¡Taladra, mi amor, taladra!
US-Ölkonzern sichert sich Kontrolle und Daten über venezolanische Ölvorkommen
Durch einen frisch unterzeichneten Vertrag könnte das US-Kapital umfangreiche Kontrolle über die Ölvorkommen Venezuelas erlangen. In der vergangenen Woche schlossen der US-Ölfeldservice SLB und der Staatskonzern Petróleos de Venezuela (PDVSA) einen Vertrag, der auf das Datenmanagement und die Bereitstellung wesentlicher Dienstleistungen zielt. Reuters berichtete, dass SLB durch das neue Abkommen Zugang zu bislang geheimen Informationen über die Ölfelder Venezuelas erhalten habe. Einmal mehr wird der imperialistische Charakter des US-Kapitals deutlich: Gezielt hat es einen Regimewechsel in dem Land mit den größten nachgewiesenen Rohölreserven der Welt erzwungen, um letztere auszubeuten.
Noch bis vor einem Jahr, unter der Regierung von Nicolás Maduro, wäre der Vertrag undenkbar gewesen. Nach dem Wahlsieg von Hugo Chávez weitete Venezuela die staatliche Kontrolle über die Ölkonzerne stark aus und zwang auch US-Konzerne, ihre Anteile auf rund 40 Prozent zu reduzieren. Der venezolanische Staatskonzern PDVSA erlangte die Mehrheitskontrolle und sorgte für eine Ausweitung der staatlichen Einnahmen. So konnte die sozialistische Regierung Wohlfahrt und Infrastruktur finanzieren. Während lediglich Chevron die Bedingungen akzeptierte und vor Ort blieb, verließen andere US-Konzerne das Land.
Seit 2019 intensivierten die USA ihre Sanktionen gegen den venezolanischen Energiesektor und schränkten somit eine mögliche Kooperation zwischen dem US-Technologieanbieter und dem südamerikanischen Partner selbst aktiv ein. Nachdem der Iran im März mit der Straße von Hormus einen zentralen Knotenpunkt des internationalen Seehandels blockiert hatte, lockerten die USA ihre Sanktionen gegen Venezuela, um den globalen Ölbedarf zu befriedigen. Die Lockerung bietet nun einen neuen Rahmen für Geschäfte mit dem Staatskonzern. Washington setzt dabei jedoch auf strenge Kontrolle: Die Zahlungen dürfen nicht direkt an PDVSA fließen, sondern müssen auf ein von den USA kontrolliertes Bankkonto überwiesen werden.
Wie Venezuelas Ölvorkommen geographisch verteilt sind, ist schwer nachzuvollziehen. Das Land hat seit über einem Jahrzehnt keine offiziellen Ölstatistiken mehr veröffentlicht – das letzte offizielle Update des Ölministeriums erschien im Jahr 2015. Die Datenbanken von PDVSA sind veraltet und unvollständig. Zudem kam es Ende 2025 zu einem Hackerangriff auf die Software von PDVSA, der die Datenlage weiter verschlechterte: In diesem Zusammenhang wurde die Betriebssoftware des venezolanischen Konzerns getroffen und sogar das E-Mail-System lahmgelegt. PDVSA-Beschäftigte kommunizieren seither über frei zugängliche Plattformen wie Telegram.
Das neu unterzeichnete Abkommen umfasst besonders die Digitalisierung der gesamten Öldateninfrastruktur Venezuelas. Bei der detaillierten Vermessung und Beschreibung des Ölvorkommens und der Echtzeitüberwachung der Rohölförderung will SLB vor allem auf künstliche Intelligenz zurückgreifen, um die Daten zuverlässig aufzubereiten. Der Vertrag umfasst, so Reuters, auch den Transfer von US-Technologien und die Durchführung von Schulungen für venezolanische Mitarbeiter. SLB-Chef Olivier Le Peuch betonte bei der Unterzeichnung: »Venezuelas Öl- und Gassektor hat ein erhebliches Ressourcenpotential. Seine Erschließung erfordert Technologie, digitale Integration und langfristige Talententwicklung.«
Nach dem Angriff auf Caracas im Januar wurde die Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez zu einem umfassenden Energieabkommen gedrängt, das den Export von bis zu 50 Millionen Barrel venezolanischen Rohöls in die USA garantiert. Angesichts der Aussagen über einen vermeintlichen Anspruch Washingtons auf das venezolanische Öl im Vorfeld der militärischen Angriffe auf die Hauptstadt zu Beginn des Jahres wird deutlich: Bei der Kooperation handelt es sich weniger um ein Win-Win-Abkommen und viel mehr um eine imperialistische Kapitalexpansion.
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