Inklusiver Antifaschismus
Der Berliner Künstler Thomas Kilpper thematisiert rechte Verbrechen und politische Zensur heute
Jetzt aber hurtig: In der Städtischen Galerie im Park in Viersen ist noch bis Anfang August eine Ausstellung mit dem etwas uneindeutigen Titel »Freiheit in der Kunst – der Kunst die Freiheit« zu sehen. Ein guter Grund, sie sich anzuschauen: Die Leiterin der Galerie, Jutta Pitzen, hat auch Thomas Kilpper eingeladen, etwas beizutragen. Der seit vielen Jahren in Berlin lebende Künstler hat sich mit Radierungen, Linol- und Holzschnitten sowie Installationen hervorgetan, die ästhetisch ungemein überzeugend den antifaschistischen Widerstand thematisieren.
Für die Ausstellung in Viersen hat er eine Serie von Kaltnadelradierungen geschaffen, die im Gestus einer Graphic Novel eine Auswahl der unzähligen Fälle politischer Zensur, Ausladungen und Absagen von Preisverleihungen seit 2023 behandeln. Maßnahmen, die sich vor allem gegen Künstlerinnen und Künstler und Theoretiker und Theoretikerinnen richteten, die irgendwann ihre Solidarität mit den Palästinensern zum Ausdruck brachten und den von Israel an ihnen begangenen Genozid verurteilten. Kritik am Staat Israel wird häufig als »israelbezogener Antisemitismus« regelrecht kriminalisiert. Diese Serie setzt Kilpper über die Ausstellung hinaus sukzessive fort. Sie ist auch ein Fanal gegen die zunehmende Faschisierung der Bundesrepublik, die bislang auch ohne AfD in Regierungsverantwortung auf vielen Ebenen stattfindet. Die Bilder sind brillante Zeichnungen und Porträts der Protagonisten. Kilpper behandelt bekannte und weniger bekannte Zensurfälle, darunter auch zwei von den beiden sich eher links verstehenden Berliner Kunstvereinen n. b. k. und nGbK. Vorauseilender Gehorsam, wohl aus Angst, Förderungen verlieren zu können.
Anders als die jüngst vom ZDF ausgeladenen Musiker Danger Dan und Igor Levit macht Thomas Kilppers Antifaschismus nicht an Landesgrenzen halt. Während die beiden sich in ihrer Israel-Solidarität nicht für den Massenmord in Gaza interessieren, erinnert Kilpper in seinen Arbeiten nicht nur an die Schoah und die vielen anderen Naziverbrechen, nicht nur an die Morde des NSU und wie Behörden ihn deckten, sondern als Internationalist auch an viele staatliche Verbrechen weltweit sowie natürlich an die an den Palästinensern.
2006 gründete er zusammen mit seiner Lebensgefährtin Franziska Böhmer den Berliner Projektraum »after the butcher« (»von Künstlern für Künstler«) in den Räumen einer ehemaligen Fleischerei in Lichtenberg. Ein autonomer Ort, der hilft, brisante Themen in Ausstellungen zu zeigen, die ansonsten kaum rezipiert werden könnten. Weil Kilpper als politisch agierender Künstler auf Selbstorganisation und kollektives Handeln setzt, hat der Projektraum nun mit einem in Gründung befindlichen Verein und einem Kollektiv von Künstlerinnen und Künstlern ein solideres Fundament erhalten.
Kilppers Arbeit an der Zensurserie lässt sich im Internet verfolgen: https://criticalcommunication.network
»Freiheit in der Kunst – der Kunst die Freiheit«, Städtische Galerie im Park in Viersen, bis 2. August
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