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Bolivien

Lateinamerikas »MAGA-Mann«

Bolivien: Haftbefehl gegen »Berater« rechter Regierungen. Verstrickungen reichen immer weiter

Foto: Ipa Ibanez/REUTERS
Hilfe für Oligarchen und Ultrarechte: Cerimedo wird am Freitag in Santa Cruz abgeführt

Die rechte Kanaille kommt nicht zur Ruhe. Während die komplizenhafte Kumpanei westlicher Politiker mit dem pädophilen, US-amerikanischen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein schnell wieder aus den Schlagzeilen verschwunden ist, erschüttern die Verbindungen rechter lateinamerikanischer Machthaber zum argentinischen »MAGA-Mann« Fernando Cerimedo die Politikszene. Nach seiner Festnahme und Razzien in fünf bolivianischen Anwesen, die mit ihm in Verbindung stehen, ist am Freitag ein Haftbefehl gegen den Medienunternehmer und politischen »Berater« erlassen worden. Zuvor war er in Santa Cruz unter dem Verdacht festgenommen worden, einen Mordanschlag auf seine Expartnerin, die bolivianische Anwältin Nadia Beller, angeordnet zu haben. Das Opfer überlebte drei Schüsse und wirft Cerimedo vor, von ihm unter einem Vorwand zum Tatort vor einem Hotel gelockt worden zu sein.

Der Fall rückt die Verbindung zwischen dem Argentinier und Boliviens Präsident Rodrigo Paz in den Fokus – eine Beziehung, die dessen Regierung zunächst bestritt. Ein Sprecher des Staatschefs bestätigte jedoch, dass Cerimedo während des Wahlkampfs für die Parlamentswahlen 2025 ein »enger Mitarbeiter« von Paz gewesen sei, ohne Teil der staatlichen Struktur zu sein. Vizepräsident Edmand Lara erklärte dagegen, dass Cerimedos Wirken in der Regierung »durch informelle und undurchsichtige Machtverhältnisse« gekennzeichnet war, berichtete Telesur am Sonnabend. »Er hatte ein Amt inne, tauchte aber in keiner Gehaltsliste auf. Wir haben nie erfahren, von wo aus er bezahlt wurde«, sagte Lara. Er warnte zudem, dass der »Berater« trotz der gegen ihn erhobenen Vorwürfe wegen versuchten Femizids, Korruption und Geldwäsche wieder auf freien Fuß gesetzt werden könnte: »In meinem Land bleiben diejenigen, die Macht und Geld haben, straffrei. Man nimmt sie fest, hält sie in einem VIP-Raum mit Sonderrechten innerhalb der Polizei fest und schickt sie dann unter Hausarrest nach Hause.«

Wie die argentinische Zeitung Página/12 berichtete, entdeckten die Beamten bei der Festnahme unter anderem eine KI-Botfarm (Netzwerke zur Einrichtung automatisierter Programme, die Inhalte generieren) zum Anlegen und Steuern von gefälschten Social-Media-Profilen, die Cerimedo nach eigenen Angaben in der Wahlkampagne vom argentinischen Präsidenten Javier Milei verwendet hatte. Laut Beller plante er auch, in die bevorstehenden Wahlen in Mexiko einzugreifen. Präsidentin Claudia Sheinbaum wirft ihm vor, ein von der Rechten finanziertes Netzwerk zu betreiben, um »Falschmeldungen zu verbreiten und die öffentliche Meinung in Lateinamerika zu manipulieren«. Boliviens sozialistischer Expräsident Evo Morales beschuldigte Cerimedo, ein Agent Washingtons zu sein – in Anspielung auf seine mutmaßliche Verbindung zur US‑Regierung –, der mit an der versuchten Festnahme Morales’ Ende 2024 verantwortlich war.

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Cerimedo ist Gründer und Miteigentümer der ultrarechten Onlinezeitung La Derecha Diario. Er koordiniert ein regionales Netzwerk, das mit Negativkampagnen, Desinformation und aggressiven digitalen Strategien in Verbindung steht. So unterstützte er Jair Bolsonaro in Brasilien, wo er 2022 die falsche These eines Wahlbetrugs verbreitete und wegen Beteiligung an dessen Putschversuch 2023 angeklagt wurde; Javier Milei in Argentinien, für dessen Kampagne 2023 er eine wichtige Rolle bei der digitalen Strategie spielte und sich rühmt, Erfinder der »Kettensäge« (Symbol für Mileis Sparmaßnahmen) zu sein; die »Rechazo«-Fraktion (Ablehnung) beim Verfassungsreferendum in Chile, bei dem sein Unternehmen Desinformationskampagnen organisierte; und zuletzt Rodrigo Paz in Bolivien, für den er als politischer Berater tätig war. Zudem sind Unterstützungsleistungen zugunsten rechter Politiker wie der Senatorin Patricia Bullrich (Argentinien), des Präsidenten Nasry Asfura (Honduras) und weiterer Vertreter der lateinamerikanischen Rechten dokumentiert. Über seinen Vertreter in Miami, Damián Merlo, soll er auch Verbindungen zum rechten antikubanischen Netzwerk in Florida und Zugang zu Regierungskreisen im Umfeld von US-Außenminister Marco Rubio haben.

Wie im Fall Eppstein distanzieren sich auch Cerimedos einstige Komplizen nun von ihm. Laut Página/12 behauptet Milei, er sei jemand, »der nicht zu unserem Umfeld gehört, der keinerlei Verbindung zu uns hat und mit dem wir seit 2023 nichts mehr zu tun haben«. Doch »die offiziellen Unterlagen widerlegen dies«, recherchierte die Zeitung. Zudem verteidigte der argentinische Staatschef seinen Exberater mit der Behauptung: »Wir sollten nicht ausschließen, dass hinter all dem die ganze Bande von Castro-Chavisten und Lula steckt, die in der Region operiert und Chaos anrichtet.«

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Erschienen in der Ausgabe vom 25.08.2026, Seite 6, Ausland

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