-
1 Leserbrief
- → Feuilleton
Die Vermittlerin
Zum Tod der Schriftstellerin und Internationalistin Christiane Barckhausen
Christiane Barckhausen, verheiratete Barckhausen-Canale, hatte mindestens drei Leben. Das mittlere – ihre Laufbahn als Autorin – hat die 1942 in Berlin Geborene bekannt gemacht. Obwohl sie 1986 den wichtigen vom Freien Deutschen Gewerkschaftsbund ausgelobten Literaturpreis erhalten hatte, sah sie das Schreiben nicht als ihre Berufung an. Christiane wollte nichts Geringeres als Teil der Weltrevolution sein.
Aus Begeisterung für die Kubanische Revolution hatte sie Spanisch gelernt. So wurde sie 1961 als 19jährige in der Mission der Republik Kuba als Dolmetscherin beschäftigt. Ebenso engagiert war sie im Kampf des vietnamesischen Volkes und arbeitete von 1968 bis 1972 in der Botschaft der südvietnamesischen Befreiungsfront. Weil sie vieler Sprachen mächtig war und wegen ihrer Intelligenz wurde sie für viele offizielle Organisationen bis hin zur Regierung als Sprachmittlerin tätig, hatte daher auch das den meisten DDR-Bürgern verwehrte Privileg häufiger Auslandsreisen. Sie lernte nicht nur viele europäische, sondern auch südamerikanische Länder kennen.
Dass Christiane Barckhausen dann doch anfing zu schreiben, hatte vermutlich mit ihren Eltern zu tun, die beide Schriftsteller waren. Sie war die Tochter von Elfriede Brüning (1910–2014), die seit den 20er-Jahren Reportagen und populäre Bücher veröffentlichte, in denen es oft um die Lebensdramatik alleinerziehender und arbeitender Mütter ging. Ihr Vater Joachim Barckhausen (1906–1978) war ebenfalls Romanautor und in der Nazizeit in der »inneren Emigration« gewesen. Nach dem Krieg war er zunächst Cheflektor des Verlags Volk und Welt und Drehbuchautor der Defa.
Ein mosaikartiges Porträt von Christiane Barckhausens Entwicklung hat allerdings ihre Mutter hinterlassen. Das Jugendbuch »Gabriele« (1958), dessen Cover nach einem Foto Christianes gestaltet wurde, handelt von den Problemen eines Scheidungskindes. In »Sonntag der 13.« von 1960 treffen wir sie als Heranwachsende, die sich für behinderte Menschen engagiert, was Christiane Barckhausen zeitlebens fortführen würde. Ihre Liebesbeziehung mit einem Chilenen, der bei einem Attentat auf die US-Botschaft in Chile beide Hände verlor und in der DDR Prothesen bekam, verarbeitete Brüning in »Wie andere Leute auch« (1983). Sie kritisiert, dass der Mann, um »weiter Revolution zu machen«, nach Chile zurückkehrt und die Verantwortung für das gemeinsame Kind der Mutter und der Großmutter überlässt.
Christiane Barckhausen-Canales Gegenstand war nicht die Emanzipation der Familie, sondern die Weltrevolution, die in den 60er und 70er Jahren in Lateinamerika tatsächlich voranzukommen schien. 1969 publizierte sie »Die Hölle von Caracas« und 1980 »Mañana, mañana« – Reportagen über einen längeren Aufenthalt in Mexiko. Unter Mitarbeit ihres Ehemannes, des brasilianischen Revolutionärs und Intellektuellen Dario Canale, entstand »Auf den Spuren von Tina Modotti« (1988). Das Buch war mittels der damals neuartigen Methode geschrieben, die Biographie der berühmten mexikanischen Fotografin über den eigenen abenteuerlichen Forschungsweg zu erschließen. Im Erscheinungsjahr erhielt Barckhausen für das Buch einen kubanischen Literaturpreis.
Wie viele DDR-Intellektuelle musste sie sich 1989 neu orientieren. Barckhausen-Canales zog ins italienische Bergdorf Bonefro und widmete sich dem Erhalt der Erinnerung an Tina Modotti. Zu diesem Zweck organisierte sie internationale Tagungen sowie Ausstellungen und schuf ein Modotti-Archiv, schrieb auch gelegentlich in dieser Zeitung über sie. Am Sonnabend ist Christiane Barckhausen-Canales in Bonefro gestorben.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 2,6
-
Onlineabonnent*in Joachim S. aus B. 23. Juli 2026 um 17:24 UhrEs war Mitte der 60er Jahre. Plötzlich wurden wir EOS-Schüler in der Aula zusammengerufen. Vorn saß ein schmächtiger Mann, geflüchtet aus dem faschistischen Spanien. Er berichtete von den Folterungen der Gefangenen durch die spanische Geheimpolizei, dass es uns kalt den Rücken hinunterlief. In spanisch natürlich. Und die, die jedes Wort so zu übersetzen verstand, dass wir jungen Oberschüler verstanden, wie grausam Faschismus ist, das war Christiane Barckhausen. Ihr Name hat sich mir damals ebenso tief eingeprägt, wie die abgrundtiefe Abscheu vor dem Faschismus. Danke, Christiane, für dein Leben und dein Tun!
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Berufung möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
