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Auf dem Trockenen

Warum sind Moorbrände so gefährlich?

Glutnester können unter der Oberfläche fortbestehen. Die Moore müssen wiedervernässt werden, erklärt Tilmann Disselhoff

Foto: Christoph Reichwein/dpa
Am Donnerstag brannte es noch immer im Hohen Venn in Belgien

Der Brand im Hohen Venn, einem Hochmoor an der belgisch-deutschen Grenze nahe Aachen, hat zuletzt ganze Ortschaften bedroht. Warum ist ein Moorbrand so gefährlich und schwer zu kontrollieren?

Brände in ausgetrockneten Mooren sind besonders schwer zu bekämpfen, weil das Feuer nicht nur oberirdisch brennt, sondern als Schwelbrand im Torf unter der Erde weiterglimmen kann. Selbst wenn an der Oberfläche keine Flammen mehr zu sehen sind, können Glutnester weiterbestehen und an anderer Stelle wieder an die Oberfläche treten. Das erschwert die Lokalisierung und Löschung erheblich.

Das Hohe Venn ist über Jahrhunderte vom Menschen großflächig entwässert worden. Wie muss man sich das vorstellen?

Das Moor wurde über lange Zeit vielfältig genutzt. Torf wurde als Brennstoff gestochen, Flächen wurden beweidet und gemäht. Durch Entwässerungsgräben wurde Wasser abgeleitet, um Flächen besser bewirtschaften zu können. Später wurden auch forstwirtschaftliche Nutzungen ermöglicht. Die Entwässerung war aus damaliger Sicht eine große technische und wirtschaftliche Leistung. Heute sehen wir aber die Kehrseite. Moore verlieren ihre Fähigkeit, Wasser zu speichern. Gleichzeitig wird der im Torf gebundene Kohlenstoff bei der Entwässerung und dem Kontakt mit Sauerstoff abgebaut und als CO₂ freigesetzt. Moore werden dadurch von natürlichen Kohlenstoffspeichern zu erheblichen Treibhausgasquellen. Zudem werden sie anfälliger für Trockenheit und Feuer.

Trockengelegte Moore lieferten jahrhundertelang Torf, vor allem für die Industrialisierung. Wird heute in Deutschland noch Torf abgebaut?

Ja. Torf wird in Deutschland weiterhin abgebaut, insbesondere in Niedersachsen. Der weitaus größte Teil des hier verwendeten Torfs wird importiert. Wir als Naturschutzbund, Nabu, setzen uns für einen vollständigen Ausstieg aus Torfabbau und Torfnutzung ein.

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Der Nabu hat angesichts des Brandes im Hohen Venn davor gewarnt, Moorschutz allein als Klimaschutzthema zu betrachten. Was meinen Sie damit?

Moore sind nicht nur Kohlenstoffspeicher. Seit rund 150 Jahren haben wir Wasser aus Äckern und Wiesen möglichst schnell abgeleitet. Heute brauchen wir Landschaften, die Niederschläge wie ein Schwamm aufnehmen und Wasser in Dürreperioden wieder abgeben können. Intakte Moore sind dafür unverzichtbar. Sie speichern Wasser, stabilisieren den Landschaftswasserhaushalt und sind als nasse Lebensräume deutlich weniger brandgefährdet. Moorschutz ist deshalb zugleich Klimaschutz-, Naturschutz- und Klimaanpassungspolitik. Gerade angesichts von Hitze, Dürre und Niedrigwasser müssen wir das deutlich stärker berücksichtigen.

Ihr Verband weist auch darauf hin, wie wichtig die Wiedervernässung von Mooren ist. Ist das Tempo bei diesem Thema zu gering?

Es gibt viele Projekte, aber gemessen an der Größe der Aufgabe geht die Wiederherstellung noch zu langsam voran. Wir brauchen deutlich mehr Tempo, Planungssicherheit und dauerhaft finanzierte Programme. Das gilt um so mehr, weil Wiedervernässung Zeit braucht. Flächen müssen geplant, Wasserstände verändert und neue Nutzungsformen entwickelt werden.

Ist es die Landwirtschaft, die hier bremst?

Die Landwirtschaft ist nicht der Gegner des Moorschutzes. Im Gegenteil: Die Entwässerung hat die landwirtschaftliche Nutzung von Moorböden überhaupt erst ermöglicht. Eine Wiedervernässung kann heute aber bedeuten, dass Betriebe ihr Geschäftsmodell verändern müssen. Deshalb brauchen Landwirtinnen und Landwirte verlässliche Perspektiven und eine angemessene Honorierung ihrer Leistungen für Klima, Wasserhaushalt und Biodiversität. Wir brauchen attraktive Förderprogramme, neue Wertschöpfungsketten und Nutzungsmöglichkeiten auf nassen Mooren, etwa sogenannte Paludikultur.

Der Nabu dringt auf eine Umsetzung der Wiederherstellungsverordnung, das ist ein vor gut zwei Jahren verabschiedetes EU‑Gesetz. Was besagt es?

Die EU-Wiederherstellungsverordnung ist ein wichtiger Schritt, weil sie erstmals einen verbindlichen europäischen Rahmen dafür schafft, geschädigte Ökosysteme wiederherzustellen und ihre Funktionen langfristig zu sichern. Es geht also nicht nur darum, Natur zu schützen, die noch intakt ist, sondern darum, verlorene Funktionen zurückzugewinnen, etwa die Fähigkeit von Mooren, Wasser zu speichern, oder von Auen, Hochwasser zurückzuhalten. Gerade angesichts von Klimakrise, Dürre, Hitze und Extremhochwasser ist das auch eine zentrale Aufgabe der Klimaanpassung.

Für landwirtschaftlich genutzte, entwässerte Moorflächen gelten konkrete Ziele. Bis 2030 sollen Maßnahmen auf mindestens 30 Prozent dieser Flächen umgesetzt werden, davon mindestens ein Viertel als Wiedervernässung; bis 2040 steigen die Ziele auf 40 Prozent und bis 2050 auf 50 Prozent. Die Wiedervernässung einzelner landwirtschaftlicher Flächen bleibt für Landwirte und private Eigentümer freiwillig. Die Mitgliedstaaten müssen aber die Voraussetzungen und Anreize schaffen, damit die Ziele erreicht werden.

Tilmann Disselhoff ist Teamleiter Ecosystem Restoration, Leiter des Nabu-Klimafonds sowie Präsident von Eurosite

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Erschienen in der Ausgabe vom 22.08.2026, Seite 2, Inland

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