Iran lässt Tanker durch
Pakistan bekommt Gas aus Katar über Straße von Hormus
Die Frachtraten für Ölsupertanker auf Routen zwischen dem Nahen Osten und Asien haben erstmals die Marke von 1,2 Millionen US-Dollar pro Tag überschritten. Das berichtete die Financial Times am Mittwoch. Die Schiffe seien deutlich länger unterwegs und deshalb schwer zu chartern, was den Druck auf die globalen Energiemärkte zusätzlich zur Sperrung der Straße von Hormus verschärfe. Die macht auch Pakistan zu schaffen: Von dem Flüssigerdgas, dessen Lieferung es mit dem Emirat Katar langfristig vereinbart hat, kommt fast nichts im pakistanischen Hafen Port Qasim in Karatschi an. Ein Tanker durfte die Meerenge am Wochenende laut Bloomberg aber passieren. Die »Shandong Redwood«, die Pakistan in der Nacht zu Mittwoch erreicht hat, war bereits am 28. Juni am Terminal Ras Lafan in Katar beladen worden und ankerte ab dem 7. September vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate.
Die sichere Passage sei das Ergebnis von Verhandlungen zwischen Pakistan und Iran, so die pakistanische Ausgabe der saudischen Tageszeitung Arab News. Nach wie vor wäre es in der internationalen Schiffahrt andernfalls eine Gefährdung des Lebens der Besatzung, auf eigene Faust die Meerenge zu durchqueren. Erst am Montag teilte die britische Behörde für Sicherheit in der Schiffahrt (UKMTO) mit, dass ein Tanker, der in den Persischen Golf einfahren wollte, von einem Geschoss getroffen worden sei. »Zwei Besatzungsmitglieder haben leichte Verletzungen erlitten«, warnte UKMTO.
Im September kamen nur zwei Schiffe aus Katar in Karatschi an. Deutlich zuwenig. »In der Zeit der Spitzennachfrage benötigt das Land vier bis fünf Lieferungen pro Monat, um eine LNG-basierte Erzeugungskapazität von rund 5.000 Megawatt aufrechtzuerhalten«, berichtete Arab News am Montag. Neben Kohle, Wasserkraft und Kernenergie deckt Pakistan seinen Strombedarf zu 17 Prozent mit Erdgas – hauptsächlich aus dem Golfemirat.
Die Folge der aktuellen Knappheit sind Stromausfälle von bis zu zwölf Stunden. Bei Kraftstoff gäbe es aber noch keinen Engpass, beruhigte Pakistans Erdölminister Ali Pervaiz Malik am Sonntag die Bevölkerung. Der Benzinpreis sei zwar seit dem 1. März um rund 50 Prozent gestiegen, liege aber immer noch deutlich unter dem Preisanstieg für Öl von 80 Prozent auf dem Weltmarkt, berichtete das pakistanische Wirtschaftsblatt Business Recorder am Dienstag.
Eine ebenfalls am Dienstag eintreffende Nachricht aus Saudi-Arabien erfreute den Ölminister: Die Lieferung von Rohöl über das Rote Meer nach Pakistan sei wieder aufgenommen worden, berichtete Arab News. »Tatsächlich wird gerade eine Ladung für eine pakistanische Raffinerie verladen; der Ladevorgang wird heute abend bis 21 Uhr abgeschlossen sein«, sagte Asad Hasan der Chef der pakistanischen Ölgesellschaft National Refinery Limited am Dienstag gegenüber dem saudischen Medium. Wann und wo die Ladung ankommen soll, ist nicht bekannt.
Auch die beschädigte Pipeline, die Öl von den Feldern im Osten des absolutistischen Königreichs zum Hafen Yanbu am Roten Meer pumpt, soll wieder arbeiten, allerdings nur gedrosselt, meldete Reuters am Dienstag. Immerhin sank der Preis für ein Barrel der Marke Brent um zwei Dollar auf etwa 98 US-Dollar – den niedrigsten Stand seit zwei Wochen. Nach der Blockade der Straße von Hormus hatte Pakistan seinen Ölimport aus der Golfregion auf die Route über das Rote Meer verlagert. »Branchenvertreter schätzen, dass über diesen Korridor transportiertes Rohöl inzwischen etwa ein Viertel des nationalen Bedarfs deckt«, so Arab News. Angriffe der Ansarollah aus dem Jemen hatten aber auch diese Alternativroute in Gefahr gebracht.
Unterdessen besuchte Anfang der Woche der pakistanische Innenminister Mohsin Naqvi die iranische Hauptstadt Teheran – zum sechsten Mal seit Februar. Naqvi traf den dortigen Präsidenten Masud Peseschkian. »Wir sind der Meinung, dass die Beziehungen zwischen dem Iran und Pakistan noch nie ein so hohes Niveau hatten wie heute«, erklärte Innenminister Naqvi beinahe euphorisch. Derlei Symbolik kann Energieimporte freilich nicht ersetzen.
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