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Autos zu Raketen

Konversion bei VW

Foto: Kipp/Fotostand/imago

Aus T-Roc wird Iron Dome. Ein Automobilwerk stellt auf militärische Produktion um. Wenig nur versinnbildlicht den Wandel einer Nationalökonomie und damit eines ganzen Landes wie die am Montag endgültig bekanntgegebene Konversion des VW-Werks in Osnabrück. Der Standort wird aus dem VW-Konzern ausgegliedert, und unter der Eigentümerschaft des Landes Niedersachsen und des Finanzinvestors Aurelius Capital sollen fürderhin in Zusammenarbeit mit dem israelischen Rüstungskonzern Rafael Komponenten für Luftverteidigungssysteme gefertigt werden, deren größter Abnehmer der deutsche Staat sein dürfte.

Autoland wird Rüstungsrepublik. Die länger schon kriselnde Leitindustrie Deutschlands dünnt sich sukzessive aus, an ihre Stelle tritt die Produktion von Gütern, die nur dann reißenden Absatz und damit merkliche volkswirtschaftliche Effekte versprechen, wenn Krieg herrscht. Aber auch das kann ja bekanntermaßen kapitalistisches Kalkül sein.

Der Begriff »Konversion« stand einstmals für einen anzustrebenden gegenteiligen Prozess. Aus Rüstungsstandorten sollten Stätten der Herstellung ziviler Produkte werden. Der Gedanke war in der hiesigen Gewerkschaftsbewegung durchaus mal populär. Kilometerweit davon entfernt wirkt die derzeitige Haltung der IG Metall.

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Als sei das Was der Produktion inzwischen vollständig egal, begrüßte die Gewerkschaft die Nachricht von Montag, ohne auch nur einen Halbsatz der Kritik daran zu üben, dass anstatt Autos künftig Raketen gebaut werden sollen. Da geht dann die Rede davon, dass mit dem geplanten »Kompetenzzentrum für Sicherheits- und Verteidigungslösungen« – diesen Namen soll das Werk in Osnabrück bald schon tragen – »die industrielle Wertschöpfung in der Stadt und der Region« gesichert und eine »tragfähige industrielle Zukunft« geschaffen werde. Die Industriegewerkschaft macht in ihrem immergleichen Krisenmanagement natürlich Job- und Standortsicherung geltend, mithin den unmittelbaren Schutz ihrer Klientel. Fragt sich bloß: wie lange, für wie viele, zu welchem Zweck?

Der taumelnde VW-Konzern nennt gleich vier weitere Werke in der Bundesrepublik, für die es keine rentable Perspektive gebe, deren Schließung aber zugunsten »intelligenterer Lösungen« vermieden werden soll. Wiederholt sich hier das Spiel in doppelter Weise? Werden also auch diese Fabriken zu Stätten der Rüstungsproduktion? Und sieht die IG Metall dann angesichts entsprechender Lösungen erneut eine »tragfähige industrielle Zukunft« aufscheinen? Mit diesem gesellschaftspolitisch gleichgültigen Krisenkorporatismus beraubt sich die Gewerkschaft früher oder später ihrer Daseinsgrundlage.

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Erschienen in der Ausgabe vom 08.09.2026, Seite 1, Ansichten

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