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Putin in Magdeburg

Foto: Revierfoto/IMAGO

Endlich haben es die westdeutschen Qualitätsmedien begriffen: Der Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt ist Teil einer russischen Weltverschwörung.

Der Merkur war im Kreml fast dabei: »In Moskau dürfte Wladimir Putin bei dieser Nachricht Krimsekt entkorken. Die AfD ist unbeirrbar russlandfreundlich und fordert die sofortige Aufhebung der Sanktionen.« Da dürfen Politiker nicht hinter den armen Würstchen, die sich das aus den Fingern saugen, zurückbleiben. Der NDR gibt den Aufruf von Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) an seine Kollegen wieder, die Sicherheitsbehörden gegen eine extremistische Einflussnahme zu schützen: »Staatsgewalt und damit Kontrolle über Sicherheitsbehörden in den Händen einer verfassungsfeindlichen Partei mit engen Kontakten nach Russland ist ein gravierendes Sicherheitsrisiko – auch über Sachsen-Anhalt hinaus.«

Sattem Verschwörungswahn gibt sich der vom Wahlergebnis geschädigte Daniel Brössler in der Süddeutschen Zeitung hin: »Zum Markenkern der AfD gerade in Sachsen-Anhalt gehört die Verharmlosung einer gewalttätigen und militaristischen Diktatur. Viele Menschen haben die AfD nicht trotz, sondern auch wegen ihrer Sympathie für das Russland Wladimir Putins gewählt.« Leben in Sachsen-Anhalt überhaupt Deutsche oder nur »Prorussen«?

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Brössler schreibt an die Eingeborenen, es könne »keine unschuldige Russland-Romantik geben. Wer den Russischunterricht ausbauen will, tut es mit Sicherheit nicht aus reiner Liebe zu Puschkin. Die AfD hat eine Wahl getroffen und viele Wähler mit ihr. Sie verachtet die liberale Demokratie und das Modell einer offenen Gesellschaft. Es mag sein, dass nicht alle Fakten über den russischen Unterdrückungsapparat jedermann in Sachsen-Anhalt erreicht haben. Wie es Regimegegnern in Russland und den Opfern des Bombenterrors in der Ukraine ergeht, kann aber jeder wissen.« Wer Russisch lernt, ist Bombenterrorfan.

Und Ulrich Siegmund bleibt eine nationale Gefahr, weiß selbstverständlich die SZ: »Als Puzzlestein in Putins Plan«, den Brössler kennt, sei Sachsen-Anhalt »nicht ohne Bedeutung. In gewisser Weise würde ein Ministerpräsident Ulrich Siegmund im Bundesrat jene Rolle spielen, die bis zu seiner Abwahl im Europäischen Rat der Ungar Viktor Orbán spielte.« Mit Siegmund hätten »Russlands Interessen dort künftig Sitz und Stimme«.

Schnappatmung auch auf welt. de: »Das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt hat in Russland begeisterte Reaktionen ausgelöst.« Denn der Wahlsieg der AfD »könnte der erste Schritt für einen Umbau der gesamten EU im Sinne Russlands sein«. Die Russen rollen von der Elbe aus den Kontinent auf. In Magdeburg rollt demnächst der Rubel als Währung. (as)

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Erschienen in der Ausgabe vom 09.09.2026, Seite 2, Ansichten

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