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Ludditin des Tages: Jill Lepore

Foto: Kessler-Sportfotografie/IMAGO

Jagd, Viehhut, Ackerbau, Schrift, Industrie, Strom, Digitalisierung, Internet, KI. Die Frequenz der technischen Revolutionen ist letzthin gestiegen, entsprechend haben auch die Maschinenstürmer mehr Blasen am Fuß. Postman fürchtete Computer, Ludditen prügelten sich mit Webstühlen, Platon warnte vorm Schreiben, Viehhirte Kain erschlug Ackermann Abel, und vermutlich wird auch der Homo erectus scheel beäugt worden sein, als er zum ersten Mal ein Werkzeug für Beute baute.

Das Problem ist immer die nächste Revolution, nie die zurückliegenden, so dürfte Jill Lepore, Autorin von »Die Regierung der Maschinen«, sich kaum in Tradition gesehen haben, als sie zum Auftakt der Buchmesse vor KI warnte. Die Menschheit kapituliere vor dem Maschinenstaat, ihr Wissen werde komplett verschluckt, die Freiheit des Denkens sei bedroht. Unter Butlers Jihad machen sie es nicht. »Unsere Gedanken (…) gehören uns«, politische Entscheidungen müssen »von uns kommen«. Nicht ihr Einsatz im Konzerninteresse, die KI selbst wäre damit das Problem. Paradoxerweise vermenschlicht gerade Maschinenkritik die Maschine. Aus Kampf zwischen Menschen wird Kampf zwischen Mensch und Maschine. Tim Bendzko hört aufmerksam zu.

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Noch der unsinnigste Unsinn allerdings hat einen validen Punkt. Ganz abwegig sein ist gar nicht so leicht. Gewiss kann KI geistig träge machen. Sammeln von Informationen aus der krausen Menge, die die Welt uns anbietet, und das Ordnen dieses Materials sind keine Fähigkeiten, die verzichtbar wären. Träge dürfte bei jener Ersparnis aber nur werden, wer ohnehin dazu neigt. KI ist »Jules Ratte«, die unter der Schulbank die Lösungen vorsagt, bis sie eines Tages beschließt, nach Granada auszuwandern: »Nur eigene Weisheit macht den Weisen. / Ratgeber können mal verreisen. / Der kluge Freund lässt dich im Stich, / Dann fragst du wen? Dann fragst du dich.«

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Erschienen in der Ausgabe vom 07.10.2026, Seite 3, Ansichten

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