Da lächelt das Mammut
Kunst und Karikatur: Das Sommerpalais Greiz zeigt Ausstellungen zu den Werken von Harald Kretzschmar, Manfred Sondermann und Heinz Jankofsky
Wenn es im Osten um Satire und Humor geht, muss unbedingt das Sommerpalais in Greiz genannt werden. Die ansonsten unscheinbare Stadt im Thüringer Vogtland beheimatete aber auch den Schriftsteller Michael Rudolf. Nach der »Wende« gründete Rudolf (1961–2007) den Verlag Weißer Stein und gab vielen satirisch, herrlich fies und ironisch schreibenden Autoren eine Heimat. Selbst schrieb er Bücher über Bier und Pilze, böse Texte für Konkret oder junge Welt und veröffentlichte mit Frank Schäfer ein »Lexikon der Rockgitarristen«. Oft wies Rudolf auch auf das Satiricum im Sommerpalais seiner Heimatstadt hin. Über die gegenwärtigen Sonderausstellungen hätte er sich gewiss gefreut – sie sind den schon zu DDR-Zeiten bekannten Karikaturisten Harald Kretzschmar und Manfred Sondermann gewidmet.
Kretzschmar, 2024 in Kleinmachnow verstorben, zeichnete regelmäßig für den Eulenspiegel Porträtkarikaturen und schrieb Glossen, Essays und Kunstkritiken für diverse Tageszeitungen. Auch war Kretzschmar Mitglied der Pirckheimer-Gesellschaft und jahrelang Vorsitzender der Zentralen Sektionsleitung »Karikatur im Verband Bildender Künstler der DDR«. Für seine humorvolle Kunst erhielt er wichtige Ehrungen, etwa den Preis der internationalen Ausstellung »Satire im Friedenskampf« (1963), den Kunstpreis der DDR (1971) sowie den Vaterländischen Verdienstorden in Silber (1984). Von ihm sind im Satiricum Greiz noch bis Ende des Monats Porträts, politische Karikaturen und großartige Cartoons zu sehen.
Neben den Werken Kretzschmars hängen satirische Zeichnungen von Manfred Sondermann (1938–2025). Der Künstler, der bis zu seinem Tod in der Nähe des Satiricums lebte, wird mit einer umfassenden Retrospektive geehrt. Immer wieder griff Sondermann die Berufswelt auf, zeichnete den Spaß in die Technik- und Arbeitswelt. Später reifte er zum politischen Zeichner, karikierte Themen wie Umweltzerstörung, den Verfall der Infrastruktur oder die Falschheit des Systems. Nach 1990 entwickelte der Ingenieur und Karikaturist die Figur Ossikar und begleitete mit ihr über 15 Jahre lang den »Vereinigungsprozess« aus Sicht eines neuen Bundesbürgers, der freilich immer noch ein Ossi ist.
In einem weiteren Raum finden sich 130 Karikaturen von Heinz Jankofsky. Da fällt einem prompt die Zeichnung ein, in der es um die halbvergessene Sendung »Glücksrad« geht: Gesucht wird eine Redewendung. »Doof bl…ibt doof« ist bereits aufgedeckt, der Kandidat sagt: »Ich kaufe ein A.« Oder die Zeichnung eines prähistorischen Paares, das bei starkem Regen verzweifelt Schutz in einem Zelt sucht. Von der anderen Seite lächelt ein Mammut aus einer trockenen Höhle rüber. Die Frau sagt: »Wie wir hausen, ist dir egal. Hauptsache dein geliebtes Mammut steht trocken.« Der gelernte Lokschlosser Jankofsky wurde 1935 in Berlin geboren und verstarb 2002 am Bebersee in der Uckermark. Gern zeichnete er den Alltag mit Standesamt, Kneipe und Haustieren, aber auch absurde Ideen oder blödsinnige Wendungen. Typisch für ihn sind die Figuren – mit Gurken- oder dicken Stupsnasen, Augenringen. Charakteristische Typen, die seit den 70ern die Neue Berliner Illustrierte, den Eulenspiegel oder Die Trommel bevölkerten. Für die Pionierzeitung Die Trommel mit einer Auflage von 1,2 Millionen Exemplaren entwickelte er altersgerechte Cartoons, Suchbilder und Rätsel. Ein Aspekt, der in der Ausstellung besonders berücksichtigt wird, nicht zuletzt, weil sich gleich mehrere Generationen an seinen Bildern erfreuten. Auch nach 1989 blieb ihm das Publikum treu.
Die umfangreiche Werkschau Jankofskys präsentiert das Greizer Sommerpalais gemeinsam mit der Cartoonlobbystiftung in Königs Wusterhausen, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Erbe bedeutender Karikaturisten zu sichern und der Öffentlichkeit zu präsentieren. Mit seiner langjährigen Tradition als Standort der Karikaturkunst ist Greiz ein idealer Partner.
→ Sonderausstellungen im Sommerpalais Greiz: »Manfred Sondermann« & »Harald Kretzschmar«, beide bis 28. Juni 2026
→ Außerdem zu sehen: Heinz Jankofsky: »Jankofsky. Einer von uns«, bis 1. November 2026
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