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Iran-Krieg

Tanker um Tanker

USA greifen erstmals iranische Ölschiffe direkt an. Der Einbruch von Teherans Energieexporten trifft vor allem China

Foto: Du Penghui/XinHua/dpa
Chinas größtes Offshoreölfeld im Golf von Bohai läuft seit dem US-Angriff auf Iran auf Hochtouren

US-Vizepräsident J. D. Vance hat sich am Donnerstag erstmals zu dem US-Angriff auf eine Hochzeitslocation nahe der iranischen Stadt Sirik geäußert: »Wir untersuchen das, weil es uns offensichtlich wichtig ist«, sagte er. Bei der Attacke vom Montag sind nach Angaben iranischer Medien mindestens vier Menschen getötet worden, darunter ein kleines Kind. Weniger Aufmerksamkeit bekam, dass die US-Armee am Dienstag im Golf von Oman erstmals staatseigene iranische Tanker direkt angegriffen hat. Drohnen trafen die Maschinenräume zweier vor Anker liegender Schiffe. Vorausgegangen waren iranische Angriffe auf zwei saudische Öltanker. Ein US-Vertreter sprach deshalb von einer neuen »Tanker gegen Tanker«-Politik. Washingtons Krieg zielt damit im sechsten Monat zunehmend auch auf die Abnehmerstaaten iranischen Öls.

Allen voran betrifft das China, seit Jahren mit weitem Abstand größter Abnehmer iranischen Öls. Wie stark die bisherige iranische Bezugsquelle eingebrochen ist, zeigen die Exportzahlen: Irans Rohölverladungen sind binnen eines Jahres von rund 1,7 Millionen auf nur noch etwa 260.000 Barrel täglich eingebrochen, wie Reuters unter Berufung auf den Marktbeobachter Kpler berichtet. Da Beijing nahezu das gesamte iranische Öl abnimmt, trifft dieser Einbruch vor allem chinesische Raffinerien. Teheran wehrt sich unterdessen gegen den Eindruck völliger Lähmung: Ölminister Mohsen Paknejad erklärte laut dem Nachrichtensender Al-Majadin, die Exporte seien während der ersten Kriegsmonate »keine einzige Stunde« unterbrochen gewesen, man habe Reserven gezielt an Standorte fernab des Golfs verlagert, um die Blockade zu unterlaufen.

Damit gerät Chinas Ölversorgung gleich zweifach unter Druck. Nach dem US-Angriff auf Venezuela und der Installation einer nicht gewählten Marionettenregierung haben sich die USA die venezolanischen Ölreserven gewaltsam gesichert. Eine neue Vereinbarung umfasst rund 65 Milliarden Barrel und 17 Ölfelder; zugleich wird China, zuvor einer der wichtigsten Abnehmer venezolanischen Öls, aus einer weiteren strategischen Bezugsquelle zurückgedrängt. So verliert Beijing nahezu gleichzeitig an zwei unterschiedlichen Orten den privilegierten Zugang zu Ölquellen, die sich bislang weitgehend US-amerikanischer Verfügung entzogen haben. China kann Ausfälle durch Reserven und durch die Steigerung der Ölimporte aus Russland oder anderen Staaten ersetzen – allerdings zu höheren Kosten und bei wachsender Abhängigkeit.

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US-Präsident Donald Trump behauptet, Washington kontrolliere die Straße von Hormus vollständig – sie sei wieder passierbar. Die Verkehrsdaten zeigen ein anderes Bild: Die Trackingdienste Kpler und Lloyd’s List Intelligence registrieren im Schnitt nur rund ein Dutzend größere Schiffe täglich, Portwatch noch weniger. Ein Teil der Differenz erklärt sich durch verschiedene Zählweisen und abgeschaltete Ortungssysteme. Strategisch nützt Washington die Sperre jedoch sehr wohl: Während kaum noch Öl aus dem Golf gelangt und der Ölpreis steigt, erreicht das Land Rekordexporte und Milliardengewinne.

Für die dauerhafte Destabilisierung des Golfs möchte Washington seine Verbündeten stärker einbinden. Das zeigte zuletzt Vance. Er tadelte die Partner öffentlich für ihren aus seiner Sicht zu geringen Kriegsbeitrag. Südkorea erwägt nun die Entsendung eines Marineunterstützungsschiffs und von Seeaufklärungsflugzeugen an die Straße von Hormus. Seoul würde damit an einer Mission mitwirken, die seine eigene Energieversorgung verteuert und zugleich Washingtons strategisches Ziel stützt: durch die Initiierung von Kriegen in der Golfregion den Ölfluss zugunsten der eigenen Energiewirtschaft dauerhaft zu behindern.

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Erschienen in der Ausgabe vom 05.09.2026, Seite 6, Ausland

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