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Modell Kriegsklinik

Militarisierung der Gesundheitsvorsorge

Foto: Stefan Zeitz/IMAGO
Flickwerk auf dem OP-Tisch - oder: Trockenübung an Übungspuppe im Flecktarn (Berlin, 21.10.2026)

Die deutschen Krankenhäuser sollen kriegstüchtig werden. Das verlangen die Spitzen von Universitäts- und Unfallkliniken. Für den »Bündnis- und Verteidigungsfall« fordern sie ein »resilientes« Netzwerk mit Bundeswehrkrankenhäusern, neue gesetzliche Vorgaben und milliardenschwere Investitionen. Hinter der technokratischen Sprache steckt eine schlichte Botschaft: Die zivile Gesundheitsversorgung soll Teil der Kriegsvorbereitung werden. Geplant wird für den Tag, an dem die Verstümmelten der Schlachtfelder auf deutschen OP-Tischen liegen.

Dabei scheitert die Versorgung vielerorts bereits im Frieden. Notaufnahmen sind überlastet, Stationen werden geschlossen, Pflegekräfte verlassen ihre Berufe, Krankenhäuser schreiben rote Zahlen. Seit Jahren warnen Beschäftigte, Gewerkschaften und Krankenhausgesellschaften vor den Folgen chronischer Unterfinanzierung. Geht es um mehr Personal, bessere Arbeitsbedingungen oder den Erhalt bedrohter Klinikstandorte, sind die öffentlichen Kassen angeblich leer.

Für die Vorbereitung auf »außergewöhnliche Krisen- und Konfliktlagen« und »besondere Verletzungsmuster« gilt das plötzlich nicht mehr. Die Klinikchefs fordern offensiv, politische ­Weichen zu verschieben: Die »schwarz-rote« Koalition soll ihre Häuser finanziell und infrastrukturell »priorisieren«. Krieg erscheint nicht länger als Katas­trophe, die verhindert werden muss. Er wird zur Planungsgrundlage medizinischen Handelns.

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Statt darüber zu diskutieren, wie Konflikte entschärft, Aufrüstung begrenzt oder Feldzüge verhindert werden können, dreht sich die Debatte um Bettenkapazitäten, Blutkonserven und Verwundetentransporte. Die Zerfetzten einer militärischen Apokalypse erscheinen nicht mehr als Horrorszenario, sondern als kalkulierter Bestandteil der Gesundheitsvorsorge. Genau darin liegt die eigentliche Zäsur.

Denn Militarisierung beginnt nicht erst auf dem Schlachtfeld. Sie beginnt dort, wo sich zivile Institutionen den Anforderungen künftiger Kriege unterordnen – und Teil einer nationalen Kriegsarchitektur werden.

Das Heer der Verwundeten, für die die Bosse der deutschen Uni- und Unfallkliniken planen, gibt es noch nicht. Die politische Entscheidung, das Gesundheitswesen auf ihren möglichen Einsatz auszurichten, fällt jedoch bereits heute. Anders ausgedrückt: Die Militarisierung der Gesellschaft macht vor den Krankenhausfluren nicht halt. Kriegskliniken werden zum Modell.

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Erschienen in der Ausgabe vom 22.10.2026, Seite 1, Ansichten

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