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Spanischer Krieg

In Bewegung

Der Zeichner Giandante X unterstützte als Anarchist die Volksfront und die Internationalen Brigaden. Ein Bildband dokumentiert seine Arbeiten

Foto: Giandante/KHARBINE-TAPABOR/IMAGO
»Alle vereint gegen den internationalen Faschismus« – Postkarte mit Illustration von Giandante X

Es ist gewiss ungewöhnlich, dass der Maler und Zeichner Dante Pescò (1899–1984), der sich gleich zu Beginn des Spanischen Bürgerkriegs der anarchistischen Columna »Guistizia e libertà« angeschlossen hatte, ab Anfang 1938 Zeichnungen und Illustrationen für Flugblätter der Volksfront sowie die Zeitung der Internationalen Brigaden, Voluntario de la libertad, lieferte. Es passt aber in eine politischen Biographie, in deren Mittelpunkt von Anfang an der Kampf gegen den Faschismus stand. Geboren als Sohn eines Mailänder Industriellen studierte Pescò Architektur, widmete sich aber bald der Kunst. Früh brach er mit seiner Familie und legte seinen bürgerlichen Namen ab. Seinen Vornamen erweiterte er (in Giandante schwingt der »Wanderer«, ital. viandante, mit), den Nachnamen ersetzte er durch das unpersönliche »X«. Bald zeichnete er für die sozialistische Tageszeitung Avanti und die kommunistische L’Unita, schloss sich den Arditi del Popolo an, die gegen den Faschismus kämpften, und ging zeitweise in den Untergrund.

Anfang 1923 wurde Pescò verhaftet. Im Gefängnis lernte er Luigi Longo kennen. Eine entscheidende Begegnung, denn der Kommunist Longo stieg später als Funktionär der Komintern zum Generalinspekteur der Internationalen Brigaden auf. In deren Reihen, in deren 134. Brigada Mixta, kämpfte auch Pescò, zuvor war er Mitglied der »Giustizia e Libertà«. Es war Longo, der seinen vormaligen Haftgenossen Ende 1937 aufforderte, seine grafischen Fähigkeiten in den Dienst der Propaganda der Internationalen Brigaden zu stellen. Und so illustrierte Pescò bis zum Abzug der Brigaden im Oktober 1938 zahlreiche Flugblätter (sowohl für den internen Gebrauch gedachte als auch solche, die sich an deutsche und italienische Soldaten richteten, die die Franquisten unterstützten) und lieferte Zeichnungen für Voluntario de la libertad, die in mehreren Sprachen erschien.

Auf einem der Flugblätter stapft ein Affe über den Globus. Auf der Brust prangt ein großes Hakenkreuz. Das Gesicht unter dem Helm zeigt den Totenkopf. Von den Klauen tropft Blut. Auf dem linken Arm trägt er das Zeichen der falangistischen Fahne, fünf gekreuzte Pfeile, auf dem rechten eine der Säulen des Herakles, die seit dem 16. Jahrhundert Teil des spanischen Wappens sind. Es ist die Verkörperung des Faschismus. Auffällig ist die Übereinstimmung mit einem anderen linken zeitgenössischen Grafiker, dessen Werke dem heutigen Publikum weitaus geläufiger sind als die von Giandante X: John Heartfield, der 1943 im englischen Exil die Fotomontage »Und sie bewegt sich doch!« für den Band »Freie Deutsche Dichtung« schuf. Sie zeigt Adolf Hitler mit Stahlhelm und Hörnern auf der Weltkugel hockend. In der rechten Hand hält er ein gezücktes Schwert, in der linken, leicht verdeckt, ein totes Tier, vielleicht eine Ratte. Die Zeichnung des politischen Gegners als blutrünstiges, affenartiges Tier ist keineswegs neu. Schon während des Ersten Weltkriegs stellte etwa die US-Armee die Deutschen so dar.

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Im Vergleich zu Heartfield ist Giandante X einfacher und weniger komplex. Bei Heartfield ist das Bild direkt auf das berühmte Zitat Galileo Galileis bezogen, der Text stellt die vermeintliche Macht des faschistischen Monsters in Frage. Bei Giandante X hingegen hat das Bild keinen direkten inhaltlichen Bezug zu dem Text, mit dem zusammen es als Flugblatt erschienen ist. Das ist bei vielen der Zeichnungen, die auf Flugblättern gedruckt wurden, anders. Sie zeigen meist Soldaten im Kampf, im Angriff und in der Verteidigung, beim Abschuss von Flugzeugen.

Der Stil von Giandante X ist wuchtig, in vielem erinnert er an die Expressionisten, wobei keine Physiognomien zu erkennen sind. Obschon die oft vorwärtsschreitenden Soldaten Dynamik vermitteln, scheint ihnen nichts individuell Heldisches zu eigen.

Der von dem Historiker Werner Abel, einem der besten Kenner des Spanischen Kriegs und der Geschichte der Interbrigaden, herausgegebene Band »Giandante X. Sich vereinigen heißt siegen« versammelt sämtliche bekannten Illustrationen von Giandante X, der auch später in den französischen Internierungslagern Gurs, Saint-Cyprien und Le Vernet noch für Flugblätter zeichnete, und gibt so einen Überblick über dessen Schaffen im Dienst der Internationalen Brigaden.

→ Werner Abel: Giandante X. Sich vereinigen heißt siegen. Grafiken aus dem Spanischen Krieg. Verlag Edition AV, Bodenburg 2026, 160 Seiten, 24,50 Euro

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Erschienen in der Ausgabe vom 07.08.2026, Seite 10, Feuilleton

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