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Stiftung Rigoberta Menchú Tum

Was muss sich in Guatemala ändern?

Die indigene Bevölkerung muss die gleichen Möglichkeiten bekommen, sagen Ángel Canil und Chahim Saquil

Foto: REUTERS/Laura Garcia
Indigene Frauen sammeln Müll aus dem Atitlánsee (San Pedro La Laguna, 8.2.2025)

Die Namensgeberin der Rigoberta-Menchú-Tum-Stiftung ist Ehrengast der 23. Internationalen Buchmesse in Guatemala, die vom 7. bis zum 19. Juli in der Hauptstadt stattfindet. Sie sind mit einem Stand vertreten. Welche Arbeit leistet Ihre Stiftung?

Ángel Canil: Unsere Stiftung gibt es seit knapp 34 Jahren, offiziell gegründet wurde sie 1993. Am Anfang ging es vor allem um Hilfe für Menschen, die in den 1980er Jahren, als der Bürgerkrieg in Guatemala eskalierte, nach Mexiko geflohen waren. Als der Bürgerkrieg sich Anfang der 1990er Jahre dem Ende näherte, setzte sich die Stiftung dafür ein, dass die Menschen zurückkehren konnten. Viele von ihnen hatten ihr Land verloren. In einer Gemeinde von Rückkehrern, dem Dorf Aurora 8 de Octubre, kam es 1995 zum sogenannten Massaker von Xamán, bei dem elf Menschen getötet wurden. Es war das letzte Massaker im Bürgerkrieg.

Wir haben die Opfer in der juristischen Auseinandersetzung unterstützt. Am Ende kam es zu Urteilen gegen Soldaten. Wir waren auch am Prozess um den Brand in der spanischen Botschaft am 31. Januar 1980 beteiligt, als der Vater von Rigoberta Menchú Tum, Vicente Menchú, mit 37 Compañeros lebendig verbrannt wurde. Auch hier kam es nach vielen Jahren zu einem Urteil gegen den damaligen Polizeichef. Wir waren außerdem zentraler Akteur in der Auseinandersetzung um die Kandidatur von Efraín Ríos Montt (Diktator des Landes 1982–83; in seine Amtszeit fiel ein Großteil der Massaker im Bürgerkrieg, jW). Montt wollte 2003 für die Partei Frente Republicano Guatemalteco als Präsidentschaftskandidat antreten. Diese Kandidatur konnte verhindert werden. Das Verfassungsgericht untersagte sie nach Protesten.

Ihre Stiftung arbeitet auch in Mexiko. Rigoberta Menchú tritt in Guatemala nur noch selten politisch in Erscheinung. Warum ist das so?

Á. C.: Richtig, wir arbeiten auch in Mexiko und leben dort. Rigoberta hat neben der guatemaltekischen Staatsbürgerschaft auch die mexikanische. Auch gesundheitliche Probleme spielen eine Rolle. Aber Rigoberta gehörte 2007 zu den Mitbegründern des Movimiento Politico Winaq. Die Partei hat mit Sonia Gutierrez zwar zur Zeit nur noch eine Abgeordnete im Parlament, fungiert aber als politisches Instrument für die indigene Bevölkerung in Guatemala.

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Der Bürgerkrieg endete vor 30 Jahren. Was muss sich noch ändern in Guatemala?

Á. C.: Zentral ist, dass die indigene Bevölkerung nicht nur auf dem Papier die gleichen Rechte hat, sondern auch wirklich die gleichen Möglichkeiten bekommt. Dazu gehört auch, dass die Kleinbauern faire Preise für ihre Produkte erhalten und ein fairer Markt existiert.

Sie betreiben als Stiftung auch eine Bildungseinrichtung?

Chahim Saquil: Das Bildungszentrum »Pavarotti« im Landkreis San Lucas Tolimán. Das ist zunächst eine reguläre Schule der Basico, also der Mittelstufe, mit 200 Schülern. Wir orientieren uns an den Lehrplänen Guatemalas, legen aber großen Wert auf Friedenserziehung.

Was ist das?

C. S.: Nach dem Bürgerkrieg musste das Land wiederaufgebaut werden. Nicht nur die Trümmer mussten weggeräumt, auch die seelischen Schäden mussten repariert werden. Daher orientieren wir uns in der Bildung an einer gewaltfreien Erziehung zur Demokratie, unter Berücksichtigung der Menschenrechte, speziell der Rechte der Frauen und der Indigenen.

Die diesjährige Buchmesse hat Deutschland als Gastland. Dabei geht es auch um die Geschichte von 200 Jahren deutscher Einwanderung. Wie sehen Sie das?

C. S.: Viele Deutsche waren im Kaffeeanbau im Departamento Alta Verapaz aktiv. Sie bekamen dafür von der Regierung ehemaliges Gemeindeland, also unser Land, geschenkt oder haben es direkt gestohlen. Diese Ländereien gibt es bis heute. Dieses Modell der großen Fincas aus Kolonialzeiten dürfte es heute nicht mehr geben. Wenn wir als Indigene die gleichen Rechte, Möglichkeiten, Bildungschancen und sozialen Möglichkeiten hätten, würde sich auch dieses Problem schrittweise lösen.

Ángel Canil ist Ehemann von Rigoberta Menchú Tum und im Vorstand der gleichnamigen Stiftung.

Chahim Saquil ist stellvertretende Direktorin der Stiftung

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Erschienen in der Ausgabe vom 15.07.2026, Seite 3, Ausland

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