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Kino

Sie sind wie wir

Monströse Außerirdische in Na Hong-jins Actionspektakel »Hope«

Foto: Plus M Entertainment
Halten Sie Türen und Fenster geschlossen – und seien Sie bewaffnet!

»Das alles fing an, nachdem der Japaner hierhergekommen ist«, heißt es in einer Szene des Mysterythrillers »The Wailing – Die Besessenen« aus dem Jahr 2016. Es sind ziemlich üble Dinge, die sich plötzlich in einem bis dahin völlig friedlichen südkoreanischen Dorf zutragen, und zwar in der Tat seitdem sich der geheimnisvolle Fremde in dessen Nähe niedergelassen hat.

Beim Kinopublikum kam der von Regisseur Na Hong-jin künstlerisch anspruchsvoll inszenierte Horrorfilm damals hervorragend an. Allein in Südkorea spielte er bei rund acht Millionen US-Dollar Produktionskosten mehr als 40 Millionen Dollar ein; weltweit kamen dann noch einmal ungefähr zehn Millionen hinzu.

»Hope«, das neue Werk des Regisseurs, ist die teuerste Produktion, die jemals in Südkorea gedreht wurde (die Kosten liegen wohl bei 46 Millionen US-Dollar).

Auch dieses Mal sucht etwas Schreckliches die Provinz heim.

Hope Harbor nennt sich die unweit der Grenze zu Nordkorea gelegene Kleinstadt. Mit illegalen Grenzübertritten muss hier ständig gerechnet werden. Schilder fordern die Einwohner zur Wachsamkeit vor Spionen auf. Der Kleidung und den Fahrzeugen nach zu urteilen, spielt der Film in den 90er Jahren. Es ist beabsichtigt, dass wir uns bei den ersten Szenen so fühlen, als würden wir einen Film anschauen, den wir vor langer Zeit schon einmal gesehen haben.

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Polizeichef Bum-seok (Hwang Jung-min) steigt aus seinem 88er Hyundai Stellar und richtet die verspiegelte Sonnenbrille. Eine Gruppe Jäger hat ihn herbeigerufen. Mitten auf einer schmalen Landwirtschaftsstraße liegt eine tote Kuh, ziemlich übel zugerichtet. Wer kann das getan haben? Vielleicht ein Tiger? Die sollen hin und wieder durch den Grenzzaun schlüpfen. Oder ein Bär? Doch die Verletzungen, insbesondere die Kratzspuren auf dem Kadaver, deuten auf etwas Größeres hin.

Diese Vermutung bestätigt sich, als der Polizeichef in die Stadt zurückkehrt, in seine Stadt, die kaum wiederzuerkennen ist. Ganze Häuserzeilen sind verwüstet. Überall liegen tote Menschen. Besonders beunruhigend sind die Autos, die von irgendwoher durch die Luft geschleudert werden. Das können keine kommunistischen Agenten sein.

Der Polizeichef holt sein automatisches Gewehr aus dem Kofferraum und beginnt, das amoklaufende Wesen, von dem lange Zeit weder er noch wir wissen, wie es aussieht, zu verfolgen. Kaum, dass er zum ersten Mal des Aliens ansichtig wird, bekommt es von ihm auch schon ein Ding aufgebrummt, was aber nicht viel bringt. Und, soviel sei schon mal verraten, wer gerne Bullen auf der Flucht sieht, dem sei »Hope« sehr empfohlen, auch wenn die Zielgruppe freilich eine ganz andere ist.

Bei den diesjährigen Internationalen Filmfestspielen von Cannes war »Hope« für die Goldene Palme nominiert. Regisseur Na Hong-jin saß bei der üblichen Pressekonferenz mit seinem Team auf dem Podium und sprach über den Ansatz von »Hope«, nämlich sowohl gesellschaftliche Probleme als auch Kriege und Gewalt als Phänomene des Universums darzustellen. Da es im Film einige sehr witzige Szenen gibt, wurde er von einer französischen Journalistin gefragt: »Wenn Aliens zu uns kommen würden, wären sie dann auch so lustig und würden uns ein paar Dinge beibringen?«

Na Hong-jin machte sich nicht die Mühe, lange zu überlegen. »Warum stellen Sie diese Frage mir?« Dann reichte er das Mikro an Hollywoodstar Michael Fassbender weiter. Der stellte klar, dass er im Film kein Alien spielt, sondern ein Monster: »Sie sind wie wir, sie wollen ihr Junges beschützen.«

Es gibt also einen plausiblen Plot. Und trotz der jedes Mal endlos erscheinenden Kampf- und Actionszenen achtet der Regisseur darauf, dass wir die Story nicht aus den Augen verlieren. Um seinen universellen Anspruch zu untermauern, lässt er uns an entscheidenden Stellen die Perspektive wechseln. So kommunizieren beispielsweise die Außerirdischen in einer uns Menschen unverständlichen Sprache. Erst in den letzten Einstellungen erfolgt auch eine Übersetzung.

Wir sehen ein Raumschiff von gigantischen Ausmaßen, das in unsere Atmosphäre eindringt. In sämtlichen Öffnungen ist Feuer zu sehen. Die Aufnahmen erinnern ein wenig an die Katastrophe der »Hindenburg«. Die beiden Außerirdischen, die den Absturz mit Entsetzen beobachten, reden etwas von einem »Raumschiff des Kaisers«. Als es beim Aufprall an einem Berg explodiert, erzeugt dies einen wunderschönen Atompilz, so dass ich mich gefragt habe, ob der Film wohl auch in Japan laufen wird. Vor allem aber musste ich an Heiner Müller denken, der nach dem Bekanntwerden seiner Krebserkrankung damals mit einer Zigarre im Mund gesichtet wurde. Sein Kommentar: »Als das Luftschiff in Flammen stand, hob der Kapitän das Rauchverbot auf.«

Übrigens wird der Film auf jeden Fall in Japan gezeigt werden. Allerdings nicht mehr in diesem Jahr. No »Hope«.

→»Hope«, Regie: Na Hong-jin, Südkorea 2026, 157 Min., Kinostart: heute

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Erschienen in der Ausgabe vom 08.10.2026, Seite 11, Feuilleton

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