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Aus: Ausgabe vom 23.01.2026, Seite 3 / Abgeschrieben

Bürgermeister von Kobani: »Sorgt dafür, dass unsere Stimme gehört wird«

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Solidaritätskundgebung mit Rojava und den Kurden (Berlin, 19.1.2026)

Die Kobürgermeister und die Stadtverwaltung von Kobani appellierten am Donnerstag angesichts der Umzingelung der syrisch-kurdischen Stadt durch islamistische Regierungstruppen an die Öffentlichkeit:

(…) Kobani ist derzeit von allen Seiten umzingelt. Im Norden grenzt die Stadt an eine internationale Grenze zum türkischen Staat, in allen anderen Richtungen verlaufen Frontlinien, und trotz der vereinbarten Feuerpause dauern die Kämpfe an.

Die humanitäre Lage in Kobani ist katastrophal. Etwa 400.00 Einwohnerinnen und Einwohner sowie Schutzsuchende aus den umliegenden Dörfern sind ohne Wasser und Elektrizität. Seit gestern besteht zudem keine Internetverbindung mehr. Besonders betroffen sind Kinder, ältere Menschen, Menschen mit chronischen Krankheiten sowie Menschen, die auf lebenswichtige Medikamente angewiesen sind. Daher appellieren wir an alle, insbesondere an jene, die humanitäre Arbeit als ethische Verantwortung begreifen, sowie an Menschenrechtsorganisationen, aktiv zu werden.

Die Stadt ist überfüllt, die Situation unerträglich. Es gibt Dörfer, die von HTS-Truppen überrannt wurden. Die Bevölkerung dieser Dörfer ist in akuter Gefahr, da keinerlei Verbindung mehr zu ihnen besteht und Berichte über kollektive Gefangennahmen vorliegen. Über ihr Schicksal haben wir keinerlei Informationen.

Jeder weiß, welche großen Opfer Kobani zum Schutze der Welt, der Menschheit und auch Europas erbracht hat. Die bewaffneten Gruppen, die uns derzeit angreifen, verfolgen dieselbe Ideologie wie ISIS und wenden dieselben Methoden an wie 2014. Damals leistete Kobani Widerstand, und es gab eine breite internationale Solidarität. Heute jedoch wird Kobani allein gelassen. (…) Wir appellieren an die Weltöffentlichkeit: Handelt verantwortungsvoll, geht auf die Straßen, und sorgt dafür, dass unsere Stimme überall gehört wird. (…)

Der Städtepartnerschaftsverein Friedrichshain–Kreuzberg–­Dêrik e. V. zeigte sich am Mittwoch besorgt über die nordsyrische Partnerstadt des Berliner Bezirks:

Wir sind in großer Sorge um unsere Partnerstadt Dêrik (arab. Al-Malikija) und die Menschen in Rojava (Nord- und Ostsyrien). Das Vorrücken islamistischer Regierungstruppen trotz mehrfacher Waffenstillstandsankündigungen bis tief in die kurdischen Gebiete versetzt die Bevölkerung in Angst; viele Menschen bereiten sich auf eine mögliche Flucht vor. Dêrik war seit 2011 ein Zufluchtsort für viele Menschen innerhalb Syriens. In und um die Stadt leben unterschiedliche Religionsgemeinschaften und Völker seit Jahren friedlich miteinander. Es gab ein säkulares und paritätisches Verwaltungsmodell – wie im gesamten Gebiet der Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien.

Über viele Jahre haben wir eng und vertrauensvoll mit unserer Partnerstadt zusammengearbeitet und durch Projekte der Entwicklungszusammenarbeit, gefördert mit staatlichen Mitteln, Perspektiven für ein friedliches Leben in Syrien unterstützt. All das ist nun akut gefährdet. Uns erreichen Berichte über geflohene IS-Gefangene aus mehreren IS-Gefängnissen und Camps sowie über schwerste Gewalt und Misshandlungen an gefangenen kurdischen Soldatinnen (…). Diese Entwicklungen lassen uns schwere Verbrechen an der Zivilbevölkerung in unserer Partnerstadt befürchten. (…)

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