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Schiffbaubranche

Rückenwind durch Aufrüstung

Volle Auftragsbücher und Beschäftigungszuwächse: Dem deutschen Schiffbau geht es laut der IG Metall blendend; nur fehlen Perspektiven abseits des Militarismus

Foto: Jens Büttner/dpa
Wahlkrieg: Grüne Funktionäre zu Gast bei TKMS (Wismar, 26.8.2026)

Die »norddeutschen Werften wachsen und blicken optimistisch in die Zukunft« – so verkündet es die Industriegewerkschaft Metall (IGM) auf Grundlage ihrer aktuellen Umfrage unter Betriebsräten mehrerer Dutzend Schiffbauunternehmen. Leicht getrübt wird der Optimismus zwar durch steigende Anteile militärischer Aufträge, was der Bezirksleiter der IGM Küste, Daniel Friedrich, allerdings nur sehr verhalten kritisiert.

Ihre »Schiffbauumfrage« nimmt die Gewerkschaft seit mittlerweile 36 Jahren vor. Die jeweiligen Ergebnisse bieten einerseits ein aufschlussreiches Bild der Lage in der Branche, sind aber andererseits durch Art und Umfang der Fragestellungen immer nur begrenzt aussagefähig. In diesem Jahr wurden Betriebsräte aus insgesamt 41 Werften unterschiedlicher Größe befragt, Betriebe mit insgesamt 17.141 Beschäftigten – knapp 2.400 mehr als im Vorjahr. Der Schiffbau der BRD habe »so gute Perspektiven wie lange nicht mehr«, schlussfolgert Friedrich aus diesen Zahlen. Zuversichtlich stellt er fest, die Auftragsbücher der Unternehmen seien »auf Jahre hinaus gut gefüllt«. Daher erwarteten »die befragten Betriebsräte in den kommenden zwölf Monaten einen Beschäftigungsaufbau von 1.700 neuen Arbeitsplätzen«.

Die meisten Schiffbaujobs gibt es in Schleswig-Holstein mit 6.557 Stellen – und im Vergleich zu 2024 mit mehr als 1.800 Stellen zudem den stärksten Personalausbau. Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern hatten in besagten zwei Jahren Jobverluste hinzunehmen, im Nordwesten schrumpfte die Personalstärke von 5.143 auf 4.695, im Nordosten von 2.204 auf 1.562 Stellen. Bremen und Hamburg verzeichneten leichte Zuwächse, an der Weser von 2.240 auf 2.392, an der Elbe von 1.521 auf 1.935.

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Trotz guter Auftragslage nur 1.700 neue Jobs? Der Fachkräftemangel bleibe »eines der größten Probleme der Branche«, stellt die IGM in ihrer aktuellen Pressemitteilung fest. Mehr als die Hälfte der Betriebe erwarte zwar weitere Neueinstellungen, berichte aber zugleich von Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen. Den erwarteten 1.700 Neueinstellungen steht übrigens die Zahl 350 gegenüber – so viele Beschäftigte nämlich werden den Angaben zufolge in den kommenden zwölf Monaten altersbedingt in den Ruhestand gehen.

Es komme jetzt darauf an, so Friedrich, ausreichend Fachkräfte zu gewinnen und die Ausbildung auszubauen; schließlich seien die Perspektiven für die Beschäftigten »deutlich besser als noch vor wenigen Jahren«. Während nur zwei von 41 Betrieben in naher Zukunft einen Stellenabbau für möglich halten und kein einziger Betrieb mit einem Rückgang der Auftragseingänge rechnet, bilanziert die Umfrage erstmals seit vielen Jahren eine leicht positive Entwicklung der Ausbildungsquoten bei gleichzeitig hohen Übernahmequoten nach Abschluss. Insgesamt befänden sich derzeit rund 900 junge Menschen in Ausbildung.

Dennoch stellt Friedrich eine Schieflage in diesem Bereich fest: Einerseits hätten nur zwei Drittel der befragten Betriebe ihre angebotenen Ausbildungsplätze besetzen können, andererseits stünden rund 3.000 eingegangenen Bewerbungen weniger als 400 angebotene Ausbildungsplätze gegenüber. Und er mahnt nachdrücklich: »Angesichts der steigenden Beschäftigung brauchen wir deutlich mehr Ausbildungsplätze und eine stärkere Nachwuchsoffensive.« Dies um so mehr, als die steigenden Auftragseingänge aktuell zu einer durchschnittlichen Auslastung von 90 Prozent führten; bei rund der Hälfte der befragten Betriebe seien es bereits jetzt 100 Prozent oder mehr. In 27 der befragten Unternehmen würden rund 1.100 Leiharbeitnehmer beschäftigt, in 13 Betrieben davon seien rund 100 übernommen worden. Eindringlich appelliert Friedrich in diesem Zusammenhang an die Werftleitungen: »Wer dauerhaft Fachkräfte sucht, muss Perspektiven schaffen. Dazu gehören Tarifbindung, gute Arbeitsbedingungen und die Übernahme von Leiharbeitsbeschäftigten in reguläre Beschäftigung.«

Zu den Perspektiven gehört heutzutage leider auch der Aspekt Militarisierung: Laut IGM wird die aktuelle Entwicklung auf den deutschen Werften »vor allem vom Marineschiffbau« getragen. »Inzwischen wird mehr als die Hälfte des Branchenumsatzes im militärischen Bereich erzielt«, fasst die Gewerkschaft diesen Teil ihrer Umfrage zusammen. Zwar fordert Friedrich in diesem Kontext auch »langfristige Perspektiven für den zivilen Schiffbau, für Offshoreenergie und klimafreundliche maritime Technologien«, mahnt gar, Deutschland dürfe »seine maritime Industrie nicht einseitig ausrichten«. Mehr aber auch nicht – gewerkschaftliche Entwürfe oder Forderungen fehlen völlig. Wer es für unwahrscheinlich hält, dass Ideen dazu unter den Beschäftigten der Werften überhaupt nicht diskutiert werden, gelangt schnell zu der Frage, warum solche Themen bei den Betriebsräten nicht auch abgefragt worden sind. Weder originärer Handelsschiffbau – Containerschiffe, Bulker oder mehr – noch die kritikwürdige Auftragsvergabe deutscher Reeder noch die wichtige Zukunftsaufgabe des ökologisch und sozial sauberen Abwrackens werden auch nur einmal erwähnt.

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Erschienen in der Ausgabe vom 29.08.2026, Seite 5, Inland

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