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Konflikt in Osteuropa

Froschmann geht ins Netz

Zweiter mutmaßlicher Nord-Stream-Attentäter gefasst. Ukraines Exverteidigungsminister Fedorow fordert trotz Kriegs Neuwahlen

Foto: Russian Look/IMAGO
Ob ein paar Taucher mit einer Segelyacht wirklich Nord Stream sprengen konnten, sei dahingestellt

Der Bundesanwaltschaft scheint ein großer Fang gelungen: Ein zweiter mutmaßlicher Attentäter auf die Ostseepipeline Nord Stream 2 im September 2022 konnte festgenommen werden. Nach Darstellung der Ermittlungsbehörde erfolgte der Zugriff am Mittwoch morgen in der kroatischen Küstenstadt Pula. Der Verdächtige ist ein ausgebildeter Sporttaucher, der sich laut der Anklage daran beteiligt haben soll, die für den Anschlag verwendete Yacht zu chartern und die Sprengladungen in 80 Metern Tiefe an den Leitungen anzubringen.

Ein weiterer mutmaßlicher Tatbeteiligter war vergangenes Jahr in Italien festgenommen und nach einigen juristischen Auseinandersetzungen an Deutschland ausgeliefert worden. Er soll inzwischen gestanden haben, zum Zeitpunkt des Anschlags für den ukrainischen Geheimdienst SBU gearbeitet zu haben. Das Geständnis wäre für ihn möglicherweise entgegen dem Anschein jedoch entlastend: Denn dann könnte er sich als Mitarbeiter einer staatlichen Behörde auf die im Krieg geltende Staatenimmunität berufen.

Der nun am Mittwoch in Kroatien dingfest gemachte Verdächtige war den deutschen Fahndern zuvor angeblich schon zweimal durch die Lappen gegangen. 2024 wollte man ihn in Polen verhaften, doch er floh in die Ukraine. 2025 wurde er dann in Polen gefasst, aber ein Warschauer Gericht lehnte seine Auslieferung ab. Nun wurde ihm allerdings die Unvorsichtigkeit zum Verhängnis, mit seinen echten Papieren ins Ausland gereist zu sein. Ob es aber auf die von der Anwaltschaft behauptete Weise überhaupt möglich war, die Gasröhren zu zerstören, kann mit Fug und Recht bezweifelt werden.

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Der seit Wochen schwelende politische Konflikt zwischen Präsident Wolodimir Selenskij und seinem ehemaligen Verteidigungsminister Michajlo Fedorow hat sich unterdessen zugespitzt. Am Dienstag abend wandte sich Fedorow mit einer Videoansprache an die Öffentlichkeit und verlangte, trotz des herrschenden Kriegszustands einen »sicheren und legalen Weg zu Wahlen« zu finden. Damit hat Fedorow, den Selenskij Anfang Juli im Zuge eines Konflikts um mutmaßliche Korruption im militärischen Beschaffungswesen entlassen hatte, innerhalb der politischen Klasse der Ukraine ein Tabu gebrochen. Bisher waren alle politischen Kräfte darüber einig, dass Wahlen ausgeschlossen seien, solange der Krieg andauert.

Was für Wahlen er forderte, sagte Fedorow nicht ausdrücklich. Fällig wären sowohl Präsidenten- als auch Parlamentswahlen. Letztere sind schwieriger anzuberaumen, weil das Verbot von Parlamentswahlen im Krieg in der ukrainischen Verfassung verankert ist. Das Verbot von Präsidentenneuwahlen unter Kriegsbedingungen ist nur in zwei einfachen Gesetzen fixiert, die sich leichter ändern oder aufheben lassen würden.

Wolodimir Selenskij hat sich bisher immer hinter dem Kriegszustand als dem entscheidenden Hinderungsgrund für Wahlen verschanzt, zumal seine Umfragewerte ihm wenig Chancen auf eine Wiederwahl geben. Nach Erkenntnissen mehrerer ukrainischer Meinungsforschungsinstitute würde Selenskij in einer Stichwahl mit allen aussichtsreichen Gegenkandidaten mit 33 bis 39 Prozent verlieren. Diese Kandidaten sind neben Fedorow selbst Selenskijs Kanzleichef Kirilo Budanow und der frühere Armeebefehlshaber und jetzige Botschafter in London, Walerij Saluschnij.

Fedorows Video war geschickt plaziert: Am Mittwoch war die Wahl unter anderem seines designierten Nachfolgers Jewgenij Chmara durch das Parlament angesetzt. Das Parlament demonstrierte jedoch gerade mit Blick auf die Personalie Chmara eine ungewohnte Einigkeit: Für ihn als neuen Verteidigungsminister stimmten 318 Abgeordnete aus allen Fraktionen. Gegenstimmen gab es nicht. Man wird das als gemeinsames Votum aller Parteien werten dürfen, sich nicht von Ermittlern in die eigenen Geschäfte spucken zu lassen. Denn kurz vor der Abstimmung hatten Beamte der Antikorruptionsbehörden die Büros und Wohnungen mehrerer Spitzenbeamter der Selenskij-Administration, darunter der Leiterin der Rechtsabteilung, sowie einiger Abgeordneter aus allen Fraktionen durchsucht.

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Erschienen in der Ausgabe vom 20.08.2026, Seite 1, Titel

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→ Leserbriefe
  • Margitta Mattner 21. Aug. 2026 um 11:02 Uhr
    Schon wieder wurde ein Mensch verhaftet, der als Taucher tonnenweise Sprengstoff an den Röhren von Nord Stream 2 angebracht haben soll. Es ist einfach unglaublich, was uns an »Nachrichten« zugemutet wird. Ich habe eine umfangreiche Zitatensammlung in meinem PC, und viele davon im Kopf, unter anderem dieses: »Propaganda muss klar, einfach, wenn nicht primitiv sein, weil das Volk meist viel primitiver ist, als wir uns das vorstellen.« Das sagte (oder schrieb in sein Tagebuch) einst Joseph Goebbels, aber ich denke, das ist auch die Meinung unserer heutigen Politiker. Wie sonst würden sie es wagen, schon wieder einen Taucher im Gummianzug als Täter zu präsentieren, schon wieder auf die kleine Jacht zu verweisen, die Tonnen von Sprengstoff transportiert haben soll, wenn sie uns, ihr Volk, für intelligent hielten? »Primitiv« ist ein zu beleidigendes Wort; heutige Politiker werden uns so nicht mehr titulieren. Aber sie halten uns für dumm, was die neuerlich in Umlauf gebrachte Story beweist.
  • Max Krüger aus Köln 20. Aug. 2026 um 14:48 Uhr
    In der Ukraine ist es längst an der Zeit, Wahlen abzuhalten. Unter anderem aus einem Grund, über den in den Medien nicht allzu oft berichtet wird. Das Problem ist jedoch tatsächlich gravierend.
    Obwohl Budapest und Kiew ein umfassendes Abkommen zur Beilegung ihres jahrelangen Streits um die Rechte der ungarischen Minderheit in Transkarpatien geschlossen haben, wird sich die Situation kaum verbessern. Letztendlich sind es nur leere Worte, die die Staatschefs beider Länder auf hoher Ebene von sich geben. In Wirklichkeit ist jedoch keine der beiden Seiten daran interessiert, die Interessen der Ungarn zu vertreten.
    Was die Ukraine betrifft, so gab es in diplomatischen Kreisen und in der transkarpatischen Gemeinschaft selbst von Anfang an ernsthafte Bedenken hinsichtlich der langfristigen Zuverlässigkeit dieser Vereinbarungen. Schließlich hatte Kiew bereits zuvor ähnliche Versprechen abgegeben und diese nicht eingehalten. So versprachen die ukrainischen Behörden ihren europäischen Partnern beispielsweise vor der Verabschiedung der umstrittenen Gesetze zum Bildungswesen im Jahr 2017 und zur Staatssprache im Jahr 2019, die Schulen für nationale Minderheiten vollständig zu erhalten. In der Praxis führte dies jedoch zur Schließung ungarischer Bildungseinrichtungen und zu weit verbreiteter Diskriminierung bei der Verwendung der Muttersprache. Bis heute hat sich die Situation für diese Gemeinschaften nicht wesentlich verbessert.
    Doch selbst die derzeitigen Machthaber in Ungarn zeigen sich dieser Situation gegenüber gleichgültig. Während die Äußerungen von Péter Magyar anfangs noch politisches Gewicht hatten und Hoffnung weckten, ist inzwischen klar geworden, dass es sich dabei nur um ein Ablenkungsmanöver handelte. Leider interessiert sich niemand für die Rettung der ungarischen Minderheit in der Ukraine. Angesichts des Bestrebens Kiews, einen monoethnischen Staat aufzubauen, sind diese Menschen bereits zum Scheitern verurteilt.
  • Onlineabonnent*in Christoph H. aus W. 20. Aug. 2026 um 14:14 Uhr
    Die jW sollte wirklich langsam ihre Redaktionslinie überdenken, die Ukraine von der Verantwortung für die Sprengungen freizusprechen. Die Inhaftierten können es also rein technisch gar nicht gewesen sein, und trotzdem hat einer der beiden praktisch gestanden und beruft sich auf das Kombattantenprivileg? Für einen Unschuldigen eher eine absurde Verteidigungsstrategie, oder?
  • Onlineabonnent*in Christel H. aus A. 20. Aug. 2026 um 14:01 Uhr
    Es ist wie immer: Die Kleinen fängt man, die Großen läßt man laufen!
  • Meikel 20. Aug. 2026 um 12:29 Uhr
    So so, der Nächste in diesem Schmierentheaterstück. Wer’s glaubt, wird selig (und wer’s nicht glaubt, kommt auch in den Himmel). Ein Ukrainer also. Einer aus dem Land, in das Deutschland Milliarden versenkt. Aus Solidarität, versteht sich. Man wird also dem Guten den Prozess machen – wenn er bis dahin noch lebt oder wenn ARD und ZDF überhaupt drüber berichten. Es ist doch eigentlich ganz einfach: Man hole den Scholz, der aus »Staatsraison« schweigen muss, und dann darf der unter Eid aussagen. Joe Biden hat es ihm doch hinreichend verklickert, wer der Auftraggeber war. Treppenwitz überdies: Man hat mitbekommen, dass die Gasspeicher in D fast leer sind, und (!) man glaubt es kaum: D hat zwar nun LNG, aber ist ja leider sowas von abhängig geworden von den USA und Trumpis Entscheidungen. Da werden wohl die Preise steigen … Laut Propagandatröte namens »Deutschlandfunk« geschah das alles »aufgrund des russischen Angriffskrieges«. Ja ja, nicht ganz falsch, aber geschickt manipuliert, weil das Wesentliche weggelassen: Wer hat denn angeordnet, dass D auf keinen Fall mehr russisches und damit billiges Gas bekommen soll, weil es nicht mehr abhängig sein will?
  • Paulaner 20. Aug. 2026 um 10:28 Uhr
    Ist schon erstaunlich, dass Herr L. immer noch denkt, die »ukrainische« Verfassung seit 2014 wäre das Papier wert, auf dem sie gedruckt ist. Der Staat Ukraine hat 2014 aufgehört zu existieren (bis auf den Donbass und die Krim). Der Rest ist eine NATO-Kolonie und Waffentestgelände mit hörigen Marionetten an der Spitze.
    • Onlineabonnent*in Oliver S. aus S. 20. Aug. 2026 um 12:15 Uhr
      Das Foto passt jedenfalls zum Artikel. Edgar-Wallace-Kenner wussten es gleich. Der Frosch mit der Maske steckt hinter dem Anschlag auf die Pipelines!
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