Gegründet 1947 Sa. / So., 03. / 4. Januar 2026, Nr. 2
Die junge Welt wird von 3063 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 19.11.2025, Seite 15 / Antifaschismus
Spanischer Faschismus

In Francos Schatten

50. Todestag von Spaniens Diktator: Regierung bürgert Nachfahren von Interbrigadisten ein. Zahlreiche faschistische »Gedenkveranstaltungen«
Von Carmela Negrete
15.jpg
Aufmarsch der faschistischen Gruppe »Núcleo Nacional« am 8. November in Spaniens Hauptstadt Madrid

Zum 50. Todestag des spanischen Diktators Francisco Franco, der an diesem Donnerstag begangen wird, sind aus Spanien widersprüchliche Signale zu vernehmen. Kaum zufällig hat die spanische Regierung am 4. November im Vorfeld des Jahrestags insgesamt 171 Nachkommen ehemaliger Angehöriger der Internationalen Brigaden eingebürgert. Sie hatten die spanische Staatsbürgerschaft beantragt und erhielten sie nun per Dekret: 54 Kinder und 117 Enkelkinder von Interbrigadisten.

Damit setzt die Regierung das »Gesetz über das demokratische Gedächtnis« von 2022 um, das diese Maßnahme ausdrücklich vorsieht. Mit der Einbürgerung sollen jene »Männer und Frauen geehrt werden, die freiwillig nach Spanien kamen, um die republikanische Legalität gegen den Militärputsch von 1936 zu verteidigen«. Die Internationalen Brigaden hätten, so heißt es in der Begründung, »die Werte von Freiheit, Gleichheit und Solidarität« verkörpert. Die Entscheidung habe »eine bedeutende symbolische Tragweite in einem globalen Kontext, der von Revisionismus und der Delegitimierung demokratischer Werte geprägt ist«.

Unter den neu Eingebürgerten finden sich Staatsangehörige aus Kuba, den USA, Polen, dem Vereinigten Königreich, Australien, Italien und Frankreich. Auch drei Personen aus Deutschland sind darunter: Fritz Mergen, Rosita Mergen und André Egon Hermann Janka vom Verein »Kämpfer und Freunde der spanischen Republik 1936–1939«, der das Andenken an die rund 5.000 deutschen Interbrigadisten wachhält – von denen etwa 3.000 in Spanien ihr Leben verloren.

Am vergangenen Donnerstag hat das spanische Parlament zudem eine Reform des Vereinsrechts beschlossen. Künftig sollen Aktivitäten verboten werden, die den Franquismus rechtfertigen oder glorifizieren. Damit dürfte unter anderem die »Francisco-Franco-Stiftung« vor der Schließung stehen. Der Verein verherrlicht den Diktator offen und verwahrt rund 30.000 eigentlich staatliche Dokumente – darunter Briefe und geheime Regierungsberichte.

Künftig soll die Huldigung der Diktatur als Demütigung der Opfer sowie als »direkte oder indirekte Anstiftung zu Hass oder Gewalt« gelten. Gegen die Gesetzesänderung stimmten erneut die konservative Volkspartei (PP), der CDU-Partner in Spanien, sowie die extrem rechte Vox.

Auch in der Justiz bewegt sich erstmals etwas in Richtung Aufarbeitung. Zum ersten Mal sollen zwei Verantwortliche franquistischer Verbrechen vor Gericht aussagen – darunter der ehemalige Innenminister und berüchtigte Folterer Rodolfo Martín Villa. Die Opferverbände bleiben jedoch vorsichtig. Die von konservativen Kräften dominierte Justiz hat bislang nahezu alle Anzeigen eingestellt – unter Berufung auf angebliche Verjährung, die bei Verbrechen gegen die Menschheit nicht möglich ist, oder mit Verweis auf das Amnestiegesetz von 1977.

Gleichzeitig finden weiterhin faschistische Veranstaltungen statt, die nach dem neuen Gesetz nicht mehr zulässig wären. Am 8. November marschierten laut Polizei rund 700 Faschisten mit »Heil Hitler«-Rufen durch Madrid. Sie sangen die Franco-Hymne »Cara al Sol« und huldigten dem Falangistenführer José Antonio Primo de Rivera. Gefordert wurde das gesamte rechte Repertoire – von »Remigration« bis zu »White Lives Matter«. Die Demonstration ist nur eine von mehreren Manifestationen der letzten Zeit, auf denen überwiegend junge Faschisten ungehindert Hass und illegale Inhalte verbreiteten. Die Regionalregierung Madrids steht unter Kontrolle des PP, doch auch die Zentralregierung scheint nur begrenzt gegen diese Entwicklungen vorzugehen.

In dieser Woche ist das Programm der franquistischen »Gedenkveranstaltungen« besonders dicht. Teile der katholischen Kirche beteiligen sich aktiv und feiern unter anderem in Cuelgamuros – der früheren »Valle de los Caídos« – eine Messe. Dort hatte Franco durch Zwangsarbeiter ein monumentales Mausoleum und das größte Kreuz Europas errichten lassen. Auch an anderen Orten werden, wie jedes Jahr, Gottesdienste abgehalten, um dem Diktator zu huldigen. Zudem ist eine Kranzniederlegung in Mingorrubio geplant, dem neuen Bestattungsort Francos, der sich mittlerweile zu einem ganzjährigen Wallfahrtsort für Neonazis entwickelt hat.

Friedenspropaganda statt Kriegsspielzeug

Mit dem Winteraktionsabo bieten wir denen ein Einstiegsangebot, die genug haben von der Kriegspropaganda der Mainstreammedien und auf der Suche nach anderen Analysen und Hintergründen sind. Es eignet sich, um sich mit unserer marxistisch-orientierten Blattlinie vertraut zu machen und sich von der Qualität unserer journalistischen Arbeit zu überzeugen. Und mit einem Preis von 25 Euro ist es das ideale Präsent, um liebe Menschen im Umfeld mit 30 Tagen Friedenspropaganda zu beschenken.

links & bündig gegen rechte Bünde

Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.

  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Harald W. (23. November 2025 um 16:53 Uhr)
    Deutsche Interbrigadisten in Spanien: Wer sich mit der Aufarbeitung des Franquismus und der Berichterstattung darüber in der spanischen Presse beschäftigt, der wird den sehr informativen Artikel Carmela Negretes »In Francos Schatten« über den zunehmenden Franco-Kult und das vermehrte Auftreten rechtsextremer Gruppen in Spanien zustimmend zur Kenntnis nehmen. Als Verein »Kämpfer und Freunde der Spanischen Republik 1936-1939« (KFSR) freuen wir uns natürlich, dass Carmela über uns schreibt, dass wir vor allem das Andenken an die Interbrigadisten hochhalten. Allerdings gab es nicht, wie bei ihr zu lesen ist, 5000 deutsche Interbrigadisten, von denen 3000 gefallen wären. Die Zahl 5000, die auch in anderen Veröffentlichungen genannt wird, kam wohl dadurch zustande, dass ab 1937 die Interbrigadisten in der Kaderabteilung der Base Albacete in so genannten »Sprachengruppen« zusammengefasst wurden. Zur »deutschen Sprachengruppe« gehörten neben den Deutschen (2212 nach Marty bzw. 2318 nach Gustav Szinda), den Österreichern (868), Skandinaviern (793), Niederländern (613) die Schweizer (408). Zusammen kommt die »deutsche Sprachengruppe« also auf 4894 bzw. 5000 Personen. Diese Zahlen nannte André Marty, der als Hauptverantwortlicher der Komintern die Internationalen Brigaden mitorganisiert hatte, auf der Sitzung des Präsidiums des Exekutivkomitees der Komintern (EKKI) am 26.8.1939. Gustav Szinda, der im Auftrag des EKKI und der KP Spaniens 1940 in Moskau eine exakte Analyse der deutschen Spanienkämpfer versuchte, gab an, dass von den Deutschen ca. 1100 verwundet wurden, gefallen oder vermisst oder in Gefangenschaft geraten waren. Eine verlässliche Zahl nur der Gefallenen wird in den Komintern-Dokumenten nirgends erwähnt. Für den KFSR: Harald Wittstock, Vorsitzender Dr. Werner Abel

Ähnliche:

  • Der Sowjetunion und dem Internationalismus verbunden. Palmiro To...
    18.10.2024

    Deckname »Ercoli«

    Organisator der Weltrevolution. Zu Palmiro Togliattis Arbeit in der Kommunistischen Internationale

Regio:

Mehr aus: Antifaschismus