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Rechte Gewalt

Mord auf dem Jugendhügel

Bulgarien: Debatte über Umgang mit jungen Neonazis. Radew kritisiert proukrainische Opposition

Foto: Borislav Troshev/Anadolu Agency/IMAGO
Jedes Jahr marschieren bulgarische Faschisten am Todestag des Weltkriegsgenerals Christo Lukow in Sofia auf (14.2.2026)

Nach dem Mord an einem 37jährigen Mann in Bulgariens zweitgrößter Stadt Plowdiw hat die bulgarische Regierung ihr Vorgehen gegen neonazistische Gruppen verschärft. Einsatzkräfte der Polizei stürmten in der Nacht zu Sonntag einen Privatclub in der südbulgarischen Stadt und nahmen vorübergehend 18 Personen fest, die laut Innenministerium mit dem internationalen terroristischen Neonazinetzwerk »Blood and Honour« verbunden sind. Zudem stellten sie zahlreiche Flaggen und Poster mit Nazisymbolen, faschistische Literatur und mindestens eine Gaspistole sicher. Gegen drei der Festgenommenen wurde Anklage wegen der Aufhetzung zu rassistischen Gewalttaten erhoben. Wie die Plowdiwer Staatsanwaltschaft deutlich machte, wirft sie keinem der Beschuldigten eine direkte Beteiligung an der Mordtat Anfang August vor, doch bestünden Verbindungen zwischen einigen der am Sonntag Festgenommenen und den Tätern.

Eine Gruppe von zehn Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren hatte den 37jährigen am 4. August in einen Park auf dem sogenannten Mladezhki Halm, dem Jugendhügel, gelockt. Die selbsterklärten »Pädophilenjäger« hatten dem Mann vorgetäuscht, ein 15jähriges Mädchen wolle sich dort mit ihm zu einem Date treffen. In Bulgarien liegt das Schutzalter, ab dem einvernehmliche sexuelle Handlungen erlaubt sind, bei 16 Jahren. Ein Erwachsener, der einvernehmlichen sexuellen Kontakt mit einer Person unter 16 (aber über 14 Jahren) hat, kann mit zwei bis sechs Jahren Gefängnis bestraft werden. Die Teenager auf dem Jugendhügel allerdings schlugen den Mann tot. Zuvor quälten sie ihn rund eine Stunde lang, indem sie Zigaretten auf ihm ausdrückten, ihm die Augenbrauen rasierten und ihn würgten.

Mit schwersten Verletzungen, darunter Risse in Lunge, Leber und Nieren sowie einem Schädel-Hirn-Trauma, konnte sich der Angegriffene noch zum Fuße des Hügels schleppen, wo er gefunden und in ein Krankenhaus gebracht wurde, in dem er schließlich starb. Berichten zufolge sollen die jugendlichen Täter Videos und Bilder der Tat in den sozialen Medien verbreitet haben. Fünf der zehn Teenager – drei Jungs, zwei Mädchen – befinden sich derzeit in U-Haft, der Gerichtsprozess läuft.

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Die Gewalttat ist die letzte in einer ganzen Reihe von Überfällen, die eine Debatte über den Umgang mit faschistischen Jugendgruppen in Bulgarien ausgelöst haben. Liberale Medien und die prowestliche Opposition wittern eine russische Spur. Begründet wird dies damit, dass das organisierte Jagen und Töten von vermeintlichen »Pädophilen«, in der Praxis hauptsächlich homosexuelle Männer, von dem russischen Neonazi Maxim Martsinkewitsch und seiner offen hitlerfaschistischen Bewegung »Occupy Pedophilia« ins Leben gerufen wurde. Der Aktivist mit dem »Kampfnamen« Tesak (Hackebeil) war im September 2020 tot in einer Gefängniszelle im Oblast Tscheljabinsk aufgefunden worden – laut russischen Behörden hatte der 36jährige Selbstmord begangen, nachdem Mordermittlungen gegen ihn eröffnet worden waren.

Das prowestliche Nachrichtenportal Balkan Insight zitierte am Dienstag den in Bulgarien lebenden russischen Journalisten und Regierungsgegner Alexey Bachinskiy, der den Mord auf dem Jugendhügel als von Tesak inspiriert betrachtet. Dessen Bewegung sei nach wie vor ein Vorbild für extrem rechte Jugendgruppen, insbesondere in Osteuropa. Das Buch eines bekennenden bulgarischen Anhängers von Tesak mit dem Titel »Schule für Pädophilenjäger« war bis vor kurzem frei verkäuflich und wurde erst nach der Tat in Plowdiw von den bulgarischen Behörden aus dem Verkehr gezogen.

Bulgariens neuer Ministerpräsident Rumen Radew, vormals zehn Jahre lang Präsident, hat inzwischen Maßnahmen gegen Jugendkriminalität angekündigt. Nach einer Kabinettssitzung in der vergangenen Woche erklärte er, es müsse klar sein, »dass Bulgariens Kinder in der Familie und in der Schule erzogen werden müssen. Wir dürfen sie nicht dem schädlichen Umfeld der sozialen Medien überlassen«. An die bulgarischen Unterstützer des mit Neonazis durchsetzten Kiewer Regimes gerichtet, sagte Radew, es sei schockierend, wie »Politiker und Influencer versuchen, aus dem Mord politischen Gewinn zu schlagen«. Dieselben Leute, »die systematisch Denkmäler zerstören und die Erinnerung an den Antifaschismus auslöschen, sind nun schockiert über die faschistischen Symbole der Angreifer in Plowdiw«.

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Erschienen in der Ausgabe vom 19.08.2026, Seite 15, Antifaschismus

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