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Preisspirale im Nahverkehr
Mitteldeutscher Verkehrsbund erhöht Tarife für Bus und Bahn – periodisch zum August. Linke fordert ÖPNV als Daseinsvorsorge
Das wäre doch was: Freifahrt für alle. Nulltarif, jetzt. Das Null-Euro-Ticket ist da. Endlich. Doch vielerorts werden die Fahrkartenpreise für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) erhöht – teils drastisch und periodisch. Etwa beim Mitteldeutschen Verkehrsverbund (MDV).
Fahrgäste innerhalb des MDV müssen ab Sonnabend zum Augustanfang mehr fürs Straßenbahn-, Bus- und Zugfahren blechen. In der Stadt Leipzig steigen die Preise um fünf Prozent, in Halle (Saale) um 3,2 Prozent. In den Landkreisen Altenburger Land in Thüringen, im Burgenlandkreis und Saalekreis in Sachsen-Anhalt sogar um 5,6 Prozent. Ein Einzelticket in Leipzig kostet künftig 3,80 Euro, in Halle (Saale) 3,50 Euro.
Den Preisaufschlag hatte der MDV bereits Ende März verkündet. Der Mischverbund regionaler Aufgabenträger und Verkehrsunternehmen begründet höhere Ticketpreise mit steigenden Betriebskosten. »Die Mehraufwendungen werden durch das gedeckelte Ausgleichsbudget von Bund und Ländern nicht vollständig abgegolten«, heißt es seitens des MDV. Erheblich gestiegene Kraftstoffpreise, tariflich vereinbarte Lohnsteigerungen und Kostensteigerungen bei Industriepartnern und Dienstleistern ließen sich nicht mehr bewältigen. Die »Preisanpassung« soll hier entgegenwirken, »um das bestehende Nahverkehrsangebot langfristig stabil zu sichern und Investitionen in Fahrzeuge, Infrastruktur und Vertrieb für unsere Kundinnen und Kunden tätigen zu können.«
Zudem will der MDV das Tarifsortiment »straffen«. Einige Tarifprodukte hätten wegen des Deutschlandtickets »deutlich an Marktrelevanz« verloren und verursachten unnötige Kosten in der Vertriebslandschaft. Beispielsweise entfiel schon vergangenen August das Sparticket »Abo Azubi Plus«, die Vier-Fahrten-Karte in den Landkreisen und die 9-Uhr-Monatskarte in Halle (Saale) folgen ab 1. des nächsten Monats.
Örtliche ÖPNV-Nutzer würden das Spiel längst kennen, weiß Franziska Riekewald (Die Linke). »In jedem Sommer erhöhen sich die Preise für Busse und Straßenbahnen«, wurde die Vorsitzende ihrer Leipziger Stadtratsfraktion und Sprecherin für Mobilität am Dienstag in einer Mitteilung zitiert. Teuerungswelle, Wirtschaftskrise – viele Menschen seien bereits an ihrer finanziellen Belastungsgrenze. Und nun kämen noch höhere Ticketpreise hinzu.
Wer sich Tram, Bus und Bahn nicht mehr leisten könne, verliere wichtige Teilhabemöglichkeiten – und werde zunehmend aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Ein Unding. Riekewald: »Nachhaltiger und bezahlbarer ÖPNV ist Daseinsfürsorge.«
Ähnlich argumentiert der Linke-Stadtverband in Halle (Saale). Die Preisspirale im Nahverkehr müsse gestoppt werden. Es braucht mehr Mittel von Land und Bund – schließlich müsse ein öffentlicher Verkehrssektor auch öffentlich getragen werden. Nicht zuletzt, um die vielbeschworene Mobilitätswende schneller in Gang bringen zu können.
Ja, mobil sein. Vor allem auch in ländlichen Räumen. Ein Standortfaktor, befand der Fahrgastverband »Pro Bahn« Mitteldeutschland unlängst. In Regionen mit stagnierenden oder sinkenden Bevölkerungszahlen entscheide ein leistungsfähiger, bezahlbarer ÖPNV »maßgeblich darüber, ob Menschen bleiben oder wegziehen«, so dessen Vorsitzender Markus Haubold. Ein attraktiver Nahverkehr sei kein Luxus, sondern Voraussetzung für Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Entwicklung.
Das sehen die Aktivisten von der Initiative »Verkehrswende Leipzig« auch so. Denn der ÖPNV ist in Sachen Kapazität unschlagbar: Ein Bus fasst 60 Menschen, eine Tram 250 – kompakt, schnell, wetterfest. Würden Autos nicht die Straßen verstopfen und hätte der Nahverkehr eigene Spuren oder eine »grüne Welle«, spielte er diese Stärke noch weit konsequenter aus, betonen die ÖPNV-Freunde aus der Messestadt auf ihrer Homepage. Deshalb: mehr Linien, dichtere Takte, kürzere Haltestellenabstände. Spätestens alle 500 Meter ein Halt. Das erhöht die Zugänglichkeit – und verändert den Fahrplan nur gering.
Sicher, das wäre schon einiges – aber auch noch lange nicht: Nahverkehr für alle, zum Nulltarif.
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