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Nachruf

Streitbar für die Kunst

Zum Tode der Kuratorin und Kunstwissenschaftlerin Katharina Kaiser

Foto: Matthias Reichelt
Die 2019 verstorbene Holocaustüberlebende Hanni Levy (l.) neben Katharina Kaiser (Berlin)

Unter Katharina Kaisers Ägide entwickelte sich das Haus am Kleistpark (HAK) in Berlin-Schöneberg von 1982 bis 2011 zu einem Ort interessanter Ausstellungen. Oftmals kooperierte sie mit der basisdemokratisch organisierten Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst , deren Mitglied sie war und wo sie mit Arbeitsgruppen an der Initiierung von Projekten arbeitete. 1986 wurde das Werk von Robert Capa im HAK gewürdigt und 1995, ebenso in Zusammenarbeit mit der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst, das polarisierende Werk des Schoah-Überlebenden Boris Lurie gezeigt, von dem bis heute das Poem »Meine Sympathie ist mit der Maus, aber ich füttere die Katze« im Treppenhaus des HAK zu lesen ist.

Geboren am 12. Februar 1947 gehörte Kaiser der Nachkriegsgeneration an, die sich unter dem Einfluss der aus dem Exil zurückgekehrten Frankfurter Schule um Max Horkheimer und Theodor W. Adorno nicht um die Frage herumdrückte, wie der deutsche Faschismus an die Macht kam. Wie war es möglich, dass Kommunisten, Sozialdemokraten und andere politisch oder aufgrund ihrer sexuellen Orientierung verfolgte Menschen weggesperrt und ermordet wurden und in unvorstellbar großem Umfang Juden, Roma und Sinti sowie »slawische Untermenschen« aus rassistischen Gründen umgebracht werden konnten? Kaiser machte diese Fragen zum Movens des eigenen Handelns. Nach einem Studium der Kunst, Kulturwissenschaft und Pädagogik in Münster und Berlin hat sie sich, wie andere 68er auch, mit den Nachwirkungen des Faschismus und den mit ehemaligen Nazis durchsetzten Regierungsinstitutionen befasst.

Getrieben von diesem Wissen und der Verpflichtung zur Erinnerung und Aufklärung, hat Kaiser Ausstellungen organisiert und sich für eine entsprechende Erinnerungs- und Denkmalpolitik engagiert. Zu nennen sind hier vor allem die Dauerausstellung »Wir waren Nachbarn« im Schöneberger Rathaus mit den Biographien und Berichten jüdischer Zeitzeugen über das Leben im damals von der jüdischen Bevölkerung geprägten »Bayerischen Viertel« und deren allmähliche Ausgrenzung, Entrechtung, Exilierung und Ermordung. Auch das Denkmal »Orte des Erinnerns – Denkmal im Bayerischen Viertel«, das von dem Künstlerpaar Renata Stih und Frieder Schnock im Rahmen eines Wettbewerbs realisiert wurde, hat Kaiser mit angestoßen und durchgesetzt und veröffentlichte, allerdings ohne die Beteiligung der Künstler, eine zweibändige Publikation zum Thema.

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Kaiser war eine Kämpferin für Kunst und Kultur und somit eine streitbare Person, die sich auch Feinde machte. Sie berichtete atemlos von ihren jeweils aktuellen Projekten, die sie mit großem Engagement vorantrieb. 1997 öffnete sie die Ausstellungsräume für das Projekt »Transsexuelle Menschen in Deutschland« von Daniel und Geo Fuchs, zu dem es ein Rahmenprogramm gab, bei dem die Fraktionen der schwul-lesbischen und transsexuellen Community heftig miteinander stritten.

Ob mit historischen Projekten zur Lokalgeschichte oder Ausstellungen mit internationalen und namhaften Künstlerinnen und Künstlern wie Art Spiegelman und Marlene Dumas, das HAK gewann unter Katharina Kaiser ein hohes Ansehen. Nicht nur der Bezirk, sondern auch viele Künstlerinnen und Künstler haben ihr einiges zu verdanken. Am 1. August ist sie nach langer Krankheit mit 79 Jahren in Berlin gestorben.

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Erschienen in der Ausgabe vom 07.08.2026, Seite 11, Feuilleton

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