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Parteigründerin des Tages: Katja Wolf

Foto: Jacob Schröter/dpa
»Für eine neue Fraktion braucht es eine neue Partei«: Katja Wolf (ehemals Die Linke, ehemals BSW)

In Thüringen blüht das politische Leben mächtig auf. Nach dem am Freitag vollzogenen Austritt ihrer Leute aus dem BSW rief Finanzministerin Katja Wolf am Sonntag dpa zu: »Wir müssen schnellstmöglich gründen.« Nämlich eine neue Partei. »Noch im Oktober« soll das passieren. Warum erst im Oktober? Die drei Gründer, die zwei Tage früher ausgetreten waren, hatten umgehend die Partei »Deine Stimme zählt« an den Start gebracht. Waren die besser vorbereitet?

Wolf hat aber verstanden, was fällig ist: »Für eine neue Fraktion braucht es eine neue Partei.« Das ist erfrischend ehrlich: Die ehemalige Eisenacher Oberbürgermeisterin, die 2024 mit einem Sprung das schwankende Schiff der Ramelow-Linkspartei verlassen hatte und überraschend zum BSW gewechselt war, denkt konsequent vom Mandat her: Welche Firma taugt, um die (weitere) Teilnahme am Betrieb zu ermöglichen? So dachten viele, die in Thüringen beim BSW anklopften und dort auch prompt hereingelassen wurden. Bei der Einweisung der Rekrutierer muss etwas schiefgelaufen sein, denn Karrieristen sollten doch angeblich ferngehalten werden.

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Die Herrlichkeit der »Volkspartei«-Ära, die in Thüringen nach 1990 ohnehin nie richtig ankam, ist jedenfalls vorbei. Neugründungen wie die von Wolf sind Resultat einer Entwicklung, die gerade in den ostdeutschen Ländern seit Jahren in aller Stille vor sich geht: Dort sind es die Mandatsträger und ihre Angestellten, die »die Partei« sind. Eines von vielen Symptomen ist, dass den Wählern regelmäßig Listen vorgesetzt werden, auf denen neben den Abgeordneten deren Mitarbeiter plaziert werden. Ein Kreislauf, der die Parteimitglieder, die es sonst noch gibt, zu Zuschauern macht. Bei »Deine Stimme zählt« und in der kommenden Wolf-Partei gibt es nicht einmal die: Parlamentslöwen spielen Partei, und jeder weiß, dass die außerhalb des Landtags gar nicht existiert. Vielleicht meinte Mario Voigt das, als er am Freitag von einem »Tag der Klarheit« sprach.

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Erschienen in der Ausgabe vom 07.09.2026, Seite 3, Ansichten

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→ Leserbriefe
  • Lutz König aus Meiningen 7. Sept. 2026 um 13:13 Uhr
    Ich bin froh, dass diese Leute aus dem BSW ausgetreten sind. Ich wünsche mir, dass das BSW einen Neuanfang schafft, so dass man sie wieder wählen kann. Die neue Partei von Wolf und Co. werde ich bestimmt nicht wählen. Gruß lutz
    • Marena Elke Dorow aus 13125 9. Sept. 2026 um 15:20 Uhr
      Das geht mir ganz genauso. Wie schrecklich unfair von Frau Wolf und Anhängern, das BSW so vorzuführen, wer will denn in so eine Partei jemals eintreten? Meine Stimme dem BSW und wenn es mit der AFD koalieren sollte irgendwann, bleibt meine Stimme beim BSW. Ich finde die Gründerin großartig, erfahren, sehr realistisch und wünsche ihr nur tolle Mitglieder. Hoffentlich macht das BSW nach diesem Sprung in Sachsen-Anhalt, in Berlin und MP weitere positive Sprünge in den Landtag. Ich hoffe sehr, dass die 16jährigen Jungwähler wissen, dass das BSW für Frieden steht und die Kriegsvorbereitungen der derzeitigen Koalition nicht unterstützen, ihre Stimme deshalb auch dem BSW geben werden am 20.0.26. Auch wenn man sie mit Pralinen oder anderem als CDU‑, Grünen‑, SPD‑ oder Linken-Wähler anwerben sollte. Siehe Annemarie Eilfeld, die Sängerin, ist das beste Beispiel, die man mit 50 tausend Euro für Werbung gelockt hatte, für die Partei, die mit Macht Russland in den Krieg hineinziehen will. Das BSW wünscht der Jugend eine Zukunft ohne Krieg und Hass auf andere Länder.
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