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Neue alte Drohungen

Foto: Kay Nietfeld/dpa

Ulf Poschardt ist laut Verlag »›Freiester Mitarbeiter von Axel Springer‹ für die Premium-Gruppe«, so der Verlag, als Poschardt die Position des Herausgebers zum 1. Juli aufgab. Am Montag warnte er in der Welt unter der Überschrift »Die sehr neuen Mehrheiten für die Linken« vor den Folgen des »großen Austausches« der Bevölkerungen in Europa: Linke übernehmen gestützt auf muslimische Einwanderer die Macht.

Im November 2025 wollte AfD-Kochef Tino Chrupalla vor Fernsehkameras nichts mehr vom »Bevölkerungsaustausch« wissen. Poschardt schreibt nun: »›Der große Austausch‹ gilt als zentrale rechte ›Verschwörungserzählung‹, nach der die weiße, christliche Mehrheitsbevölkerung durch gezielte nichtweiße und muslimische Zuwanderung ersetzt werden soll«. Damit habe es nun jedoch geklappt: »Die Wahlergebnisse in Berlin – und zwar nicht nur in Neukölln und Kreuzberg – zeigen, dass muslimische Migration, wie auch schon in Schweden, England oder Frankreich, zum entscheidenden Machtfaktor linker Eroberungsstrategien geworden ist.« Beispiel Frankreich: »Der migrantische Mob aus Afrika und dem arabischen Raum vandalisiert Schulen und Kirchen, verwüstet die Symbole eines aufgeklärten Westens im Geiste des christlich-jüdischen Abendlands.« Die Wirklichkeit sei komplizierter als die Erzählung vom »großen Austausch«, »aber bisweilen liefert sie ihr verstörend ähnliche Bilder«.

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Der Rest ist Logik innerhalb von Irrsinn: Die Linkspartei will nicht nur mehr Einbürgerungen, sondern auch das Wahlrecht für Ausländer. Also seien es nicht »Globalisten«, sondern »strategisch denkende Linke, die in den muslimischen Migranten ein noch zu paternalisierendes Wahlvolk erkennen.« Das sei angesichts der Bevölkerungsentwicklung ebenso »klug wie nachhaltig«. Durch »Merkels Migrationspolitik« seien »vor allem Männer aus antisemitisch geprägten Kulturen eingewandert« – mit fatalen Konsequenzen »für den Schutz jüdischen Lebens«.

Poschardts Ableitung ähnelt nicht nur der Nazierfindung des »Rasse«-Juden, sie ist deren Wiederholung. Poschardt preist als Vorläufer Thilo Sarrazin (»visionärer Gesellschaftskritiker«), der Recht habe, schaue man auf »die PISA-Ergebnisse auf der einen Seite, die Demographie der Gefängnisinsassen, der Bürgergeldempfänger wie der Gewaltstraftäter auf der anderen Seite«. Poschardts Fazit: Wer den »großen Austausch« als »Verschwörungstheorie« wegwische, sei »bis auf die Knochen blamiert«. Und: »Auch auf die Intellektuellen und Vordenker des linken politischen Raumes wartet, so ist anzunehmen, ein großer Austausch.« Wer deutsche Großbourgeoisie in Gestalt von Springer-Chef Mathias Döpfner im Rücken hat, darf oder soll mit Beseitigung drohen. Wie gehabt. (as)

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Erschienen in der Ausgabe vom 06.10.2026, Seite 2, Ansichten

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