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Unwürdiges Rentenschauspiel
Frei sieht keinen Spielraum für Nachbesserungen. Sieben Ministerpräsidenten gegen die Kürzungspläne
Führende CDU-Politiker bemühen sich nach Kräften, die Debatte über die Abschaffung der sogenannten Rente mit 63 abzuwürgen. So erklärte der neue Unionsfraktionschef Thorsten Frei (CDU) am Montag gegenüber dem Sender Welt TV kategorisch, er sehe keinen Spielraum für Nachbesserungen am Rentenpaket. Gegenüber dem Nachrichtenportal Table Briefings fügte Frei hinzu, die Regierung habe sich darauf geeinigt, dass die Vorschläge der Rentenkommission »vollständig umgesetzt werden«. Diese Zusage werde die »schwarz-rote« Koalition einhalten. Auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) warnte gegenüber Welt davor, das Rentenpaket »noch einmal aufzuschnüren«.
Besonders erfolgreich sind die Bemühungen, die Diskussion zu beenden, allerdings nicht. Immer mehr Politiker aus Union und SPD sprechen sich gegen die von der Rentenkommission vorgeschlagene Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren aus, so sieben der 16 Ministerpräsidenten. Zu den fünf ostdeutschen Regierungschefs Manuela Schwesig (SPD/Mecklenburg-Vorpommern), Michael Kretschmer (CDU/Sachsen), Mario Voigt (CDU/Thüringen), Sven Schulze (CDU/Sachsen-Anhalt) und Dietmar Woidke (SPD/Brandenburg) haben sich zwei aus dem Westen gesellt: Saarlands Regierungschefin Anke Rehlinger sowie Bremens Regierungschef Andreas Bovenschulte (beide SPD).
»Wer jahrzehntelang gearbeitet hat, darf im Alter nicht dafür bestraft werden, dass er in den 90er Jahren für deutlich niedrigere Löhne gearbeitet oder Phasen der Arbeitslosigkeit durchstehen musste«, betonte Kretschmer am Dienstag in Dresden sowie auf der Plattform X. Auch könne nicht ignoriert werden, dass es um bis zu fünf Millionen Rentenbezieher gehe, denen monatlich im Durchschnitt von 1.300 bis 1.500 Euro zur Verfügung stünden, während Pflegeheime Zusatzbeiträge von mindestens 3.000 Euro verlangen würden.
Zuvor hatte Rehlinger am Montag abend im ZDF den Kommissionsvorschlägen hinsichtlich der »Rente mit 63« eine »große Ungerechtigkeit« konstatiert. Sie halte es für einen normalen Vorgang, im parlamentarischen Verfahren noch etwas zu ändern. Schulze äußerte sich am selben Abend bei einem Termin in Dessau-Roßlau ähnlich. Die Kritik richte sich nicht gegen die Vorschläge im Ganzen. Es sei aber notwendig und müsse erlaubt sein, auf die speziellen ostdeutschen Belange hinzuweisen. Schwesig sprach sich am Montag gegenüber Welt TV gegen Vorschläge aus, die »Rente mit 63« durch eine Härtefallregelung für bestimmte Berufe zu ersetzen. Das reiche ihr nicht.
Jochen Ott, SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2027 in Nordrhein-Westfalen, schloss sich den sieben Ministerpräsidenten an. »Wer mit 15 Jahren angefangen hat zu arbeiten und jahrzehntelang Beiträge gezahlt hat, muss auch künftig die Möglichkeit haben, ohne Abschläge in Rente zu gehen«, sagte er dem Tagesspiegel. Das sei kein Privileg, sondern Ausdruck der Anerkennung für ein langes Arbeitsleben. Ähnlich äußerte sich Raed Saleh, SPD-Fraktionschef im Berliner Abgeordnetenhaus. Wer mit 16 eine Ausbildung beginne und sein Leben lang körperlich arbeite, könne nicht genauso behandelt werden wie jemand, der viel später ins Berufsleben einsteigt – »das ist lebensfremd und respektlos«, erklärte Saleh gegenüber dem Portal T-online.
»Was Union und SPD da treiben, ist ein ziemlich unwürdiges Schauspiel auf dem Rücken von Rentner:innen und Beschäftigten«, ließ Sarah Vollath, rentenpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Bundestag, am Dienstag mitteilen. Die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren werde zu einem »Spielball im Wahlkampf« gemacht. Linke-Kofraktionschef Sören Pellmann hält die Kritik der Ministerpräsidenten für »berechtigt« und verwies am Vortag gegenüber AFP auf die in Ostdeutschland niedrigeren Einkommen und Renten. »Daher lehnen wir eine Kürzung der Rentenpunkte für pflegende Angehörige, private oder ehrenamtliche Helfer und Helferinnen ab«, erklärte Pellmann. Schon jetzt würden die Kosten der Pflege viele Menschen in die Armut treiben. Die Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Katrin Staffler (CSU), pflichtete der Kritik bei. »Persönlich bin ich entschlossen, dass wir am Ende eine Kürzung der Rentenpunkte für pflegende Angehörige vermeiden können«, sagte Staffler gegenüber Tagesspiegel Background.
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Onlineabonnent*in Roland W. aus A. 5. Aug. 2026 um 09:56 UhrEs ist nichts anderes als eine hochgradige Volksverarsche, was um eine Rente mit 63 veranstaltet wird, die längst keine mehr ist und nur für wenige eine kurzzeitige Alternative war. Dato liegen wir mit verlogener Rente mit 63 bereits bei knapp 65 Jahren nach oben ohnehin offen. Warum wehren sich selbst MP vieler Länder gegen die Abschaffung einer abschlagsfreien Rente nach 45 Arbeitsjahren? Zu vermuten und anzunehmen ist; die Menschen selbst interessieren sie weniger und nicht mehr als es der Verband der sogenannten Arbeitgeber tut. Es kann damit gerechnet werden, viele der Menschen, die nach 45 Arbeitsjahren so oder so aus dem Arbeits- bzw. Menschenmarkt herausfallen, nicht mehr gebraucht werden, fürs Kapital wertlos sind, die fallen in die Sozialsysteme, werden den Kommunen zum Problem, dazu wachsende Arbeitslosigkeit usw. Zur ganzen Massenvolksverblödung dann auch noch von Demografie zu faseln, dümmer geht ’nimmer. Was tun Staat und Wirtschaft für Kinder, Familien, für Demografie, damit der Lebensbaum wieder gesundes Wachstum zeigt? Nichts! Im Gegenteil. Längere Arbeitszeiten sollen die Lösung sein. Für wen und wessen Profite? Längere Arbeits- und Lebensarbeitszeiten schaffen keinen Arbeitsplatz, machen jeden aber profitabler und schaffen für verschlissene Arbeitskraft nach 45 Jahren kaum menschenwürdige Arbeit. Über das redet Politik nicht. Weiß sie nichts oder geht es nur noch um Volksverdummung im Interesse des Kapitals? Dummes Volk lässt sich gut regieren, wussten schon unsere Vordenker. Roland Winkler
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