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Krieg gegen Iran

Hormus bleibt dicht

Nach einem Monat Ruhe greifen die USA erneut den Iran an, der mit Gegenangriffen reagiert. Entgegen Trumps Behauptung bleibt der Schiffsverkehr in der Meerenge gering

Foto: Majid Asgaripour/WANA (West Asia News Agency) via REUTERS
Fast kein Durchkommen: Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus stockt fast vollständig

US-amerikanische Streitkräfte haben am Sonntag die iranische Insel Larak in der Straße von Hormus angegriffen. Dabei sollen zwei Menschen getötet worden sein, wie die iranische Nachrichtenagentur IRNA berichtete. Laut dem Weißen Haus sollte damit verhindert werden, dass das Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) erneut Seeminen in der Meerenge ausbringt. Es war die erste US-Aggression gegen iranisches Gebiet seit Ende Juli. Teheran reagierte noch am selben Tag: Das IRGC beschoss die von US-Truppen genutzten Stützpunkte »King Hussein« und »Al-Asrak« in Jordanien mit Raketen und Drohnen.

Jordaniens Armee behauptete, acht Raketen abgefangen zu haben; Verletzte habe es an den beiden Stützpunkten nicht gegeben. Die Revolutionsgarden berichteten dagegen von schweren Schäden. Iran meldete zudem einen Drohnenangriff auf Al-Minhad in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Diese sagten lediglich, dass sie auf eine iranische Drohne reagiert hätten, aber machten keine Angaben zum Ausgang.

Bisher unbestätigt blieb auch der von der IRCG gemeldete Abschuss einer US-Drohne vom Typ MQ-9 über Hormus. Parallel verbreitete US-Präsident Donald Trump ein Video von der angeblichen Zerstörung der Ölinsel Kharg. Reuters identifizierte den Clip als höchstwahrscheinlich KI-generiert.

Bereits Ende vergangener Woche hatte Trump erklärt, die Marine habe sämtliche Minen in den internationalen Gewässern der Straße von Hormus entfernt oder gesprengt – jedes Schiff, das neue Minen lege, werde künftig sofort zerstört. Dem widersprach der Generalsekretär der Internationalen Seeschiffahrtsorganisation, Arsenio Dominguez, öffentlich: Es gebe keine Bestätigung, dass die Minen entfernt worden seien, die Straße sei nicht offen, sagte er gegenüber Bloomberg.

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Die Revolutionsgarden meldeten am Montag, ein Supertanker sei beim Versuch, eine nach iranischer Darstellung nicht genehmigte Route durch Hormus zu nehmen, auf zwei Seeminen gelaufen und in Brand geraten. Und auch der Schiffsverkehr spricht nicht für eine Normalisierung: Nach Daten des Trackingdienstes Kpler passierten zuletzt nur fünf Frachter täglich die Straße, gegenüber mehr als 130 vor Kriegsbeginn, wie CNBC berichtete.

Parallel zur militärischen Bedrohung Irans durch die USA tagt in Kirgistans Hauptstadt Bischkek die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO), der neben Iran auch China, Russland und Indien angehören. Das Format bringt Staaten mit erheblichen Gegensätzen zusammen – und gerade die von Washington blockierten Ölströme durch Hormus schaffen zusätzliche gemeinsame Interessen. Die angekündigten US-Sekundärsanktionen machen die SCO zugleich zum Test dafür, wie weit Washington seine Wirtschaftsmacht gegenüber seinen asiatischen Konkurrenten durchsetzen kann. China muss Indien oder die übrigen SCO-Staaten nicht zu Verbündeten machen. Denn Washingtons Blockaden und Sekundärsanktionen führen bereits ohne Beijings Zutun zu gemeinsamen Interessen bei Energieversorgung, Zahlungswegen und Handelsrouten.

Gleichzeitig verschiebt die von den USA verursachte Blockade der Ölströme durch Hormus den Weltmarkt zugunsten der Vereinigten Staaten. Während kaum noch Öl aus dem Golf gelangt, erreicht das Land Rekordexporte und Milliardengewinne: Die US-Erdölausfuhren stiegen im April auf 13,6 Millionen Barrel täglich, Rohöl allein auf 5,6 Millionen. Bei rund 100 US-Dollar je Barrel könnten Produzenten zusätzliche Milliardengewinne erzielen; nahezu unveränderte Förderkosten lassen die kriegsbedingte Verknappung direkt auf die Gewinne durchschlagen. Außerdem hat Washington mit dem am Freitag angekündigten »Deal« venezolanisches Öl unter seine Verfügungsgewalt gebracht; ein Teil des erpressten Öls soll die strategischen Reserven auffüllen.

Das ist nicht das Bild einer untergehenden Großmacht, sondern einer Macht, die militärische, politische und wirtschaftliche Überlegenheit wirksam ausbaut: Konkurrenzöl wird vom Weltmarkt gedrängt, die eigene Industrie erzielt Rekordexporte und Milliardengewinne, während Washington zugleich neue ausländische Reserven seinem Zugriff unterwirft.

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Erschienen in der Ausgabe vom 01.09.2026, Seite 1, Titel

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