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An dieser Stelle einfach mal: Danke!

Foto: Mike Segar/Reuters
Können austeilen, müssen einstecken: Die argentinischen Nationalspieler (New Jersey, 19.7.2026)

Einen wunderschönen guten Morgen! Man soll nicht alles immer so negativ sehen, davon bekommt man Hautausschlag und außerdem ganz bestimmt Prostatakrebs. Vielleicht fällt einem auch noch der Himmel auf den Dez. Wer braucht so was schon? Die nun doch schon sehr angegammelte Fußball-WM hatte auch ihr Gutes. Beispielsweise wurde dem herausragendsten Sportler aller Zeiten, Lionel Messi, nicht schon wieder irgendein religiöser Schmus umgehängt wie in Katar. Der Mann will einfach nur Spaß haben, und seit er weg von PSG ist, hat er den. Speziell bei dieser WM. Befreit von allem, triumphierte er noch mal so richtig, was ich persönlich erwartet hatte, aber nicht mal die sogenannte Fachpresse Argentiniens.

Liegt es daran, dass ich die MLS goutiere? Nein, da steckt mehr dahinter. Messi ist einer der Leute, die den Amateurspirit des Fußballs maximal zelebrieren. Obwohl oder weil sie in ihren europäischen Klubs ihre eigene Identität verleugnen müssen. Die hat ihnen das Trainerteam um Lionel Scaloni, Pablito Aimar (Messis Vorbild), »Ratón« Ayala und Walter Samuel zurückgegeben. Alles Pékerman-Boys. Denn was hat die Ära Scaloni bislang ausgezeichnet? Die Symbiose ­Menotti-Bielsa-Pékerman. Die Risikobereitschaft Menottis, das Pressing Bielsas, die Musketiermentalität Pékermans. Alle drei, wie auch Scaloni, stehen für absolutes Fair play. Um so erschreckender war das Argentinien-Bashing nicht nur bei dieser WM. Mittlerweile werden argentinische Fußballer in deutschsprachigen Medien als »Verbrecher« gehandelt. Diese diskriminierenden Kommentare sind ein Armutszeugnis.

Fußball ist ein Kontaktsport. Wer gewinnen will, muss hart an der Grenze des Erlaubten agieren. Die Argentinier machen das mit Verve. Die Deutschen früher traditionell auch. Karlheinz Förster, »Katsche« Schwarzenbeck, Jürgen Kohler, Herbert (»du wirst gleich hinken«) Finken, Uli (»Axt«) Borowka, Klaus Augenthaler, Horst-Dieter Höttges, Berti »Terrier« Vogts und all die verkannten DDR-Sternchen waren alles Klopper vorm Herrn und sind genau deshalb bis heute Idole. Klar, aber wenn ein Argentinier sich aufmandelt, ist er ein asoziales Schwein. Wer kloppt heute noch bei Deutschland? Nun, jetzt kommt Klopp. Eine deutsche Scheinabwehr wie bei den letzten drei WMs wird der nicht dulden. Unabhängig davon bin ich Klopp-Skeptiker, was die Nationalmannschaft betrifft. Schaunmermal.

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Kommen wir zur Schirischelte. Spaß. Oder auch nicht. Deutschlands EM-Alptraum Cucurella (es war kein Handspiel) hielt sich gegenüber Messi die Hand vor den Mund. Der reklamierte, Videoschiri Bastian Dankert griff nicht ein. Messi wird Unsportlichkeit vorgeworfen. Unsportlich ist die FIFA-Regel, nach der Paraguays Superstar Miguel Almirón sowie Piero Hincapié (Ecuador) aus dem Turnier entfernt wurden. Warum nur Südamerikaner?

Das Finale pfiff der Slowene Slavko Vinčić (46), es war seine zweite WM. Sein Debüt war das Spiel Argentiniens gegen Saudi-Arabien (1:2) in Katar. Er annullierte zwei Tore der Silberländer. Spanien dirigierte er fünfmal (sie verloren nie). Zuletzt das Semifinale der Eurocopa 2024 gegen Frankreich (2:1). Zwei Jahre bevor Vinčić als WM-Schiri debütierte, war er in einer Ferienhütte in Bijeljina (Bosnien-Herzegowina) festgenommen worden. Lebemann Vinčić wurde bei einer Razzia erwischt, bei der neun Frauen angetroffen wurden, 26 Männer, 14 Kokainpakete, zehn Feuerwaffen, drei schusssichere Westen und mehr als 10.000 Euro in bar. Er hing da mit Tijana Maksimović ab, laut Polizei die Rädelsführerin eines Prostitutionsnetzwerkes. Der slowenische Fußballverband stellte sich hinter ihn, alles war ein Missverständnis.

Outro: Nicht nur Spanier, sondern auch diverse Fußballer Argentiniens verweigerten Donald Trump den Handschlag, darunter Cuti Romero und Thiago Almada. Danke, Argentinien! Für alles!

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Erschienen in der Ausgabe vom 22.07.2026, Seite 16, Sport

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→ Leserbriefe
  • Frank Lukaszewski aus Oberhausen 24. Juli 2026 um 11:18 Uhr
    Klopp als Bundestrainer: RB verleiht Flügel-BRD bei der nächsten WM direkt im Finale!
  • Hans Wiepert aus Berlin 24. Juli 2026 um 02:58 Uhr
    Die Dahlmeyersche Verklärung der argentinischen Finalverlierer haben einige Kommentare hier ja schon mit Fakten entkräftet. Ausgerechnet Lionel Messi zu unterstellen, er würde »den Amateurspirit des Fußballs maximal zelebrieren« ist offenbar einem sehr speziellen Humorverständnis André Dahlmeyers entsprungen. Der zigfache Multimillionär wurde u.a. 2016 wegen Steuerhinterziehung zu 21 Monaten Knast verurteilt – gnädigerweise auf Bewährung. https://www.lto.de/recht/nachrichten/n/lionel-messi-steuerhinterziehung-urteil-21-monate-gefaengnis
  • Rolf Jüngermann aus Gelsenkirchen 23. Juli 2026 um 11:43 Uhr
    Was wurde uns geboten auf dieser WM? Fußball auf dem Weg zum Rugby, mit dem Unterschied, dass es viel mehr und zum Teil viel schlimmere Fouls zu sehen gab als dort, bis hin zur absichtlichen gefährlichen Körperverletzung. Unzivilisierter Fußball, vor allem wenn bestimmte südamerikanische Mannschaften – und am schlimmsten Argentinien – planmäßig und kontinuierlich rücksichtslos zulangten. Ständige Störung
    des Spielflusses durch Treten in die Beine, schnelles Stampfen auf den Fuß des Gegners, den Messi-Tritt auf die Wade oder am effektivsten gezielt gegen die Achillessehne, alle Nase lang Festhalten am Trikot und das nicht nur mal so eben nebenbei, massives Schubsen des angreifenden Stürmers, zum Teil mit beiden Armen, Niederhalten der Stürmer beim Eckstoß, Schläge mit dem Ellenbogen gegen das Kinn außerhalb des Sichtfeldes des Schiri, Gebrüll und Beschimpfungen, Rudelbildung gegen
    den Schiri usw. usw. Soll dieser Rüpelsport – der Autor nennt ihn verharmlosend Kontaktsport – etwa Vorbild für den Nachwuchs werden? Nein Danke! Und das Ganze unter der Leitung eines Schiedsrichters, der sich zum Hanswurst all dieser Disziplinlosigkeiten machen muss, weil er nicht über die notwendigen disziplinarischen Mittel verfügt bzw. Anweisung hat, sie nicht anzuwenden, jedenfalls nicht gegen alle gleichermaßen und auf keinen fall gegen Messi. Gerade was die Autorität des Schiri angeht könnte man übrigens einiges vom Rugby lernen, wenn man denn wollte.
  • Stella Djulin aus Tarnewitz 23. Juli 2026 um 11:22 Uhr
    Der Versuch, das sportliche und menschliche Fiasko der Argentinier im WM-Finale mit folkloristischer Romantik kleinzureden, hinterlässt einen muffigfaden Beigeschmack. Es erfordert ein hohes Maß an kreativer Wahrnehmungsverzerrung, die phasenweise brutale Gangart der Argentinier als herzerwärmenden »Kontaktsport) zu romantisieren. Besonders abenteuerlich wirds, wenn zur Ehrenrettung historische deutsche Defensivikonen wie Uli »die Axt« Borowka o. Ä. aus der fußballerischen Mottenkiste geholt werden. Das Argument, weil man im Europa der 1980er/90er Jahre ungestraft »grätschen, beißen, kratzen« durfte, müsse man heute ein Auge zudrücken, ist sportliche Geschichtsklitterung. Hui. Es ist eine Ironie für sich, dass ausgerechnet in einer linken Zeitung ein reaktiver Rückschritt in die fußballerische Steinzeit als progressiver Act des Widerstands gegen den »europäischen Hochmut« verklärt wird. Fehlt nur noch, dass Dahlmeyer mir unterstellt, ich würde mit meinem Leserbrief den Angriff des Klassenfeindes verkörpern (lach), nur weil er faktischen Gegenwind spürt.
    Knochenbrecherfußball wird nicht dadurch besser, dass man ihm ein antirassistisches Mäntelchen umhängt. Das schadet einer guten Sache mehr, als es einer schlechten nützt.
    Die Kolumne entlarvt allerdings (ungewollt?) ein tiefes, strukturelles Problem: Im modernen Teamsport führt die sakrale Überhöhung eines einzelnen Idols, in diesem Fall des unantastbaren Lionel Messi, offenbar dazu, dass ein ganzes Kollektiv bei drohender spielerischer Unterlegenheit durch den Druck die Beherrschung verliert. Was wir in den Schlussminuten und nach Abpfiff rund um das spanische Tor erlebten, hatte nichts mehr mit der viel beschworenen südamerikanischen »Garra« (Kampfgeist) zu tun. Es wirkte eher schlichtweg wie der unkontrollierte Frust eines Starensembles, das sich besser bewusst gemacht hätte, dass man sich Respekt auf dem Platz erarbeiten muss und nicht per Dekret verordnet bekommt.
    Spanien hat dieses Finale gewonnen, nicht weil das Team Glück hatte oder der slowenische Schiedsrichter Slavko Vinčić angeblich zu kleinlich pfiff. Spanien gewann, weil es die spielerisch, taktisch und vor allem fairere und damit sportlich präsentere Mannschaft war. Ein Sieg Argentiniens durch eine späte, glückliche Einzelaktion hätte das fundamentale Prinzip des Sports m. E. auf den Kopf gestellt, dass am Ende die Mannschaft gewinnen sollte, die Fußball spielt und ihn nicht zerstört. Ich hätte Argentinien gern gewinnen sehen, wenn sie gespielt hätten wie im Dezember 2022. Damals hing mein Herz an dieser Mannschaft. Wer Fußball wirklich liebt, musste im Finale am 19. Juli 2026 den Triumph des Sports über die spielerische Destruktion anerkennen. Dahlmeyers prophetische Götterdämmerung ist zum Glück und auch zu Recht ausgeblieben, inklusive Wadenkrampf. Was lief, waren eher eingeschlafene Füße. In keinster Weise gehts hierbei darum, den Autor redaktionell zu beschädigen, sondern an den Kern dessen zu erinnern, was eine gute Debattenkultur ausmacht. Auch im Journalismus gehört es zum gelebten Fairplay, einen argumentativen Fehlpass einzugestehen, sich selbst nicht für den alleinigen Hüter der Wahrheit zu halten und schlicht anzuerkennen: »’s Läbe geht weiter«, selbst wenn Dahlmeyer mit seinen Prognosen meilenweit danebenlag. Einsicht ist bekanntlich der erste Weg in eine friedliche Weltverbesserung. Shit Happens. In diesem Sinne: Abpfeifen, Handshake, nach vorne schauen und die Backen zusammenpressen, statt: »Ich habe aber Recht und du bist dumm.« Dann klappt's auch. Danke und Peace.
  • Andreas Rohbock aus Erfurt 23. Juli 2026 um 09:00 Uhr
    Wie kann man einer solchen argentinischen Mannschaft »einfach mal nur Danken«? Und das in unserer linken Tageszeitung. Das zeugt wirklich von Realitätsverweigerung und macht einen fast sprachlos. Und was soll das eigentlich? Wem soll diese verzerrte Darstellung der argentinischen WM-Spiele nützen? Meiner Meinung nach schadet sie nur. Natürlich sind die argentinischen Fußballer keine »Verbrecher« und an den wilden Spekulationen über gekaufte Schiedsrichter sollte man sich erst gar nicht beteiligen. Aber was man mit eigenen Augen am Bildschirm während der Spiele mit Argentinien und danach gesehen hat, sollte reichen, um diese Handlungen des angeblich »herausragendsten Sportlers aller Zeiten« und seiner Mitspieler zu verurteilen. Das war wirklich an Unsportlichkeit kaum zu übertreffen!
  • Onlineabonnent*in Jürg H. aus M. 22. Juli 2026 um 10:37 Uhr
    Gäbe es einen Preis für die meisten Fouls, Argentinien wäre Weltmeister geworden. In 7 von 8 Spielen hat die Albiceleste mehr gefoult als die gegnerische Mannschaft, insgesamt 111mal in 8 Spielen während der WM. Wer also gerne Spiele mit vielen Fouls sehen möchte, liegt hier goldrichtig.
  • Onlineabonnent*in Jürg H. aus M. 22. Juli 2026 um 01:27 Uhr
    Gäbe es beim WM-Turnier einen Preis für die Mannschaft mit den meisten Fouls insgesamt, die argentinische Mannschaft hätte ihn überreicht bekommen. 111 Fouls in 8 Spielen, allein im Endspiel 25. In 7 von 8 Spielen beging die Albiceleste mehr Fouls als der Gegner. Wer gerne Spiele schaut, wo alle paar Minuten Foul gepfiffen werden muss, liegt bei Argentinien fast immer richtig.
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