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Tatwaffe Pkw

Todesfahrt im Tiergarten

Berlin: Bei Anschlag mit Lieferwagen 29 Menschen am Rande des CSD verletzt, ein Opfer stirbt vor Ort. Tatverdächtiger war Behörden bekannt

Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Unweit des Tatorts haben Menschen Blumen, Trauerkerzen und eine Regenbogenflagge abgelegt (Berlin, 26.7.2026)

Politisch dürfte die Tat vor allem auf das Konto der AfD einzahlen. Am späten Sonnabend, gegen 22 Uhr, ist ein weißer Lieferwagen am Rande des »Christopher Street Day«-Großevents (CSD) in eine Menschenmenge auf einem Spazierweg im Berliner Tiergarten gerast. Eine Frau erlag noch an Ort und Stelle ihren schweren Verletzungen. 16 weitere Opfer überlebten den Angriff zunächst, von ihnen waren drei jedoch lebensbedrohlich verletzt worden. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach gegenüber Journalisten am Sonntag von 29 Verletzten und Schwerstverletzten sowie von »islamistischem Terror«. Unter dem Motto »Haltung ist hot« hatten beim 48. CSD Hunderttausende für Menschenrechte und Vielfalt demonstriert. Dabei wurde unter anderem mehr Sicherheit für queere Menschen gefordert. Vor Beginn war der homosexuellen Opfer der Nazidiktatur gedacht worden.

Die Todesfahrt endete an einem Baum. Ersten Zeugen- und Medienberichten zufolge soll bzw. sollen nach dem Aufprall der bzw. die Täter weitere Menschen mit einem Messer angegriffen haben. Die Generalstaatsanwaltschaft und das Landeskriminalamt Berlin starteten eine öffentliche Fahndung nach einem Tatverdächtigen. Bei ihm soll es sich um den 2005 in Berlin geborenen Deutschen Abdul B. handeln. Welt und Bild berichteten, dass B.s Familie libanesische Wurzeln habe. Die Springer-Presse war außerdem vor Ort, während Beamte die Wohnung von B. sowie die seiner Schwester durchsuchten. Den 21jährigen fanden sie nicht. Am Sonntag suchten Ermittler das Gelände rund um den Tatort im Südosten des Großen Tiergartens ab.

Nach Angaben der Polizei ist der Gesuchte polizeibekannt und wurde »der islamistischen Szene in Berlin« zugerechnet. Welt zufolge sei der Lieferwagen von B. gemietet worden. Das Recherchekollektiv von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR berichtete am Sonntag, dass der Tatverdächtige von den Behörden vor der Tat bereits als »islamistischer Gefährder« eingestuft worden sei, ihm also die Begehung von Straftaten zugetraut wurde. In der Vergangenheit soll B. versucht haben, nach Syrien auszureisen, um sich dem »Islamischen Staat« anzuschließen. Außerdem wussten die Springer-Blätter zu berichten, dass der Gesuchte erst im Mai 2026 aus dem Jugendarrest entlassen worden sein soll. Dazu soll ihm laut Welt die Weisung erteilt worden sein, mehr als 20 Gesprächstermine mit einer Beratungsstelle im Bereich »Deradikalisierung und Extremismusprävention« wahrzunehmen. Im Juni und Juli soll B. daran teilgenommen haben. Für diesen Montag sei der nächste Termin geplant gewesen.

Foto: Stefan Boness/IPON 260725008IPON.jpg
Die Teilnehmer der »Pride Parade« verstehen diese explizit auch als Protest gegen reaktionäre Kräfte (Berlin, 25.7.2026)
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»Der bisherige politische Kuschelkurs gegenüber gewaltbereiten Islamisten muss sofort ein Ende haben«, forderte die AfD-Spitzenkandidatin für die Berlin-Wahl, Kristin Brinker, am frühen Sonntag morgen auf X. Ins gleiche Horn blies der Bundesvorsitzende der reaktionären Berufsvereinigung Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) am Sonntag im Gespräch mit Bild. Es gelte nun, »alles« daranzusetzen, »den großen Aufschlag zu machen«, um die »Ursachen« solcher Anschläge zu bekämpfen, sagte Manuel Ostermann.

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) kündigte noch für Sonntag nachmittag eine Sondersitzung des Senats an. Dabei sollte »mit den Sicherheitsbehörden das Gespräch« gesucht werden, auch um möglicherweise künftig »solche schrecklichen Taten besser verhindern« zu können. Wegner sprach von einem Angriff auf »die Art und Weise des Zusammenlebens«. Damit müsse Schluss sein. »Heute ist ein Tag der Trauer und nicht der schnellen Rufe nach Konsequenzen«, teilte dagegen der Linke-Vorsitzende Luigi Pantisano am Sonntag mit. Mit dem Schaffen »besserer sozialer Bedingungen« werde man »die Hassenden« nicht »zum Verschwinden bringen«. Aber man könne »das Umfeld austrocknen, auf dem sie wachsen«.

Der Anschlag auf den Berliner CSD erinnert nicht nur an den Angriff auf den Weihnachtsmarkt in Magdeburg durch Taleb A. vom 20. Dezember 2024 – gut neun Wochen vor der Bundestagswahl im Februar 2025. Der Angriff vom Sonnabend erfolgte rund sechs Wochen vor der richtungsweisenden Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sowie gut acht Wochen vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus – und erinnert an den Fall Anis Amri, der 2016 mit einem Sattelzug 13 Menschen auf dem Berliner Weihnachtsmarkt getötet haben soll. Im Zuge einer EU-weiten Fahndung hatten ihn italienische Polizisten erschossen. Amri soll den sogenannten Sicherheitsbehörden bestens vertraut gewesen sein.

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Erschienen in der Ausgabe vom 27.07.2026, Seite 4, Inland

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→ Leserbriefe
  • Klaus aus Berlin 27. Juli 2026 um 15:25 Uhr
    Einen Beitrag über ein islamistisch motiviertes Attentat mit dem Satz zu beginnen: »Politisch dürfte die Tat vor allem auf das Konto der AfD einzahlen.«, ist irritierend. Was soll das bedeuten? Ist an der Tat hauptsächlich zu bedauern, dass sie der AfD nützen könnte? Sollten islamistische Terroristen nur deshalb keine Menschen töten, weil sie damit die AfD stärken? Islamisten sind menschenverachtende Rechtsradikale, die mit Linken nicht das Geringste zu tun haben und ihnen deren Beschützerdrang niemals danken werden, im Gegenteil.
    • Onlineabonnent*in Peter K. aus S. 27. Juli 2026 um 19:45 Uhr
      Als ob der Autor exakt das aussagen wollte. Zugegeben, es ließt sich vielleicht etwas nüchtern analytisch, aber das ist in meinen Augen eher eine stilistische Frage. Zumindest komme ich beim Lesen nicht auf dieselbe Interpretation.
  • Onlineabonnent*in Ulf G. aus H. 27. Juli 2026 um 13:01 Uhr
    Die USA hatten Islamisten in Afghanistan gegen die Sowjetunion mit Waffen versorgt. Bereits nach dem Zerfall der Sowjetunion suchte sich der Westen aber auf der Suche nach einer neuen Definition eigener Identität den Islam offenbar eher als neuen Feind aus. So sorgte der westliche Angriffskrieg gegen den Irak von 2003 für die Entstehung des Islamischen Staates. Die führungslos gewordene irakische Armee fand im Bündnis mit Islamisten eine ideologische Stütze zur Fortsetzung des Widerstands gegen die Invasion der USA. Diesen Irak-Krieg sehe nicht nur ich als das größte Terrorismus-Förderprogramm der jüngeren Geschichte. Nun ist ein Anschlag auf einen Demonstrationszug bei aller emotionalen Schlüssigkeit alles andere als angezeigt, um der Aggressivität des Westens entgegenzutreten. Entradikalisierungsprogramme sind da sinnvoll. Es darf aber nicht dabei bleiben, nur die Muslime entradikalisieren zu wollen. Genauso muss der Westen sich entradikalisieren und mal einen Blick über seinen Tellerrand werfen. Wer die Reden Putins im Wortlaut liest, bekommt von ihm ein ganz anderes Bild als das, was von osteuropäischen Russlandfeinden gezeichnet wird. Auch der Analyse des Palästinakonfliktes fehlt es an Objektivität. Der Osloprozess wurde von US-Seite mit dem »clean break« beantwortet, dem Plan zu Aggressionen gegen Muslime. Der Minsk-Prozess wurde vom Westen mit Aufrüstung der Ukraine für eine militärische Lösbarkeit des Minderheitenproblems beantwortet. Hier wie da wurden Chancen zur friedlichen Lösung zugunsten der eigenen Machtgier vertan. Das muss sich genauso ändern wie die terroristischen Überzeugungen, die jetzt mal wieder Leid verursacht haben. Und wenn man die Zahl der Opfer westlicher Aggressionen mit der Zahl der Opfer des Terrorismus vergleicht, sollten die Prioritäten klar sein!
  • Onlineabonnent*in Michael S. aus H. 27. Juli 2026 um 11:11 Uhr
    Es ist schon ein seltsames Muster, dass Attentäter fast immer erschossen werden, wenn man sie stellen kann. Es ist also eine Hinrichtung ohne Todesurteil. Warum schießt man nicht ins Bein oder in die Schulter? Hat man Angst, dass Hintermänner gefunden werden, die die Attentäter vorbereitet haben könnten? Vielleicht waren es ja keine Einzeltäter.
  • Mischa Kölle aus Hannover 27. Juli 2026 um 10:41 Uhr
    Um es gleich klarzustellen: Selbstverständlich war der Anschlag in der Nähe des CSD Berlin ein schweres Verbrechen und ist nicht zu entschuldigen oder gar zu rechtfertigen. Aber die Reaktionen darauf sind doch sehr zweifelhaft. Zum einen hat ein regelrechter Medienhype um das Ereignis eingesetzt und die üblichen staatstragenden Politiker vergießen wieder einmal Krokodilstränen. Zum Anderen lässt sich innerhalb der Linken ein nicht zu rechtfertigender »Betroffenheitskult« beobachten. Selbstverständlich gibt es Betroffene des Anschlags, nämlich die Opfer und ihr soziales Umfeld. Aber darüber hinaus sind eben nicht alle betroffen und es rechtfertigt nicht, in einer Massivität zur »Solidarität« und »Trauerarbeit« aufzurufen, die der Dimension dieses Anschlags einfach nicht gerecht wird, weil sich zarte Gemüter bedroht fühlen. Im internationalen Vergleich ist Deutschland ein sehr sicheres Land, was das Pech, Opfer eines Anschlags zu werden, anbelangt. Es gibt viele Krisenregionen in dieser Welt, wo die Gefahr, getötet zu werden, einfach um ein Vielfaches größer ist, und Länder, die trotz Frieden eine weitaus höhere Mordrate haben, als es hierzulande der Fall ist. Auch ist es eine Fehlanalyse, dass der Anschlag der AfD besonders nützen bzw. zuspielen wird. Die AfD-Anhänger brauchen keine weiteren Beweise, der Dreiklang »Moslem – islamistischer Gefährder – Terrorist« ist bei ihnen schon im Kopf. Vielmehr liegt die Gefahr darin, dass das linke Lager (SPD, Grüne und Die Linke) von dem Bauchgefühl »Betroffenheit« umkippt und weitergehenden Polizei- und Geheimdienstbefugnissen zustimmt. Dies ist die »logische« politische Konsequenz aus der gefühlten Bedrohungslage.
    Die Tatsache, dass nach dem Anschlag in München vor anderthalb Jahren auf eine Gewerkschaftsdemo nun auch der CSD angegriffen wurde, führt naheliegend dazu, dass endlich »Handeln« vom linken Lager gefordert wird, immerhin ist es ihre Klientel, die Opfer wurde. Und es läßt sich leicht vorhersehen, dass es dabei um neuartige Überwachungs- und Ermittlungstechniken gehen wird, die die Bürgerrechte weiter und bis zur Unkenntlichkeit beschneiden werden. Es ist fraglich, ob zum Beispiel die linksliberale taz an ihren Aussagen vom 15. Juni dieses Jahres, mit der Überschrift »Palantir in Deutschland: Überwachung first, Bedenken second«, festhalten wird, dass die weitere Einführung von solcher Überwachungssoftware nicht mehr geplant sei und im Gegenteil vor der Abschaffung stehen würde. Vielmehr ist davon auszugehen, dass dieser Weg nun versperrt ist, da es für die Hardliner jetzt einfacher ist, Bedenkenträger mundtot zu machen und die Medien willfährig mitziehen werden. Dass dies zu mehr Sicherheit führen wird, ist fraglich. Vielmehr wird jeder Einwohner dieses Landes dann einer umfassenden Kontrolle unterliegen und die Zahl der »Gefährder« enorm ansteigen. Selbsterfüllende Prophezeiung, wenn man nur massenweise schaut, dann finden sich viele. Dies war auch schon 2001 zu beobachten, als wegen der vielen Ausreiseverweigerungen nach Genua zum G8-Gipfel kurz eine zarte Debatte aufflammte, ob dies nicht zu weit geht. Nach dem Terroranschlag vom 11. September war diese Debatte auch schlagartig beendet und es wurden in der EU und Deutschland schärfere »Sicherheitsgesetze« verabschiedet, die teilweise selbst dem Bundesverfassungsgericht zu weit gingen. Neben Militarisierung und Sozialabbau ist die sogenannte innere Sicherheit die dritte Säule, an der der reaktionäre Rollback stattfindet. Die Pläne dazu liegen längst bereit, die Anschläge bieten eine gute Gelegenheit, dies auch den Linken schmackhaft zu machen. Dabei sollte man sich eins vor Augen führen, linke Politik ist immer ein Kampf um Verfassungspositionen.
  • Onlineabonnent*in Thomas Z. aus D. 26. Juli 2026 um 21:19 Uhr
    »Der Angriff vom Sonnabend erfolgte rund sechs Wochen vor der richtungsweisenden Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sowie gut acht Wochen vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus – und erinnert an den Fall Anis Amri, der 2016 mit einem Sattelzug 13 Menschen auf dem Berliner Weihnachtsmarkt getötet haben soll. Im Zuge einer EU-weiten Fahndung hatten ihn italienische Polizisten erschossen. Amri soll den sogenannten Sicherheitsbehörden bestens vertraut gewesen sein.« Anderthalb Stunden, bevor dieser Artikel online gegangen ist, um ca. 18 Uhr am Sonntag, war der mutmaßliche Täter dann auch schon von der Polizei erschossen worden … Das Muster ist immer dasselbe.
  • Rudi Eifert aus Langenhagen 26. Juli 2026 um 20:18 Uhr
    Angesichts der brutalen Amokfahrt des Islamisten auf den CSD in Berlin werden bei Politikerinnen und Politikern sämtlicher Couleur Krokodilstränen vergossen – wie stets, wenn es um Terrorakte geht. Von »Bestürzung« und »Entsetzen« ist die Rede. Herr Dobrindt, seines Zeichens Innenminister, muss sich nun mit einem Thema befassen, das so gar nicht auf seiner Agenda stand – mit Gewalttaten der islamistischen Szene. Erinnern wir uns: Herr Dobrindt sieht in vorauseilendem Gehorsam gegenüber der Trump-Administration und dessen Außenminister Rubio den Linksextremismus als eigentlichen Feind unserer Demokratie – wohlweislich eine herbeihalluzinierte Gefahr. Herr Dobrindt war sich nicht zu schade, zu einem internationalen Treffen in Washington auf der Matte zu stehen, das von Rubio einberufen wurde. Meine Meinung ist: Man muss nur ordentlich auf vermeintliche linksextremistische Gefahren herumprügeln, um von den eigentlichen Gefahren des Rechtsextremismus abzulenken. Ein beliebtes Feindbild, das an Aktualität bis heute nicht verloren hat. Doch nun – oh weh – muss sich Herr Dobrindt auch noch mit einer anderen Gefahr auseinandersetzen: Der der islamistischen Szene in Berlin. Eine Kultur, die bis heute bei uns weder zur Integration bereit ist, schon mal gar nicht zur Assimilierung, Gesetze dieses Landes ignoriert, ihren eigenen archaischen Gesetzen gehorcht und entsprechend brutal gegen Andersgläubige vorgeht. So entsetzlich dieser Terrorangriff auch ist: Er dient über kurz oder lang der faschistischen AfD als willkommene Steilvorlage für ihre verquaste Migrantenideologie und -politik.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.

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