Zum Inhalt der Seite
Spanien

Alle Augen auf die spanische Exklave Ceuta

Madrid setzt Ausschuss zu Exklave ein, Hacker enttarnen marokkanische Geheimagenten

Foto: Antonio Sempere/AP Photo/dpa
Noch immer kampieren Hunderte Marokkaner am Strand von Ceuta (21.8.2026)

Die Linksregierung in Madrid befindet sich im Krisenmodus. Nachdem Ende Juli geschätzte 60.000 Menschen aus Marokko in die spanische Exklave Ceuta gelangt waren, hat am Dienstag unter Leitung von Premierminister Pedro Sánchez zum ersten Mal der Nationale Sicherheitsrat zu dem Thema getagt. Die »wichtigste Neuerung« ist laut der Zeitung El País die Schaffung eines speziellen Ausschusses zur Bewältigung der Krise. Die Leitung soll der Minister für Territorialpolitik, Ángel Víctor Torres, zusammen mit dem Büro des Premiers übernehmen. Auch der Präsident der Autonomen Stadt Ceuta, Juan Jesús Vivas, und Vertreter des Geheimdienstes CNI sollen dem Gremium angehören.

Am Dienstag begann zudem im Parlament eine Reihe von Anhörungen von Staatsbediensteten zu Ceuta, die bis kommenden Montag fortgesetzt werden soll. Als erste musste Verteidigungsministerin Margarita Robles Rede und Antwort stehen, die sich bei den Einwohnern Ceutas für das Gefühl entschuldigte, dass Madrid sie »im Stich gelassen« habe. Auch bedauerte sie laut El País die »mehr als hundert Todesopfer«, die der Versuch, die Grenze zu überwinden, gefordert hat. Nachdrücklich betonte sie, Ceuta und Melilla seien »spanisch und unantastbar«. Vergangene Woche hatte der marokkanische Justizminister Abdellatif Ouahbi erneut behauptet, dass sie »besetztes marokkanisches Gebiet« seien.

Anzeige

Die Gruppe »Jabaroot« ließ am Montag eine Bombe platzen. Wie die anonymen Hacker laut dem spanischen Journalisten Ignacio Cembrero bereits auf ihrem Telegram-Kanal angekündigt hatten, veröffentlichten sie »als Vergeltung für den ›Migrationstsunami‹, der Ceuta traf«, die Namen von mehr als 70.000 marokkanischen Geheimagenten. »Auch wenn die Liste nicht mehr ganz aktuell ist, stellt dies den schwersten Schlag dar, der dem Geheimdienst DGST je versetzt wurde«, urteilt Cembrero auf X. Die Liste ist allerdings im Internet nicht einfach zu finden, sondern in Form von Datensätzen auf einer besonderen Plattform herunterzuladen.

Bei den jüngsten Enthüllungen will »Jabaroot« es nicht belassen, wie Cembrero in einem Artikel für die Onlinezeitung El Confidencial schreibt. Die Hackergruppe habe angekündigt, auch die Namen derjenigen offenzulegen, die »den Ceuta-Plan orchestriert und koordiniert haben«, darunter zwei Berater des Königs. »Jabaroot« behaupte Cembrero zufolge auch, in den Besitz der Befehle gelangt zu sein, die an die Polizeidirektionen in der Region Ceuta ausgegeben wurden und die Beteiligung höchster marokkanischer Stellen an den tödlichen Geschehnissen von Ende Juli belegen.

Themen:
→ Sie können uns auch mit einer Spende unterstützen
Erschienen in der Ausgabe vom 26.08.2026, Seite 6, Ausland

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Pressefreiheit schützen, Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!