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Kino

Echte Freunde sind nie allein

Ein gelungener Dokfilm über Dieter Thomas Kuhn, seine Kapelle und das Schlager-Revival

Foto: Future Image/IMAGO
Ein bisschen Liebe: Dieter Thomas Kuhn (l.) mit Philipp Feldtkeller (2024)

Schon der Name ist ein Augenzwinkern: Den »Dieter« setzte Thomas Kuhn vor seinen Vornamen als Hommage an Dieter Thomas Heck (1937–2018), den Moderator der »ZDF-Hitparade«, der wiederum als Carl-Dieter Heckscher geboren wurde. Der eine präsentierte die goldene deutsche Schlager-Ära von 1969 bis 1984 in 183 Sendungen und sang auch gerne selbst (»Es ist Mitternacht, John«). Der andere covert seit Mitte der 1990er Jahre mit seiner »Kapelle« genannten Band Stimmungshits wie »Sag mir Quando« (von Caterina Valente und Silvio Francesco) oder »Ich sprenge alle Ketten« (Ricky Shayne). Der mittlerweile 61jährige Kuhn verzückte seine Fans mit aufgeklebtem Brusthaartoupet und goldener Föhnfrisur.

Stationen dieser rasanten Revival-Karriere hat nun Dokfilmregisseurin Juliane Sauter (»Primadonna or Nothing«, 2023) auf witzige, berührende und vor allem ehrliche Weise eingefangen. Natürlich sind Kuhn und seine Mitstreiter die »Hauptdarsteller«. Für »Und es war Sommer« – Peter Maffay lässt schön grüßen – begleitete die Regisseurin die achtköpfige Combo 2024 auf ihrer großen Open-Air-Tournee durch Deutschland. Nicht nur die Musiker kommen dabei zu Wort, sondern auch viele der treuen, mit Sonnenblumen bekränzten Fans. Was einst als ironisches Schlagerprojekt begann, bietet längst einen emotionalen Kit, der generationenübergreifend Zusammenhalt in einer politisch immer bedrohlicheren Welt stiftet. »Ein bisschen Spaß muss sein« (Roberto Blanco) – und den hat man heute höchstens noch für 90 Minuten plus bei einem Konzert.

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Als Musikerporträt funktioniert »Und es war Sommer« bestens, weil der kurzweilige Film weder reine Schwärmerei liefert, noch sich in hämischer Distanz gefällt. Vor allem der Einsatz von Archivmaterial ist gelungen: Statt es beliebig zwischen die aktuellen Aufnahmen zu schneiden, sucht Juliane Sauter nach Verbindungen in die Gegenwart – und wird fündig. So beim vermeintlichen Bandende 1999 und der späteren Rückkehr auf die Bühnen. Die Konzertmitschnitte haben zudem eine erstaunlich gute Klangqualität.

Am stärksten ist »Und es war Sommer« allerdings in seinen leisen Momenten: So erhielt Gitarrist Philipp Feldtkeller, besser bekannt als »Howie F.«, während der Tour 2024 eine Krebsdiagnose. Der musikalische Kopf der Band entscheidet sich für Offenheit und lässt zu, dass ihn das Filmteam bei seinen Arztbesuchen begleitet. Er benötigt zunächst keine akute Therapie, muss sich jedoch regelmäßigen Kontrolluntersuchungen unterziehen. Wie er und seine Mitstreiter sich dennoch immer wieder zusammenreißen, um ausgelassen zu performen, rührt ans Heldenhafte. Im September 2026 kündigen Dieter Thomas Kuhn und »Kapelle« an, sich im Sommer nächsten Jahres endgültig von der Bühne zu verabschieden. Für Feldtkeller gibt es keinen Ersatz. Man nennt das wohl Freundschaft.

→ »Und es war Sommer – Dieter Thomas Kuhn und Band«, Regie: Juliane Sauter, BRD 2026, 95 Min., bereits ­angelaufen

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Erschienen in der Ausgabe vom 21.09.2026, Seite 11, Feuilleton

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