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Maritime Wirtschaft

Auf See ist es besonders schwer

Gewerkschafter untersuchen Arbeitsbedingungen von Seeleuten in mehreren Häfen. Das Fazit fällt schlecht aus

Foto: STEINSIEK.CH/IMAGO
Schattenflotte aus Rostkähnen auf den Weltmeeren (Bremerhaven)

Im Hafen der Unterweserstadt Brake lag gut eine Woche lang ein 19 Jahre altes Frachtschiff von 126 Metern Länge und einer Tragfähigkeit von etwas mehr als 10.000 Tonnen »an der Kette«, die zuständige Berufsgenossenschaft (BG) Verkehr hatte ein Auslaufverbot verhängt. Wie der Infodienst Hansa berichtete, hatte die örtliche Wasserschutzpolizei das Schiff als »insgesamt in einem sehr schlechten Zustand« beurteilt. Das klingt schlimm, ist aber leider kein Einzelfall. Es heißt, ein Lotse habe eine fehlerhafte Ruderanlage gemeldet, worauf die Dienststelle Schiffssicherheit der BG Verkehr das Schiff einer sogenannten Hafenstaatskontrolle unterzogen habe.

Mit niederschmetterndem Ergebnis: Mängel in den Schiffszeugnissen und zugehörigen technischen Unterlagen, in den maschinenseitigen Justierungen zur Reduktion der Stickoxidemissionen.Obendrein auch noch schlechte Hygie­nezustände, beispielsweise Schimmelbefall in Duschen und Toiletten, schlechte Bedingungen für die 17 Mann zählende Besatzung sowie mangelhafte Schiffsmüllentsorgung. Allein für die unzureichende Emissionsregelung sind gegen den Kapitän und den Leiter der Maschinenanlage Bußgelder von je 20.000 Euro verhängt worden, weitere Sanktionen werden folgen.

Das Schiff ist unter der Flagge von Barbados registriert, laut der Internationalen Transportarbeiter-Föderation (ITF) eine von weltweit 48 so genannten Billigflaggen. Es trägt übrigens den hübschen Namen »Gottlieb«, denn es soll nach unbestätigten Angaben einem nicht näher benannten deutschen Reeder gehören, obwohl das französische Informationsportal Equasis als aktuellen Sitz von Eigner und Betreiber Adressen in Istanbul angibt. Die »Gottlieb« hat demnach in ihren knapp 20 Betriebsjahren mehr als ein halbes Dutzend Male den Eigner und wiederholt die Flagge gewechselt, vor der Registrierung in Barbados waren es die Billigflaggen von Liberia und Belize. Und sie hat allein in den vergangenen anderthalb Jahren bei Hafenstaatskontrollen in Griechenland, der Ukraine und der Türkei jeweils bis zu sechs Sicherheits- und Sauberkeitsbeanstandungen kassiert.

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Das Schiff durfte erst am Dienstag wieder auslaufen – und liegt derzeit bei der Lloyd-Werft in Bremerhaven. Auch wenn es nicht zu den größten gehört: Es ist ein drastisches Beispiel für die Situation einer von Billigflaggen und damit einhergehender Deregulierung geprägten Branche. Für nicht erwähnenswert hielt Hansa die Tatsache, dass an den konkreten Enthüllungen führend auch die ITF-Inspektoren und Gewerkschafter vom Verdi-Fachbereich Maritime Wirtschaft beteiligt gewesen sind. Die veranstalteten gerade ihre jährliche »Maritime Aktionswoche«, bei der in ausgewählten Häfen mit Unterstützung sowohl der lokalen Behörden als auch der Hafenarbeiter an Bord einzelner Schiffe dortige Zustände untersucht und Seeleute befragt wurden.

Die von Verdi in einer Pressemitteilung veröffentlichte Bilanz bestätigt die Einschätzung: »kein Einzelfall«. Man habe, heißt es, bei den »in deutschen Seehäfen durchgeführten Kontrollen an Bord von Seeschiffen massive Missstände festgestellt, zum Beispiel überlange Arbeitszeiten, ausstehende Löhne und abgelaufene Arbeitsverträge sowie Probleme bei der Verpflegung, beim Internetzugang und den Einrichtungen an Bord«. Die ITF-Inspektoren und ihre Unterstützer hätten fast 40 Schiffe in acht deutschen Nord- und Ostseehäfen aufgesucht und dabei mehr als 500 Seeleute befragt.

Insbesondere die »überlangen Arbeitszeiten«, teilweise »mehr als 300 Stunden im Monat«, kritisierte der Bremerhavener ITF-Inspektor Sven Hemme laut Verdi als herausragendes Ergebnis der Befragungen. Seeleute seien »keine Maschinen«, sichere und ausreichende Ruhezeiten »kein Luxus«, stellt er fest. Auch Hygieneprobleme und mangelhafte Lebensmittelbevorratung wurden festgestellt. Nur vereinzelt zwar, dann aber manchmal schwerwiegend. Hemme: »Seeleute verlangen keine Sonderbehandlung«, aber was für Beschäftigte an Land als normal gelte, sollte nicht zur Ausnahme werden für Menschen, die auf See arbeiten.

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Erschienen in der Ausgabe vom 17.09.2026, Seite 5, Inland

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