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Kein Bekenntnis zum Jazzfestival

Foto: hr/Richard Thompson
Ab Donnerstag auf dem Deutschen Jazzfestival: Vibraphonistin Sasha Berliner

Nachdem die Buchmesse gelesen ist, wird diese Woche in Frankfurt am Main das 57. Deutsche Jazzfestival gefeiert. Wie gewohnt überträgt Mitveranstalter HR 2 Kultur live, am Mittwoch und Donnerstag aus dem Sendesaal unter anderem Andrés Coll feat. Majid Bekkas sowie Darius Blair/Finn Heine Group feat. Sasha Berliner (je 19.04 Uhr). Am Freitag spielen Mad Hatter feat. Ivars Arutyunyan in der Milchsackfabrik (20.04 Uhr) und am Sonnabend eröffnet Emma Rawicz mit der Hausbigband den letzten Abend (19.04 Uhr). So der Programmplan, wie es danach weitergeht, ist offen beim dienstältesten Jazzfestival der Welt.

Der Hessische Rundfunk soll ab 1. Januar ein neues Mediengesetz bekommen; dessen Entwurf sieht vor, dass die Anstalt ab 2027 nur noch vier Hörfunkprogramme ausstrahlen darf. In Vorbereitung darauf hatte der Sender vor zwei Jahren eine »Radiostrategie« veröffentlicht, die fundamentale Einschnitte bei HR 2 Kultur beinhaltet: Nach der Frühsendung »geht es in ein HR 2 Klassik-Musikprogramm ohne originären Content.« Die junge Welt hat beim HR angefragt, ob trotzdem vorgesehen ist, in den kommenden Jahren das Deutsche Jazzfestival auf HR 2 Kultur zu übertragen. Die Abteilung Kommunikation blockte ab: Man möchte dem parlamentarischen Verfahren nicht vorgreifen und werde »die einzelnen Regelungsvorschläge derzeit nicht öffentlich bewerten«. Obwohl nach dem Gesetz nicht gefragt wurde, sondern nach den internen Vorgaben, ein klares Bekenntnis zum eigenen Baby klingt anders. Der HR kommuniziert wie der Fußballboss am Samstag abend, der am nächsten Morgen seinen Trainer feuern wird.

Programmvorschläge: Im neuen »ARD-Radiotatort« von Madeleine Giese geht es um einen Bauunternehmer, der von unbekannter Hand kaltsaniert wurde: → »Mit dem Rücken zur Wand« (SR 2026, Fr., 19.03 Uhr, WDR 3; Sa., 17.04 Uhr, WDR 5; 20.03 Uhr, Bayern 2; So., 17.04 Uhr, SR Kultur; 18.05 Uhr Bremen zwei; Mo., 20.04 Uhr, MDR Kultur). »Eine hoffnungslos romantische, immersive Reise ins Jenseits der Liebe« soll das Hörspiel → »I love you because I love you« von Fabian Thieme geworden sein über ein deppertes Verhältnis zu einem Chatbot (DLF 2026, Di., 20.05 Uhr, DLF; Do., 22.05 Uhr, DLF Kultur).

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Radio 3 bringt Bild-Redakteure an den Start; Autor der »Deep Doku« über den Männlichkeitswahn → »Looksmaxxing« ist Erwin Hitzler, neuerdings Fremde-Heere-Ost-Experte bei Springers Sturmgeschütz (RBB 2026, Mi., 19.05 Uhr). Dann lieber → »Lachen, bis die Ärztin kommt« in der »Querköpfe«-Ausgabe über die komische Kopftuchnarkotiseurin Anissa Loucif (Mi., 21.05 Uhr, DLF). In den »Radiogeschichten« liest Dörte Lyssewski aus → »Don Juan und …« von Henri-Pierre Roché (Do., 11.05 Uhr, Ö 1). Und die »Spielräume – Nachtausgabe« mit dem Titel → »Tenor Madness« lässt Sonny Rollins, John Coltrane und die anderen Größen des Tenorsaxofons verrücktspielen (Fr. 22.01 Uhr, Ö 1).

Nie zugestellte → »Abschiedsbriefe aus der Todeszelle« sind im »Bayern 2-Radiofeature« zu hören (BR 2026, Sa., 13.05 Uhr, So., 20.03 Uhr). Zum 90. Geburtstag von Christine Nöstlinger am 13.10. wurde das Stück → »Iba de gaunz oamen Leit« aus dem Archiv geholt, die Hörspielversion der gleichnamigen Wiener-Vorstadt-Trilogie (ORF 2012, Sa., 14 Uhr, Ö 1). In der »ARD-Oper« läuft → »La Reine de Saba« von Charles Gounod, aufgenommen im Mai in Düsseldorf (Sa., 20.03 Uhr, BR Klassik, NDR Kultur, Radio 3, SR Kultur, WDR 3).

Spektakulär: das »WDR 5-Hörspiel am Sonntag«; es gibt → »Die Kinski-Bänder« von Lorenz Schröter, Mitschnitte des letzten Interviews, das der todkranke Klaus Kinski sich weigerte zu führen (WDR 2006, 17.04 Uhr). Und am Montag bekommt der nervöse Bundesbürger für sein Gebührengeld eine tröstliche Dosis Kriegsertüchtigung: → »Bunkermentalität – Schutzräume in der Zeitenwende« (Mo., 19.30 Uhr, DLF Kultur).

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Erschienen in der Ausgabe vom 13.10.2026, Seite 14, Feuilleton

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