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Sportpolitik

Gereizt

Warum DOSB-Vorstandschef Otto Fricke den Kanzler scharf angeht

Foto: Andreas Arnold/dpa
Auf Kanzler Merz nicht gut zu sprechen: DOSB-Chef Otto Fricke

Der zögerliche Bundeskanzler hat Otto Fricke den Kragen platzen lassen. »Ohne Staatsministerin oder Staatsminister für Sport und Ehrenamt in der kommenden Woche in die erste Lesung des Haushalts zu gehen birgt die Gefahr, beim Thema Finanzen ins Hintertreffen zu geraten«, erklärte der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) gegenüber dem Spiegel (Mittwoch). Fricke forderte ultimativ eine Entscheidung bis spätestens zum 26. September, wenn der Dachverband in Baden-Baden bekanntgibt, mit welchem Bewerber er ins Rennen um die Ausrichtung Olympischer Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 gehen wird. Die drei Kandidaten für die Auswahl heißen Berlin, Köln mit der Rhein-Ruhr-Region sowie München.

Er wurde erhört: Am Donnerstag teilte Friedrich Merz (CDU) bei Instagram mit, der zweimalige Kanu-Olympiasieger Ronald Rauhe werde neuer Staatsminister für Sport und Ehrenamt. Die Vorstellung erfolgte nach Redaktionsschluss. Es ist das Ende einer Hängepartie. Christiane Schenderlein (CDU) war Ende Juli als Staatsministerin für Sport und Ehrenamt abberufen und ins Gesundheitsministerium versetzt worden. Der harsche Ton, sogar mit einer expliziten Fristsetzung gegenüber dem Kanzler, illustriert, wie unzufrieden der Dachverband als Organisation mit mehr als 28 Millionen Mitgliedschaften mit diesem »Zeitspiel« und den möglichen Folgen war.

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Nicht zufällig spielte der frühere FDP-Haushaltspolitiker Fricke vordergründig auf die anstehenden Etatberatungen des Bundes an, die für den DOSB und insbesondere für das nationale spitzensportliche Gesamtkonstrukt erfahrungsgemäß stets von essentieller Bedeutung sind. Zwar gilt der Sportbetrieb nach außen hin als autonom und legt stets großen Wert auf diesen Tatbestand. In der Wirklichkeit ist diese Autonomie jedoch nicht viel wert.

Ohne Zuwendungen der öffentlichen Hand, sei es auf kommunaler, auf Länder- oder auf Bundesebene, wäre der organisierte Sport in der Bundesrepublik nicht lebensfähig. Gerade darum gilt es Jahr für Jahr, die Haushalte entsprechend auszugestalten und dem »Staatssport« immer wieder aufs neue das Feld zu bereiten. Ein eigenes Staatsministerium für Sport und Ehrenamt, wie im vergangenen Jahr erstmals begründet, könne sich als große Hilfe erweisen, so die hohe Erwartung des DOSB. Die wurde bislang enttäuscht. Dass sich Merz über einen Monat Zeit ließ, um die Schenderlein-Nachfolge zu klären, deutet darauf hin, dass das Ressort für ihn eher nebensächlich als schwergewichtig ist. Trotz Frickes forscher Rhetorik und der vermeintlich unmittelbaren Reaktion wird sich daran grundsätzlich nichts ändern. Der organisierte Sport bleibt in summa existentiell am Tropf des Staates und damit letztendlich in der Rolle des Bittstellers.

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Erschienen in der Ausgabe vom 04.09.2026, Seite 16, Sport

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