-
4 Leserbriefe
- → Ansichten
Langsam lächerlich
Eins muss man Donald Trump lassen: In Sachen Dramaturgie ist der US-Präsident (oder sind seine Ghostwriter) in den sozialen Medien nahezu unübertroffen. So auch bei der neuesten Veröffentlichung vom Mittwoch nachmittag, in der Trump in gewohnter Manier auf seiner Plattform »Truth Social« erneut Elend und Vergeltung gegen Iran angekündigt hat. Die »vernichtendste wirtschaftliche Maßnahme, die je gegen ein Land ergriffen wurde!« solle einem »ökonomischen D-DAY« gleichen und nicht nur Iran selbst betreffen, sondern jedes Land, das in irgendeiner Form wirtschaftliche Aushilfe gewährt.
Angesichts des weitreichenden Sanktionsregimes der USA – die eine gezielte wirtschaftliche Erstickung der Zivilbevölkerung beabsichtigen, wie im Fall Kuba – wäre das sogar wirklich eine beeindruckende, wenn auch verheerende Leistung. Doch das Spiel mit der Hyperbel ist bei Trump schon lange bekannt und sollte die wenigsten wirklich beeindrucken.
Die Financial Times spricht zwar noch von einem »Willenskampf« zwischen den Vereinigten Staaten und Iran, sieht sich aber auch gezwungen, einzuräumen, dass diese neueste Tirade auf »wochenlange mühsame diplomatische Bemühungen« von seiten der Trump-Regierung folgt. Reuters weist darauf hin, dass Iran schon seit fast 50 Jahren »ununterbrochenen, hart durchgreifenden Wirtschaftssanktionen« getrotzt habe und dass Trumps Regierung es bisher nicht geschafft habe, auch nur eines ihrer Kriegsziele – Regime-Change, Zerschlagung des iranischen Atomprogramms, Einschränkung seiner militärischen Fähigkeiten – zu erreichen.
Dieser Punkt wird auch im Kommentar der FAZ aufgegriffen. Darin wird nahezu verzweifelt konstatiert, dass Trumps »erschreckend konfuser Versuch«, die Oberhand der USA in der Region durchzusetzen, »vor dem Scheitern« stünde und dass sich der »mit Schaum vor dem Mund« echauffierende Präsident vor der Welt als »Feldherr ohne Strategie, als Kaiser ohne Kleider« blamiere.
Die BBC dagegen betont, dass Trumps ominöse Drohung kein Land explizit erwähnt (in seinen eigenen Worten: »Ihr wisst, wer ihr seid«) und keine konkreten Strafen genannt wurden. Zugleich wird das möglicherweise eigentliche Ziel dieser Ankündigung erwogen: privat geführte chinesische Ölverarbeitungsanlagen, sogenannte Teekannen-Raffinerien, die das iranische Öl abnehmen und von Washington schon seit Beginn des Krieges sanktioniert worden sind.
Spannender bleibt dabei also eher, zu welchen Analogien zum Zweiten Weltkrieg Trump denn noch so greifen wird … Wird nun bald ein ökonomisches »Market Garden« oder ein wirtschaftliches Pendant zur »Operation Plunder« folgen? (amp)
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 2,0
-
Reinhard Hopp aus Berlin 21. Aug. 2026 um 10:41 UhrEinen derart irren Narzissten – insbesondere, wenn er über ein solch gigantisches Zerstörungspotenzial verfügt – sollte man niemals unterschätzen, denn er könnte jederzeit die ganze Welt in Brand setzen. Was folgt also daraus, wenn wir überleben wollen?
- Antworten
-
Istvan Hidy aus Coswig bei Dresden 21. Aug. 2026 um 10:34 UhrDer Artikel »Langsam lächerlich« kritisiert Donald Trumps Iran-Politik – und macht dabei genau das, was er Trump vorwirft: Er setzt auf Dramaturgie. Trump wird als »echauffierter Präsident«, »Feldherr ohne Strategie« und »Kaiser ohne Kleider« vorgeführt. Seine Rhetorik wird lächerlich gemacht, seine Drohungen werden als bloße Hyperbeln abgetan. Doch was ist damit eigentlich erklärt? Man kann Trump für seine Politik scharf kritisieren. Man kann seine Drohungen für gefährlich, seine Strategie für widersprüchlich und seine Sanktionen für verheerend halten. Aber die Fixierung auf seine Person greift zu kurz. Denn Trump ist nicht im luftleeren Raum entstanden. Die politische Polarisierung der USA, das Misstrauen gegenüber Institutionen, soziale Konflikte und die zunehmende gesellschaftliche Spaltung haben eine lange Vorgeschichte. Trump hat diese Widersprüche nicht erfunden – er hat sie politisch genutzt und zugespitzt. Gerade deshalb wäre eine ernsthafte Analyse interessanter als die nächste Pointe über einen Präsidenten, der sich selbst zum »Feldherrn« stilisiert. Die entscheidende Frage lautet nicht nur, warum Trump scheitert, sondern auch, warum seine Politik überhaupt so viel Zustimmung findet. Der Artikel kritisiert Trumps Inszenierung – und betreibt zugleich seine eigene. Aus Trump wird der Hauptdarsteller einer Geschichte über amerikanisches Scheitern. Damit gerät das eigentliche Problem aus dem Blick: die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse, die einen solchen Präsidenten möglich gemacht haben. Trump mag für seine Entscheidungen verantwortlich sein. Aber Verantwortung ist nicht dasselbe wie Ursache. Wer deshalb nur auf Trump zeigt, hat zwar einen Schuldigen gefunden. Aber noch lange keine Erklärung.
-
Meine Erklärung basiert auf der seit Jahrzehnten bestehenden Konstanz, mit der die US‑Kriegspolitik nach Art der Mafia agiert. Unabhängig davon, wer Präsident ist, sind die Folgen für den Rest der Weltbevölkerung immer dieselben. Ob Obama oder Trump: Die geostrategischen Ziele werden hinter den Kulissen quasi als Drehbuch der Außenpolitik festgelegt, das das Personal auszuführen hat. Spätestens seit der Ukrainekrise ist klar, dass alle »Verbündeten und Partner« der USA dazu da sind, diese Politik – notfalls auch zu Lasten der eigenen Bevölkerung – mitzutragen. Auch die Politiker des einst so selbstbewussten Europas, in dem bekanntlich die »Wiege der Demokratie« steht, bilden hierbei keine Ausnahme. Die Märchen über die Demokratie werden munter weitererzählt und die Fassade aufrechterhalten, während wir Richtung Abgrund rasen. Die Frage, warum Trumps Politik so viel Zustimmung findet, lässt sich somit auch relativ einfach beantworten. Die Regierungen der westlichen Staaten sind bezahlte Angestellte des US-Systems und keine eigenständigen Akteure. Die Zustimmung innerhalb der Bevölkerung steht jedoch auf einem anderen Blatt. Dass eine keinesfalls harmlose Comicfigur die Staatsgeschäfte der USA leitet, liegt meiner Einschätzung nach daran, dass aufgrund der ökonomischen Krise eine andere Art der »Kommunikation« nötig ist, um die Bevölkerungen einigermaßen auf Kurs zu halten.
-
Reinhard Hopp aus Berlin 21. Aug. 2026 um 11:24 UhrAusgezeichnet! Und er hat nicht nur »noch lange keine Erklärung«; er hat vor allen noch lange keine Lösung.
-
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
