Fratz braucht Knete
Der Freie Radiosender Fratz in Flensburg sammelt Geld gegen die drohende Abwicklung. Der Kulturausschuss der Stadt hatte im Juni Radio Fratz aus der Kulturförderung gekickt; ab 2027 sitzen die Kollegen an der Küste weitgehend auf dem Trockenen (jW berichtete). Personell hat das keine Konsequenzen, alle Radiofratzen arbeiten ehrenamtlich. Um aber weiter die Miete bezahlen zu können, sucht der Sender alternative Einnahmequellen, erläuterte Chiara Boy vom Vorstand im Sommer. »Wenn wir nichts finden, ist es Ende des Jahres vorbei.« Einige Spendenaktionen später kommen aus Flensburg bessere Nachrichten: »Bis Mitte kommenden Jahres ist die Miete gesichert.« Weiterhin fehle jedoch die dauerhafte Finanzierung, und der Aufwand für das Fundraising sei hoch. »In dieser Form können wir das nicht ewig durchziehen«, befürchtet Boy.
Die Radioaktivisten hoffen, mit der Stadt über eine reguläre Förderung neu ins Gespräch zu kommen. Auf die bürgerlichen Parteien bis hin zur SPD können sie dabei eher nicht bauen. Auf längere Sicht steht Radio Fratz also vor einer Aufgabe, der sich über kurz oder lang alle Freien Sender stellen müssen: Wie belastbare Strukturen schaffen, ohne bei der Politik die Hand aufzuhalten? Die Abhängigkeit von Staatsknete ist inhaltlich schon heute problematisch und angesichts der absehbaren Machtübergabe an die AfD Selbstmord auf Raten. Die Freiheit der Freien Radios hängt grundsätzlich von einer gut gefüllten Kriegskasse ab, die nahe Zukunft der »Freies Radio«–Initiative Flensburg e. V. von Spenden auf das Konto DE88 8306 5408 0004 9808 67.
Programmvorschläge: Im März ist Alexander Kluge verstorben, nun holt der DLF eine frühe Retrospektive von Andreas Ammer aus dem Schrank: → »Eigentum am Lebenslauf – Das Gesamte im Werk des Alexander Kluge« (BR 2007, Di., 20.05 Uhr). In den »Radiogeschichten« liest Brita Steinwendtner aus ihrem neuen Roman → »Am Weiher« (Mi., 11.05 Uhr, Ö 1). Von der Theaterbühne ins Aufnahmestudio haben Eva Bormann und Luise Voigt ihr Stück → »Wir sind das Volk« geholt (DLF 2026, Teil 1/4 Mi., 22.05 Uhr, DLF Kultur, Teile 1 und 2/4 Sa., 20.05 Uhr, DLF). Der skeptische Kolumnist nimmt zur Kenntnis das Urteil des unbestechlichen Michael Helbing in der Thüringer Allgemeinen: »Eine Sensation!«
Frisörladenklatsch in der Reihe »Das Wissen« im Dreiteiler »Organisierte Kriminalität in Europa«. Folge 1 (Do., 8.30 Uhr, SWR Kultur) meint mit → »Die Kriminellen« im Titel Strumpfmaskierte am Bankschalter und nicht Nadelstreifenhörnchen in der Vorstandsetage. Und auch im zweiten Teil, → »Die vielen Komplizen« (Fr.), tritt kein Cum-Ex-Olaf auf, also reden wir nicht länger darüber. Notieren wir lieber → »Ein Matriarchat in Mexiko – die Frauen von Juchitán« (ORF 2026, Fr., 20 Uhr, SRF 2 Kultur) und → »Das rechte Netzwerk der Fürstin« Gloria von Thurn und Taxis (BR 2025, Sa., 13.05 Uhr, So., 20.03 Uhr, Bayern 2).
Der Wiener Kabarettist Andreas Vitásek feiert 45 Bühnenjahre in seinem Programm → »Wie es mir gefällt« (Sa., 19.05 Uhr, Ö 1). Zur selben Zeit läuft auf DLF Kultur die Kammeroper → »Accabadora« von Francesco Filidei, aufgenommen wenige Tage nach der Uraufführung im Juli beim Festival d’Aix-en-Provence (Sa., 19.05 Uhr, DLF Kultur). Etwas später auf Bayern 2 der Psychokrimi → »Eine günstige Gelegenheit« von Manfred Philipp (BR 1982, Sa., 20.03 Uhr).
In »Fragen an den Autor« warnen Hannes Vogel und Roland Peters vor dem → »Angriff der Techmilliardäre« (So., 9.04 Uhr, SR Kultur), und in einem Hörspiel nach einer Novelle von Guy de Maupassant verbummelt eine arme Maid → »Das Diamantenhalsband« (SDR 1950, So., 18.20 Uhr, SWR Kultur). Schließlich treten zwei echte Exkundschafterinnen von KGB und MfS in der »Science Arena« auf; → »Wie erkennt man Spione«, sollen sie verraten, doch sie befürchten: »Gar nicht« (16.05 Uhr, Ö 1).
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Berufung möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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