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Palästina

Bauen auf besetztem Land

Israels Immobilienkonzerne profitieren vom Krieg – und beschleunigen die Vertreibung von Palästinensern

Foto: Nedal Eshtayah/Anadolu Agency/IMAGO
Machwerk israelischer Besatzer: Zerstörung von Wohnraum in der Westbank (Jenin, 27.7.2026)

Charakteristisch für siedlerkolonialistische Staaten ist die Expansion. Und damit geht die Schaffung von neuem Wohnraum einher. »Jenseits des Ozeans ein Haus zu kaufen, ist ein wunderschöner Traum. Doch ein solcher Kauf aus der Ferne erfordert vor allem eines: absolutes Vertrauen«, steht in einem Werbeschreiben einer israelischen Immobilien- und Baufirma, das die Onlinezeitung Times of Israel jüngst über ihren Presseverteiler verschickt hatte. »Seit mehr als 55 Jahren zählt Peretz Bonei Hanegev zu den ältesten, größten und finanziell solidesten Bauunternehmen Israels«, heißt es beim Familienunternehmen, das verstärkt die Übersiedlung nach Israel, besonders von Familien aus Nordamerika, im Fokus hat. Diesen finanzkräftigen Käufern aus dem Ausland biete man »außergewöhnliche Stabilität, erstklassige Ingenieursarbeit und eine umfassende Betreuung auf englisch«. Genannt werden Immobilien in schnell wachsenden Orten wie Beer Scheva und Raanana oder Aschdod und Ashkelon (»mit Blick auf das Mittelmeer aufwachen«). Auch Träume, »im ewigen Herzen Jerusalems zu leben«, erfüllt der »Baugigant«, so die Eigenbezeichnung, gerne.

In einem 24stöckigen Hochhausprojekt in Jerusalem könne man, so heißt es auf der Website des Unternehmens, »einen freien, ursprünglichen und atemberaubenden Blick auf das Judäische Bergland« genießen; das auf arabisch auch als Hügel Hebrons bezeichnete Mittelgebirge liegt mehrheitlich im besetzten Palästina. Peretz Bonei Hanegev ist aktuell zwar überwiegend an Projekten in Kernisrael beteiligt, doch listet die in Israel ansässige NGO Who Profits, die privatwirtschaftliche Profiteure der israelischen Besatzung dokumentiert und analysiert, eine Reihe prominenter Bauprojekte der Firma im völkerrechtswidrig besetzten Palästina. Darunter befinden sich Neubauten in illegalen israelischen Siedlungen in Ostjerusalem, im Westjordanland und ein Hotelbau in der orthodoxen Siedlung Neve Dekalim in den 1980er Jahren im Gazastreifen. Mit einem Jahresumsatz von rund 400 Millionen Schekel im Jahr 2025 (etwas über 100 Millionen Euro) liegt Peretz Bonei Hanegev im Mittelfeld der israelischen Bauunternehmen. Laut dem israelischen Unternehmensranking Dun’s 100 hatten 140 israelische Baufirmen einen Jahresumsatz von je über 100 Millionen Schekel, wobei allein die Top ten einen addierten Umsatz von mehr als 43 Milliarden Schekel (elf Milliarden Euro) einfuhren.

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Während die israelische Volkswirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten jährlich im unteren einstelligen Prozentbereich wuchs, legte der Bausektor überproportional stark zu und wuchs 2025 um 13 Prozent. Insbesondere in Jerusalem gehen israelische Bauprojekte dabei oft mit der Zerstörung palästinensischer Häuser und der Vertreibung ihrer Bewohner einher. Ein spektakuläres Beispiel ist im Viertel Al-Bustan nahe der historischen Altstadt der seit Jahren geplante King’s Garden, ein biblisch inszenierter Archäologie- und Tourismuspark. Für den spirituellen Freizeitspaß für Jung und Alt werden auf einer Fläche von viereinhalb Hektar im großen Stil palästinensische Wohnhäuser abgerissen. Laut der israelischen NGO Ir Amim droht 115 Häusern der Abriss, was mehr als 2.000 Menschen vorsätzlich in die Obdachlosigkeit treiben würde. Dutzende Häuser wurden bereits zerstört.

Seit Beginn des Völkermords in Gaza vor knapp drei Jahren explodiert der illegale Bauboom auch im besetzten Westjordanland. 2023 bis 2025 genehmigte die ultrarechte Netanjahu-Regierung 68 neue Siedlungen, die nach Völkerrecht illegal sind, allein 54 davon im vergangenen Jahr, so die Zahlen der israelischen NGO Peace Now. In einem Rechtsgutachten vom Juli 2024 erklärte der Internationale Gerichtshof Israels fortdauernde Präsenz in den besetzten palästinensischen Gebieten für rechtswidrig und verpflichtete Israel, den Siedlungsbau einzustellen und sämtliche Siedlungen zu räumen. Im selben Zeitraum gründeten faschistische Siedler 180 sogenannte Außenposten, die selbst nach israelischem Recht illegal sind, aber im nachhinein von den Verbündeten der Siedlerbewegung in der Regierung oft »legalisiert« werden. Im Westjordanland und in Ostjerusalem wurde 2025 der Bau von 63.311 Wohneinheiten vorangetrieben – der höchste je verzeichnete Jahreswert.

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Erschienen in der Ausgabe vom 04.08.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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