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Krieg gegen Iran

Tankerkrieg eröffnet

USA beantworten iranische Angriffe auf Marine mit Raketen auf die wirtschaftliche Lebensader Irans

Foto: CENTCOM via Reuters
Die US-Marine präsentiert am Sonnabend Bilder ihres Angriffs auf einen iranischen Tanker

Die Ansage ist deutlich: »Lasst euch nicht vom ›terroristischen‹ US-Militär täuschen und unterlasst jegliche verdächtigen Manöver, die darauf abzielen, nicht genehmigte Wasserstraßen zu passieren«, erklärte die Marine des Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) am Sonnabend in einer im iranischen Staatsfernsehen ausgestrahlten Erklärung. »Andernfalls werdet ihr ins Visier genommen.« Die Warnung erfolgte, nachdem US-Streitkräfte mitgeteilt hatten, dass drei iranische Öltanker getroffen worden seien.

Zuvor hatten die IRGC ballistische Raketen auf einen Flugzeugträger und einen Lenkwaffenzerstörer der US-Marine abgefeuert. Beide Seiten bestätigten den Angriff, widersprachen sich jedoch in den Angaben zu dessen Ergebnis. Die USA erklärten, beide Schiffe hätten den Raketen unbeschadet ausweichen können; Iran behauptete dagegen Treffer. Als »Vergeltung« setzten die USA, die seit dem 28. Februar einen Angriffskrieg gegen die Islamische Republik führen, nach eigenen Angaben zwei iranische Tanker vor der Insel Charg und bei Dschask dauerhaft außer Gefecht. Weiter sei ein drittes, unbeladenes Schiff im Golf von Oman zerstört worden. Die USA verbanden die Angriffe mit einer Warnung an die IRGC: Wer auf zwei US-Schiffe schieße, zahle einen höheren Preis: drei zerstörte iranische Tanker. Teheran erklärte seinerseits, drei Tanker auf einer aus seiner Sicht nicht autorisierten Route durch die Straße von Hormus sowie drei weitere mit den USA verbundene Schiffe getroffen zu haben. Unabhängig bestätigt sind diese Angaben bislang nicht.

Damit haben die USA die heiße Phase des Krieges wieder aufgenommen. Neu ist der Fokus auf Tanker, von denen innerhalb einer Woche mindestens fünf auf iranischer Seite angegriffen wurden. Drei davon wurden außer Gefecht gesetzt oder zerstört. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth benannte die entscheidende Asymmetrie unverblümt, als er laut CNN die iranische Öltankerflotte als schutzlos bezeichnete.

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Tatsächlich kann der Iran seine Tanker mit den verfügbaren Waffen und der eigenen Einsatzdoktrin gegen US-Angriffe nicht schützen. Will Teheran ihre schrittweise Zerstörung verhindern, muss es seinerseits den USA an anderer Stelle größere Schäden zufügen – durch Angriffe, die dem US-Macht- und Bündnissystem am Golf empfindliche Schmerzen bereiten. Gerade darin könnte die strategische Absicht der US-Angriffe liegen. Die Tanker sind keine militärischen Kampfmittel, sondern Teil der wirtschaftlichen Lebensader Irans. Wird diese Flotte systematisch angegriffen, stehen zwei Wege offen. Iran kann symmetrisch reagieren und seinerseits US- oder mit den USA verbundene zivile und militärische Schiffe angreifen. Oder es reagiert asymmetrisch und richtet die Vergeltung etwa gegen US-Stützpunkte oder Kollaborateure am Golf. Die so provozierte Reaktion lässt sich anschließend als iranische Eskalation darstellen.

Ein schwerer Treffer gegen ein US-Kriegsschiff, bei dem es Todesopfer gäbe, würde wiederum Bilder erzeugen, die Emotionen transportieren und die politische Lage in den Vereinigten Staaten grundlegend verändern könnten. Ein brennender Zerstörer oder beschädigter Flugzeugträger hätte eine andere Wirkung als abstrakte Meldungen über Raketenangriffe oder Tankerverluste.

Parallel verschärft sich der Krieg am zweiten maritimen Nadelöhr der Region im Roten Meer: Seit Donnerstag führen die mit Iran verbündeten Ansarollah im Jemen eine Großoffensive gegen von Saudi-Arabien gestützte Regierungskräfte in Richtung der Meerenge von Bab Al-Mandab. Nach einer von AFP zusammengestellten Bilanz kamen dabei mehr als 120 Menschen ums Leben – die schwersten Kämpfe im Jemen seit Jahren. Bab Al-Mandab hat als Ausweichroute für saudische Ölexporte an Bedeutung gewonnen, seit der Tankerverkehr durch Hormus weitgehend zum Erliegen gekommen ist. Ein Kontrollgewinn der Ansarollah über die Meerenge würde auch diese Ausweichmöglichkeit gefährden.

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Erschienen in der Ausgabe vom 07.09.2026, Seite 1, Titel

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