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Ceuta kommt nicht zur Ruhe
Marokko droht wegen des Streits um die Exklave mit Maßnahmen gegen Spanien. Hacker will Namen aller Spione Rabats veröffentlichen
Die Krise um die spanische Exklave Ceuta ist noch längst nicht vorbei. Neuerdings droht Rabat mit einer Aussetzung von Handelsverträgen mit dem iberischen Nachbarn, wie am Donnerstag die spanische Zeitung El Español unter Berufung auf Quellen aus dem königlichen Kabinett Marokkos berichtete. Hunderte Unternehmen wären betroffen, Milliardenaufträge könnten vor dem Aus stehen. Grund seien Forderungen unter anderem des linken spanischen Bündnisses Sumar, aber auch der extrem rechten Vox-Partei, Marokko wegen der Ereignisse von Ceuta und Melilla als Veranstalter der Fußball-WM der Männer 2030 auszuschließen, die es nach FIFA-Beschluss gemeinsam mit Portugal und Spanien veranstalten soll. Doch das allein dürfte nicht der Grund sein für die Warnungen, zumal zahlreiche Verträge, die Infrastrukturmaßnahmen für die WM betreffen, in einem solchen Fall sowieso hinfällig wären. Denn in den vergangenen Tagen war in spanischen Medien laut diskutiert worden, ob nicht die Abhängigkeit Marokkos von Erdgas- und Öllieferungen aus Spanien als Druckmittel benutzt werden könnte, um Rabat zu einem Einlenken in der Frage der nordafrikanischen Exklaven zu bewegen. Schließlich hat Justizminister Abdellatif Ouahbi erst vor kurzem wiederholt, dass aus marokkanischer Sicht Ceuta und Melilla zu dem nordafrikanischen Königreich gehören.
Die Verantwortung Marokkos für die jüngsten Geschehnisse in Ceuta scheint mittlerweile festzustehen. Wie der spanische Journalist Ignacio Cembrero auf X mitteilte, ist auch der anonyme Hacker »Jabaroot« (übersetzt »Macht«, »Tyrannei«) auf seinem Telegram-Kanal wieder aktiv geworden, aber am Donnerstag sogleich aus dem Internet verschwunden. Unmittelbar davor hatte »Jabaroot« »seinen Unmut über die Migrationskrise in Ceuta geäußert, Berater von König Mohammed VI. beschuldigt, diese inszeniert zu haben, und damit gedroht, Namen, Alter, Dienstgrade sowie weitere Einzelheiten zu allen Agenten des marokkanischen Geheimdienstes (DGST) preiszugeben«. Man kann sich vorstellen, dass in Rabat sofort sämtliche Alarmglocken geläutet haben. Eine der letzten großen Enthüllungen »Jabaroots« waren vergangenes Jahr die Gehälter marokkanischer Funktionäre. Kurze Zeit später brachen angesichts der astronomischen Summen die sozialen Proteste der »Generation Z« in Marokko aus.
Ein Streitpunkt zwischen Rabat und Madrid ist das Schicksal der unbegleiteten Jugendlichen, die im Juli in die Exklave gelangt sind. Wie spanische Medien am Mittwoch berichteten, sollen insbesondere 500 Mädchen auf das Festland gebracht und nicht nach Marokko zurückgeschickt werden. Das führt zu überbordenden Polemiken in dem nordafrikanischen Königreich, wo man die Jugendlichen im Feindesland moralisch bedroht sieht. Die Empörung ist um so größer, seit am Donnerstag bekannt wurde, dass sich unter den marokkanischen Geflüchteten in Ceuta eine 28jährige Influencerin namens Wafa Atid befindet, die Medien wie El País oder auch der Agentur Reuters Horrorgeschichten über die Lage der Frauen in Marokko erzählt hat.
Völlig zu Recht sagte die den spanischen Medienvertretern offenbar unbekannte Atid, dass Frauen in Marokko – nicht zuletzt rechtlich – schlechtergestellt sind als Männer. Dann behauptete sie allerdings, sie würde von ihrer Familie gezwungen, ein Kopftuch zu tragen, und dürfe weder studieren noch reisen. Das Gegenteil ist wahr. Schließlich lebt Atid unter anderem in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Ihre zahlreichen Beiträge im Internet zeigen sie als junge Frau, »die macht, was sie will«, wie ein Kommentator auf X anmerkte. Anscheinend hat sie die Gelegenheit der massenhaften Grenzübertritte schlicht mit dem Ziel genutzt, wie alle anderen über Ceuta in die EU zu gelangen.
Brüssel wiederum befindet sich auf dem Kurs der Besänftigung gegenüber Marokko. Statt zu fragen, was aus früheren Hilfen an Marokko geworden ist, die der Verbesserung der Lebensverhältnisse und somit der Beseitigung von »Fluchtursachen« dienen sollten, überweist die EU weitere 114 Millionen Euro auf das Konto des Königreichs, wie Ende vergangener Woche gemeldet wurde. Juan Vivas, der Präsident der autonomen Stadt Ceuta, hält die Zustände in seiner Stadt nach wie vor für unerträglich. Zwar wurde am Donnerstag nach mehreren Wochen der Strand der Stadt geräumt, und die dort provisorisch kampierenden Marokkaner wurden in neu bereitgestellten Unterkünften untergebracht. Doch »die Migranten einfach nur zu verlegen, ist keine Lösung des Problems«, hatte Vivas bereits am Montag im Stadtrat gesagt. Statt dessen fordert er eine entschlossene Rückführung der Marokkaner. Das Mitglied der konservativ bis rechten Volkspartei (PP) fühlt sich und seine Stadt »von Madrid im Stich gelassen«.
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