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Selenskij in Belgrad
Serbien: Ukraines Präsident erstmals empfangen
Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij ist am Wochenende zu seinem ersten offiziellen Besuch in Serbien – einem traditionellen Verbündeten Moskaus – eingetroffen. In der serbischen Hauptstadt Belgrad traf er zu Gesprächen mit Präsident Aleksandar Vučić zusammen, was vom Westen als gezielte Botschaft an Russland gewertet wurde. Zuletzt war Vučić erstmals in Kiew.
Begrüßt wurde Selenskij von Bergbau- und Energieministerin Dubravka Đedović Handanović. Den Auftakt bildete ein Abendessen mit Vučić, das nach Angaben des serbischen Präsidenten dazu diente, »den Geist Serbiens« näherzubringen und die Themen für die offiziellen Gespräche vorzubereiten. Eine Zeremonie mit militärischen Ehren war dann der formelle Beginn des historischen Treffens.
Selenskij hatte im Vorfeld betont, dass es um den Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen, die Beziehungen zur EU und »Sicherheitsfragen« gehen würde. Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Beide Seiten vereinbarten, bis zum Jahresende ein Freihandelsabkommen auszuarbeiten.
Interessant ist, was Vučić nicht sagte. In seiner öffentlichen Begrüßung des ukrainischen Gastes fand der russische Angriffskrieg keine Erwähnung. Vučić hatte erst vor wenigen Tagen klargestellt: »Was die Sanktionen betrifft, hat Serbien seine Politik festgelegt. Daran hat sich nichts geändert und das wird vorerst so bleiben.« Das weiß auch Selenskij. Seine Reise nach Belgrad ist weniger der Versuch, Serbien von seiner russlandfreundlichen Position abzubringen, sondern vielmehr ein kalkulierter Schachzug, um die Beziehungen zu einem der letzten europäischen Verbündeten Moskaus zu normalisieren. Eine militärische Zusammenarbeit mit Kiew war kein Thema, wie Vučić bei einer Pressekonferenz betonte. Er verneinte, dass Serbien zusammen mit der Ukraine Drohnen bauen wolle. Eine derartige Kooperation sei allerdings mit Israel geplant.
Die Stimmung in der serbischen Bevölkerung ist geteilt. Während die offiziellen Gespräche im Präsidentenpalast liefen, versammelten sich Dutzende Demonstranten vor einem Denkmal für Zar Nikolaus II. – mit russischen und serbischen Flaggen sowie einem durchgestrichenen Foto Selenskijs. Dieser zeigt Moskau, dass er bereit ist, in dessen traditionellem Einflussbereich zu operieren. Vučić wiederum sendet eine Botschaft an Brüssel, dass er gesprächsbereit bleibt. Ein Balanceakt, der Serbien immer wieder vor Herausforderungen stellt, insbesondere angesichts des stockenden EU-Beitrittsprozesses. Denn während proeuropäische Kreise die Visite als wichtigen Schritt in Richtung EU-Annäherung werten, sehen rechte Kräfte und Koalitionspartner von Vučić darin das Ergebnis von Druck aus Brüssel.
Allerdings scheint der Versuch, daraus eine geopolitische Verschiebung zu machen, überhöht. Es war ein pragmatischer, wirtschaftlich motivierter Besuch, bei dem die große, unangenehme Frage des Krieges von Vučić bewusst ausgespart wurde – und Selenskij das offenbar hinnahm, um überhaupt einen Fuß in die Tür zu bekommen.
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