Krisensymptom des Tages: Amthors Strandkorb
Die einstige Staatspartei CDU wankt. Was kann noch helfen? Vor der letzten Bundestagswahl hielt man es im Konrad-Adenauer-Haus für eine gute Idee, die Partei zum Material einer dieser beliebten »Doku«-Serien über den Politbetrieb machen zu lassen. Mit kritischer Nachdenklichkeit maskierte Hofberichterstattung über Staatslenker, die sich auf der Kommandobrücke und im Maschinenraum in Szene zu setzen wissen – was kann da schiefgehen?
Heraus kam »Inside CDU«. Die erste Staffel lief 2025. Die zweite Staffel mit vier Folgen kann man sich seit vergangener Woche in der ZDF-Mediathek ansehen. Das haben auch einige Leute getan, und seither baut sich eine Welle aus Spott, Entsetzen und Fremdscham auf. Bild musste fragen: »Zerstört dieser Strandkorb die CDU?«
Den Strandkorb ins Bild rücken ließ das Ausnahmetalent Philipp Amthor, inzwischen Staatsminister im Kanzleramt (»für Bund-Länder-Beziehungen«) sowie kommissarischer Chef des CDU(APO)-Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern. Amthor wird gezeigt, wie er sich als glücklichster Mensch im Regierungsviertel (»Natürlich ist das jetzt auch ein Karrieresprung hier in der Regierungszentrale«) über den Strandkorb freut, den er auf der Terrasse neben seinem Büro hat aufstellen lassen. Man kann den »immer noch in den Kanzlergarten drehen«, erzählt er strahlend. Zuschauer, die dachten, im Kanzleramt würden die multiplen Krisenlagen etwas ernsthafter bearbeitet, hatten auf jeden Fall weniger Spaß als Amthor beim Drehen.
Die Macher von »Inside CDU« hatten mit Sicherheit nicht vor, die »dekadente« CDU vorzuführen. Die Endzeitstimmung steckt aber auch diese Leute an: Die Idee, die Amthor-Szenen teilweise mit barocker Kammermusik zu untermalen, ist nicht schlecht. Am Montag versuchte ein Regierungssprecher, die Sache einzufangen: Amthor habe den Strandkorb samt Lieferung selbst bezahlt. Wenig später hieß es, das Ding komme wieder weg. Dann ist ja alles gut.
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