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Meeresumweltsymposium

Verkabelt, verpestet, vertrackt

35. Meeresumweltsymposium stellt abermals fest: Um die Ozeane steht es nicht gut

Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa
Fih

Der »Umweltzustand der Meere ist schlecht«. Gerold Janssen vom Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) in Dresden neigt nicht zur Verharmlosung: Vor dem 35. Meeresumweltsymposium (MUS) des Hamburger Bundesamtes für Schiffahrt und Hydrographie (BSH) tadelte er Anfang dieser Woche vor allem, dass bisher vereinbarte Schutzmaßnahmen und ‑ziele bis heute nicht umfassend und verbindlich umgesetzt würden. Etliche andere Beiträge der Konferenz wiesen in ähnliche Richtungen. Letztlich ging es immer wieder um einen uralten Konflikt: Wieviel Schutz ist möglich und nötig, wenn doch Nutzungsinteressen und -konflikte intensiv und stetig zunehmen?

Auf dem MUS, das das BSH mit Unterstützung des Bundesumweltministeriums, des Umweltbundesamtes und des Bundesamtes für Naturschutz ausrichtet, debattieren regelmäßig mehrere hundert Interessierte aus Politik, Verwaltung, Forschung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft thematisch vielfältig über Meeresschutz unter dem Druck der sogenannten nachhaltigen Nutzung – wobei meist letztere den Sieg davonträgt. Vorrangig geht es um die heimischen Meere Nord- und Ostsee, deren Belastung trotz erheblicher Fortschritte in den vergangenen Jahrzehnten weiterhin viel zu hoch ist. Gerade in Zeiten des globalen Klimawandels geraten aber die Weltmeere und ihre eklatant wichtige Funktion als zentrale Regulatoren für Wetter und Klima ständig stärker in den Fokus.

Janssens Schelte gilt der Vielfalt internationaler, europäischer und nationaler Abkommen zum Meeresnaturschutz: Ihnen allen fehlten bis heute fundierte ökologische Planungsgrundlagen. Es blieb im Verlauf des Symposiums nicht die einzige Kritik, es gab etliche konkrete stoffliche und praktische Beispiele für den schlechten Zustand und seine Ursachen. Simone Hasenbein, Leiterin des BSH-Referats für umweltgefährdende Substanzen, monierte, auch Jahrzehnte nach einschlägigen Verboten belaste das giftige Schwermetall Quecksilber in grenzwertüberschreitenden Konzentrationen die küstennahe Nordsee. Die Verpestung über Luft und Flüsse, aus Kohlekraftwerken oder über den ins Meer verklappten Hamburger Hafenschlick halte an. Auch für die Ostsee befürchtete sie schlechte Messergebnisse, allerdings sei deren Auswertung aktuell noch nicht beendet.

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Ein anderes Beispiel liefert die anhaltende Debatte über die Auswirkung von Fischerei auf die Meeresumwelt: Seit Ende 2024 ist in Teilen der Ostsee die bodenberührende Fischerei verboten. Allerdings haben Untersuchungen des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung in Warnemünde (IOW) gezeigt, dass seit dem Verbot etwa im Fehmarnbelt mehr mit Grundschleppnetzen gefischt wird als zuvor. IOW-Studienleiter Peter Feldens hat aufgrund konkreter Untersuchungen ausschließlich dänische Fischer im Verdacht.

Apropos Fischerei und Klimawandel: Helene Gutte von der Uni Hamburg hat den Einfluss mariner Hitzewellen auf die Fischbestände in der westlichen Ostsee untersucht. Demnach nähmen die Bestände von Plattfischen und anderen wärmeliebenden Arten zu, von Dorsch oder Hering, die es kälter mögen, hingegen nicht. Zufällig am Tage des Symposiums veröffentlichte das BSH die aktuelle Sommerbilanz, wonach die Wassertemperaturen in Nord- und Ostsee im Juni, Juli und August deutlich über dem langjährigen Mittel gelegen hätten.

Ebenso klimarelevant wie umwelt- und gesundheitsschädlich ist der alte Streit um Schiffstreibstoffe, in dem die UN-Schiffahrtsorganisation IMO bislang mit viel Zaudern und Zögern agiert. Beim MUS indes zeigte sich, dass viele Alternativtreibstoffe, auch die »grünen«, aus regenerativ erzeugtem Strom produzierten »E‑Fuels«, fast alle ihre Schwächen und Tücken haben. E-LNG ist fossil, E-Methanol ebenfalls nicht kohlenstofffrei, E-Ammoniak kann bei unvollständiger Verbrennung das extrem starke Treibhausgas Lachgas freisetzen, viele Alternativkraftstoffe benötigen ein hohes Tankvolumen, was den Frachtraum beschränkt, oder sie bergen Risiken beim Bunkern oder bei Havarien.

Zu guter Letzt sei der nicht endende Konflikt um die Offshorewindkraft erwähnt: Abgesehen vom Streit um den mengenmäßig massiven Ausbau stören die Anlagen Sing- und Seevögel und Fledermäuse, erzeugen beträchtlichen Unterwasserlärm, emittieren Mikroplastik, ihre Verkabelung schädigt das geschützte Watt – um nur einige in Hamburg erörterte Folgen zu erwähnen. Ozeane seien mehr als ein Standort für Windkraftanlagen, ätzte sarkastisch der Kieler Geomar-Forscher Thorsten Reusch, und forderte mehr Rücksichtnahme auf die »Schönheit der Meere« – ein Appell, der Janssens Kritik entkräften helfen könnte.

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Erschienen in der Ausgabe vom 12.09.2026, Seite 5, Inland

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