Sicherheitsrisiko Personalmangel
Brüssel: Feuerwehrleute erkämpfen höheren Personalschlüssel. Bereits 13 Brandtote in Belgiens Hauptstadt
Mitten in der Waldbrandsaison auf der nördlichen Erdhalbkugel hat so ein Feuerwehrstreik doch gleich eine ganz andere Schlagkraft: Nach fünf Tagen Arbeitsausstand haben sich die Brandbekämpfer Brüssels mit der Stadtregierung am Sonnabend vor allem auf eine Verbesserung der Personalsituation geeinigt. Die sozialistische Gewerkschaft CGSP-ACOD rief dazu auf, den Streik vorerst zu unterbrechen, da eine ihrer Hauptforderungen erfüllt wird: Die Stadt will an die hundert neue Feuerwehrleute und Rettungssanitäter in Vollzeitbeschäftigung anwerben. Die Streikenden hatten ordentlich Druck gemacht; am Sonnabend selbst waren nur noch 17 Prozent der Belegschaft zum Dienst erschienen.
Die Fotos völlig erschöpfter Feuerwehrleute in Spanien und Frankreich gehen aktuell um die Welt. Zugegeben, so schlimm ist die Lage der Kolleginnen und Kollegen in Brüssel längst nicht, aber anstrengend ist ihr Job allemal. Und psychisch belastend: Vor gut zwei Wochen brannte es im Zentrum der Hauptstadt in einem Wohnkomplex, der gerade renoviert wurde. In einem Aufzug fand die Feuerwehr sechs tote Bauarbeiter.
In diesem Jahr sind in Brüssel bereits 13 Menschen bei Bränden ums Leben gekommen. Sonnabend nacht musste die Feuerwehr zu einem Mietshaus im nördlichen Stadtteil Schaerbeek ausrücken. Auch dort waren zwei tote Hausbewohner zu beklagen, zwei weitere befinden sich in kritischem Zustand. »Es ist unklar, wie viele Feuerwehrleute zum Zeitpunkt des Einsatzes wieder im Dienst waren«, schrieb zunächst am Sonntag das Brüsseler Stadtmagazin Bruzz. »Ein Drittel des Personals war abwesend. Dennoch gab es ausreichende Kapazitäten, um die Sicherheit der Brüsseler Bevölkerung zu gewährleisten«, versicherte hingegen Feuerwehrsprecher Walter Derieuw gegenüber der flämischen Tageszeitung Het Laatste Nieuws (HLN).
Zum Glück hatten viele Feuerwehrleute ihren Dienst bereits wieder angetreten, nachdem die Gewerkschaften am Morgen erklärt hatten, der Streik sei unterbrochen. In den vergangenen Tagen war die Lage in Brüssel nämlich im wahrsten Sinne des Wortes personell brenzlig: Allein die Hauptwache und die im Stadtteil Anderlecht waren besetzt, alle anderen waren wegen des Streiks geschlossen. Die für die Feuerwehr zuständige Notrufzentrale arbeitete mit halber Kapazität. Die für die Krankenwagen war immerhin zu 60 Prozent besetzt, aber nur, weil externe Kräfte herangeschafft wurden.
Ob der Arbeitskampf endgültig vorbei ist, muss nun die Basis der Gewerkschaften entscheiden. Der Vorschlag der Stadt sieht einigermaßen gut aus: Die Belegschaft wird bis Ende 2027 um mindestens hundert Kräfte aufgestockt, und die zehn Millionen Euro Bundeszuschuss, die die Stadtverwaltung von Brüssel erhält, sollen anders als ursprünglich angedacht nun doch vollständig in die Feuerwehr investiert werden. Mehr als acht Millionen Euro sollen ins neue Personal, der Rest in die Infrastruktur der Feuerwehr fließen. Insbesondere die Feuerwache in Anderlecht und die bei der Freien Universität von Brüssel bekommen ein höheres Budget.
Auch der Vorschlag, die Anzahl der Einsatzkräfte im Bereitschaftsdienst zu reduzieren, wird zurückgezogen, so Patrick Giebens, der Verhandlungsführer der Gewerkschaft, gegenüber Bruzz. Die Personalstärke wird künftig auf der Grundlage betrieblicher Erfordernisse und nicht mehr nach Maßgabe von Haushaltsbeschränkungen festgelegt. Eigentlich hatte die Stadtregierung des rechtsliberalen Mouvement Réformateur den Bundeszuschuss schon verplant, um Haushaltslöcher zu stopfen.
»Wir wollen arbeiten«, hatte Feuerwehrmann Pieter Maes noch am Freitag gegenüber HLN bekräftigt. »Aber wir stehen mit dem Rücken zur Wand.« Hauptanliegen des Streiks sei nicht ein höherer Lohn, sondern die Sicherheit der Bürger und der Feuerwehrleute. »Unser Dienst ist derart unterfinanziert und ausgehöhlt, dass eine korrekte und effiziente Personalplanung nicht mehr möglich ist«, so Maes. Das Problem sei auch nicht plötzlich aufgetreten, sondern über Jahre durch Überstunden kaschiert worden.
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