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Union Busting

Filetierung bei Hotelkette

Rheinland-Pfalz: Novum Hospitality entlässt Beschäftigte vor Betriebsratsgründung und lagert Personal aus – NGG kündigt Konflikte an

Foto: Bihlmayerfotografie/imago
Wer macht hier die Betten und zu welchen Bedingungen?

Es muss sie wie ein Blitz getroffen haben: die 50 Angestellten des »Garner Hotels« in Mainz-Bretzenheim und des »Holiday Inn – the Niu, Mood Mainz«. Ohne Vorankündigung erhielt der Großteil beider Belegschaften Ende Juni Kündigungsschreiben. Diese sollen nicht persönlich übergeben, sondern lediglich in die Briefkästen geworfen worden sein. Unter den Gekündigten: Schwangere, Auszubildende und Schwerbehinderte. Also Menschen, die besonderen Kündigungsschutz genießen.

Die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) vermutet, dass eine geplante Betriebsratsgründung der Grund für das aggressive Vorgehen ist. Denn die Beschäftigten seien in der Informationsphase zur Gründung eines Betriebsrats (BR) entlassen worden, sagte Mark Baumeister, NGG-Referatsleiter Gastgewerbe, am Freitag gegenüber jW. Die Novum Hospitality Group, zu der beide Hotels gehören, verwies auf jW-Anfrage lediglich auf frühere Stellungnahmen, in denen die Geschäftsleitung den Vorwurf bestreitet.

Laut NGG soll es in Hotels der Novum Hospitality Group starken Widerstand gegen BR-Gründungen geben. Nur in rund zehn der mehr als 140 Hotels der Gruppe in Deutschland gebe es Betriebsräte, so Baumeister weiter.

Die Novum Hospitality Group ist eine der größten privat betriebenen Hotelketten Europas, hinter der sich unter anderem Hotels der Marken Holiday Inn – the Niu, Garner, Candlewood Suites, Voco und Acora verbergen. Nach eigener Darstellung betreibt die Kette 158 Hotels an 64 Standorten. Die Geschwister David und Samira Etmenan führen die Hamburger Hotelgruppe als Geschäftsführer. Zu ihrem Amtsantritt 2024 sprach Samira Etmenan davon, künftig die Familienwerte vom Hamburger Headquarter bis in die Detailebene des operativen Hotelgeschäfts mit den Beschäftigten leben zu wollen.

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In der Praxis sieht das so aus: Die Unternehmensleitung stellte die Gekündigten in Mainz von der Arbeit frei. Lohn soll, je nach Beschäftigungsdauer, weitergezahlt werden. Mittlerweile hat das Unternehmen den Gekündigten im Rahmen eines Freiwilligenprogramms höhere Abfindungen als üblich angeboten. Auch mögliche Weiterbeschäftigungen an anderen Standorten sollen im Gespräch sein. NGG, Gesamtbetriebsrat und Unternehmen stehen in intensiven Verhandlungen.

In Ordnung ist damit allerdings gar nichts. Der Betrieb in den Mainzer Hotels wurde von einem auf den anderen Tag auf Leiharbeiter umgestellt. Das Vorgehen könnte eine Blaupause für weitere Auslagerungen sein. Der NGG seien zehn Hotels der Novum Hospitality Group bekannt, in denen das Management das Personal bereits ausgelagert habe, sagte Baumeister. Für die Bereiche Haustechnik und Reinigung fürchtet die Gewerkschaft sogar eine vollständige Auslagerung. Wie viele Direktanstellungen durch diese Geschäftspolitik schon verlorengingen, kann Baumeister nicht beziffern.

Insofern nutzt auch die im Juli 2026 angekündigte Rückkehr der Novum Hospitality Group in die Branchenverbände Hotelverband Deutschland sowie in den Dehoga-Landesverband wenig. Baumeister, der auch Mitglied des Novum-Hospitality-Aufsichtsrats ist, begrüßt den Schritt zwar, weil damit eine langjährige Forderung der Gewerkschaft erfüllt wird. Außerdem erhalten Beschäftigte, die NGG-Mitglieder sind, höhere Tarifeinkommen. Doch der Gewerkschafter bleibt skeptisch. Wegen der Auslagerungspraxis fragt er sich, wie viele regulär Beschäftigte überhaupt etwas von diesen Vorteilen haben werden.

Baumeister warnt vor harten Konflikten, falls die Hotelgruppe den Personalbestand durch Fremdvergaben so stark reduziert, dass keine Betriebsräte mehr gewählt werden können – und der Kündigungsschutz nicht mehr greift. Die Gewerkschaft informiert die Beschäftigten deshalb bereits über die möglichen Folgen einer solchen Filetierung der Belegschaften. Zugleich rät sie dringend davon ab, Dokumente ungeprüft zu unterschreiben, und fordert die Angestellten auf, ihre Entgeltabrechnungen genau zu prüfen.

Zudem hat die Novum Hospitality Group Mitte Juni 2026 ein Statusverfahren eingeleitet, um ihren Aufsichtsrat aufzulösen. Der Aufsichtsrat, so Baumeister, habe allerdings ohnehin eher als Feigenblatt denn als Instrument der Mitbestimmung gedient. Gegenüber dem Branchenblatt Hotel vor 9 äußerte Baumeister, dass es diesen Aufsichtsrat vermutlich bald nicht mehr geben werde. Das ändere jedoch nichts an der gewerkschaftlichen Arbeit mit den Beschäftigten.

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Erschienen in der Ausgabe vom 20.07.2026, Seite 5, Inland

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