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Tiere im Rausch

Flotte Lachse

Eine Studie zeigt den Einfluss von Koksrückständen auf Fische

Foto: IMAGO/Arnulf Hettrich

Wer in Tübingen lebt, verfügt ausweislich zahlreicher Umfragen über eine ziemlich hohe Lebensqualität. Ob das für alle Einwohnerinnen und Einwohner der kleinen Universitätsstadt am Fuß der Schwäbischen Alb gilt, mag zwar angesichts der horrenden Lebenshaltungskosten, insbesondere der Mietpreise, stark in Zweifel gezogen werden. Es gilt aber mindestens für die Nutzung der Gewässer, denn deren Wasserqualität ist tiptop. Der Grund: In Tübingen werden wie in zahlreichen anderen Gemeinden in Baden-Württemberg Abwässer nicht nur dreimal, sondern viermal gereinigt. In der vierten Reinigungsstufe, über deren verbindliche Umsetzung im Rahmen der Kommunalen Abwasserrichtlinie in der EU seit langem gestritten wird (wen wundert’s, sieht die Richtlinie doch vor, dass die Industrie an den Kosten zu beteiligen ist), werden Rückstände von Medikamenten, Pestiziden und Kosmetika sowie Kunststoffzusätze (die sogenannten Weichmacher) und Ewigkeitschemikalien aus dem Wasser gefiltert. Davon profitiert nicht nur der Mensch, sondern auch die Tiere – und damit am Ende, Stichwort: Nahrungskette, natürlich auch wieder der Mensch.

Das drastischste Beispiel für die negativen Auswirkungen von unzureichend geklärtem Wasser sind sicherlich die Hormone der Antibabypille, die über den Urin ins Wasser gelangen und zu einer Verweiblichung der Fischbestände führen, was langfristig zu sinkenden Populationen führt. Nun haben Wissenschaftler der Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften in Uppsala untersucht, wie sich die Rückstände von Kokain und dessen Abbauprodukt Benzoylecgonin auf den Atlantischen Lachs, der jedes Jahr im Herbst zur Ablegung seiner Eier die Flüsse hinaufzieht, auswirken. Das Ergebnis der Studie ist wenig überraschend: Im Drogenrausch schwimmen die Fische weiter, im Schnitt legten die Benzoylecgonin-Lachse sogar eine 1,9fach weitere Strecke zurück als ihre nüchternen Artgenossinnen. Welche konkreten Auswirkungen das hat, gilt es nun weiter zu untersuchen. Für den Menschen haben solche Rückstände, auch wenn sich die Werte in den vergangenen Jahren wie in Berlin teilweise verdoppelt haben, keine Folgen, dazu sind die Konzentrationen zu gering.

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Im beschaulichen Neckar in Tübingen übrigens sollte man trotz der vierten Klärstufe nicht schwimmen. Erst jüngst wurden Larven des Saugwurms und Fäkalkeime darin nachgewiesen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 21.07.2026, Seite 15, Natur & Wissenschaft

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