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Autnomes Fahren

Kroatiens Robotaxiprojekt misslingt

Startup Verne scheitert mit von der Regierung subventioniertem autonomen Robotaxiprojekt

Foto: HANZA MEDIA/IMAGO
Die autonomen Taxis waren nicht autonom genug für Kroations Straßen (Zagreb, 26.6.2024)

Es sollte das Prestigeprojekt Kroatiens werden: ein vollständig autonomes Robotaxi der Stufe fünf, entwickelt von keinem Geringeren als Mate Rimac, dem Techstar, E-Auto-Pionier und Günstling der rechten Regierung. Gefördert mit üppigen 179,5 Millionen Euro aus dem europäischen Aufbaufonds. Doch was als Zukunftsvision begann, endet nun in einem beispiellosen Scherbenhaufen. Wie das kroatische Nachrichtenportal Index.hr berichtete, hat Rimacs Unternehmen Project 3 Mobility (heute: Verne) die vertragliche Kernauflage nicht erfüllt. Das hochsubventionierte Projekt ist gescheitert, die bereits ausgezahlten Mittel in Höhe von fast 90 Millionen Euro müssen zurück an die EU-Kommission.

Der entscheidende Punkt, an dem das Projekt zerbrach, ist ein technologisches Detail, das es in sich hat: die Autonomiestufe fünf. Gemäß dem internationalen Standard beschreibt Stufe fünf ein Fahrzeug, das überall, jederzeit und bei jedem Wetter vollständig ohne menschlichen Eingriff fahrtüchtig ist. Der Passagier gibt lediglich das Ziel ein; ein Lenkrad, Pedale oder ein Sicherheitsfahrer sind nicht vorgesehen. Doch diese Technologie ist der heilige Gral der Mobilitätsbranche. Selbst Schwergewichte wie Tesla, Waymo (Google) oder chinesische Konzerne wie Baidu sind davon weit entfernt. Branchenexperten rechnen frühestens nach 2030 mit serienreifen Lösungen, wenn überhaupt. Rimac aber verpflichtete sich vertraglich genau dazu. Das kroatische Verkehrsministerium betonte noch im April dieses Jahres bei der letztmaligen Verlängerung der Frist bis zum 31. August ausdrücklich, dass das Projektergebnis (ein Fahrzeug der Stufe fünf) unverändert bleibe. Dieses Ziel wurde trotz mehrfacher Vertragsanpassungen nie abgeschwächt.

Statt dessen arbeitete Rimac mit Zulieferern zusammen, die sich auf Stufe vier bewegen. Fahrzeuge dieser Klasse können zwar autonom fahren, sind jedoch auf geographisch klar umrissene Gebiete und ideale Wetterbedingungen beschränkt. Genau solche Robotaxidienste gibt es bereits in US-Metropolen oder in China. Sie sind der aktuelle Stand der Technik, aber nicht das, wofür die EU-Millionen bewilligt wurden. Im Februar 2024 gab Rimac eine Partnerschaft mit dem israelischen Autonomiespezialisten Mobileye bekannt. Dessen Systeme erreichten jedoch zu keinem Zeitpunkt die geforderte Stufe fünf.

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Der Ausstieg dort folgte still, zum Jahresende 2025. Rimac wandte sich dem chinesischen Branchenführer Pony.ai zu, welcher zwar als weltweit führend bei autonomen Fahrsystemen gilt, aber wie alle anderen auch ausschließlich Systeme der Stufe vier entwickelt. Obwohl das Unternehmen in seinen Projektunterlagen offiziell die Möglichkeit eingeräumt hatte, Fremdtechnologien zuzukaufen, liegt der Kardinalfehler auf der Hand: Es wurde nie eine Technologie eingekauft, die das vertraglich geschuldete Niveau überhaupt hätte erreichen können. Besonders brisant ist die finanzielle Dimension des Desasters. Von den zugesagten 179,5 Millionen Euro flossen bisher 89,9 Millionen Euro als Vorschuss an Rimacs Firma.

Das war kein Zuschuss im klassischen Sinne, sondern ein zinsloses Staatsdarlehen für ein privates Unternehmen – ein Vorgang, der in Kroatien bereits damals für heftige Debatten gesorgt hatte. Doch bei der nun anstehenden Prüfung der Verwendungsnachweise zeigt sich ein verheerendes Bild: Von den knapp 90 Millionen Euro konnten die Prüfer bisher lediglich 8,7 Millionen Euro als zweckgebundene, förderfähige Ausgaben ausmachen. Das entspricht weniger als zehn Prozent der bereits abgerufenen Mittel. Der Großteil der Ausgaben kann offenbar nicht oder nur unzureichend mit der Entwicklung eines Stufe-fünf-Fahrzeugs in Verbindung gebracht werden.

Am Montag endete die offizielle Projektlaufzeit. Rimac verfügt zwar noch über eine einmonatige Gnadenfrist, um weitere Belege für seine Kosten einzureichen. Diese dient jedoch nicht der Verlängerung der Entwicklungsarbeit, sondern ausschließlich der bürokratischen Abwicklung. Eine nachträgliche Vorlage des eigentlichen Fahrzeugs ist ausgeschlossen. Im Vertrauensverhältnis zwischen Techunternehmen und öffentlichen Fördergebern in Kroatien und der EU erzeugt der Fall Narben, zeigt er doch eindrücklich, dass politische Unterstützung und hohe Förderbeträge technologische Realitäten nicht überbrücken können.

Während Verne nun auf die Nische der kommerziellen Stufe-vier-Dienste setzt, bleibt der Traum vom fahrerlosen Allroundrobotaxi in Zagreb (und weltweit) vorerst Zukunftsmusik. In der Stadt sind nun von den chinesischen Herstellern Pony.ai und Arcfox entwickelte Robotaxis unterwegs, die jeweils von einem mitfahrenden Sicherheitsmitarbeiter überwacht werden. Die Rückabwicklung der Stufe-fünf-Förderung wird die Gerichte und Behörden in den kommenden Monaten noch intensiv beschäftigen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 01.09.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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