Graciosa – Kanarische Träume« von Karin Kaper und Dirk Szuszies

Foto: Karin Kaper Film
Schwierig: Kleine Insel, viele Touristen

Von allen bewohnten Kanarischen Inseln ist La Graciosa die kleinste. Und eben auch die anmutigste. Ihr rauer Charme wirkt auf Besucher oft magisch. Seit mehr als 30 Jahren zieht es das Regieduo Karin Kaper und Dirk Szuszies auf das vulkanische Gestein, das ungefähr einen Kilometer nördlich von Lanzarote mit einer Gesamtfläche von etwas mehr als 29 Quadratkilometern aus dem Atlantik ragt. Ein Jahr lang haben sie dort für ihren Film »La Graciosa – Kanarische Träume« gedreht.

Es ist ein sehr intensives Porträt geworden, was kaum überrascht. Die Insel ist nicht nur sehr klein, ihre Geschichte ist auch relativ jung. Erst vor 150 Jahren wurde La Graciosa dauerhaft besiedelt, nachdem dort eine Fischfabrik errichtet worden war, die sich jedoch nicht sehr lange hielt. Als einzige Überlebensgrundlage blieb der Fang. Eine Soziologin, die im Film zu Wort kommt, bezeichnet die Periode bis zum Beginn des Spanischen Bürgerkriegs als die kommunistische Phase; alle lebten in den gleichen Verhältnissen. Das einzige, was nicht gerecht verteilt wurde, war die Arbeit. Die Frauen bekamen das meiste davon ab, dicht gefolgt von den Kindern. Was allerdings auch dem Umstand geschuldet war, dass die Männerdomäne Fischfang seit jeher von witterungsbedingten Unterbrechungen geplagt wird; schlimmer als die Stürme von Nordost sind nur die aus der Sahara.

Erzählt wird die ökonomische Entwicklung La Graciosas vor allem aus der Perspektive von Zeitzeugen. Die jahrzehntelange Bürgermeisterin von Caleta de Sebo, dem einzigen dauerhaft bewohnten Ort auf der Insel, zählt zwischen zwei Zügen von ihrer Zigarette auf, was es vor ihrer Amtszeit alles nicht gegeben hat. Und auch die mittlerweile allgegenwärtige, auf den Tourismus ausgerichtete Gastronomie in dem 720-Seelen-Dorf erhielt ihren entscheidenden Impuls von einer Frau. Auf dem Bildungssektor sieht es ähnlich aus.

Der einzige Bereich, der sich neben dem Fischfang bis heute fest und ausschließlich in Männerhand zu befinden scheint, ist der Umweltschutz. An ihm scheiden sich nun die Geister.

Ein steinalter Fischer bündelt das Dilemma auf seine Art: »Sie verbieten einem sogar das Fischen. Es gibt auch keinen Fisch.«

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Das stimmt zum Glück nicht so ganz. Verboten ist es, mit Netzen zu fischen. Also fahren auch die Profis mit der Angel hinaus, und zwar einzeln. Dass sie Fang und Navigation gleichzeitig meistern müssen, ist nicht ihr größtes Problem. Das sind die vielen Sportfischer.

Gleich zu Beginn des Films werden wir aus dem Off darüber informiert, dass sowohl die Zahl der Ferienwohnungen als auch die der Tagesausflügler längst ein kritisches Maß erreicht hat. Auf die Bilder der großen Fährschiffe, die nach 30minütiger Überfahrt von Lanzarote im Hafen einlaufen, folgen ziemlich bald die ersten Aufnahmen der selbständigen Powerfrauen, die von dieser Art Tourismus leben.

Karin Kaper und ihr Regiepartner thematisieren den Konflikt zwar, indem sie zeigen, wie er ausgetragen wird, was ehrlicherweise mit der Distanz der Fremden geschieht, sie verzichten jedoch nach ihrem einleitenden Kommentar auf Wertungen.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie diesen Film auch ohne die ökologische Konfliktsituation auf der Insel gedreht hätten. Nicht nur wegen der Einzigartigkeit der Landschaft, vor allem wegen der Besonderheit der Menschen.

Die durchweg harten Zeiten haben sie geprägt. Das Überleben war lange nicht selbstverständlich und ohne ein Mindestmaß an Solidarität auch nicht möglich.

Obwohl sich die Lebensumstände normalisiert haben, eint die Insulaner doch ein Bewusstsein für die gegenseitigen Abhängigkeiten: Eine zerstörte Landschaft würde La Graciosa für den Tourismus unattraktiv machen. Und andererseits: So ganz ohne Tourismus bräuchte man auch keinen Umweltschutz mehr.

»La Graciosa – Kanarische Träume«, Regie: Karin Kaper und Dirk Szuszies, Deutschland 2026, 115 Min., bereits angelaufen

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Erschienen in der Ausgabe vom 20.10.2026, Seite 10, Feuilleton

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