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100 Jahre KP in Ecuador

Welche Rolle spielt Ihre Partei heute in Ecuador?

Der Partido Comunista feiert 100jähriges Bestehen und ist in vielen Bewegungen aktiv, sagt Winston Alarcón Elizalde

Foto: Karen Toro/REUTERS
Solidaritätskundgebung der Anhänger der Kommunistischen Partei vor der kubanischen Botschaft in Quito (4.3.2026)

Die Kommunistische Partei Ecuadors, PCE, feierte ihr 100jähriges Bestehen. Wie kam es damals zur Gründung?

Am 23. Mai 1926 wurde bei einem Treffen von Arbeitern in Quito die Sozialistische Partei gegründet, die ab 1928 bis heute als Partido Comunista del Ecuador aktiv ist. Inspiriert wurde die Parteigründung durch die Große Oktoberrevolution in Russland. Zentrales Ereignis hier in Ecuador, was den Organisierungsprozess vorantrieb, war das Massaker an demonstrierenden Arbeitern am 15. November 1922 durch die Armee, mit mehreren hundert Todesopfern.

Der PCE nimmt seit 1992 nicht mehr an Wahlen teil. Welche Rolle spielt Ihre Partei heute in der Politik in Ecuador?

Wir nehmen an Wahlen nicht teil durch eine alleinige Kandidatur des PCE, aber wir beteiligen uns an allen Wahlkämpfen in der Suche nach Einheit mit demokratischen, progressiven und revolutionären Kräften. Höhepunkt war unsere Unterstützung für Rafael Correa, den besten Präsidenten, den wir in Ecuador hatten. Mit Correa haben wir im Wahlkampf wichtige Eckpunkte in der nationalen Wirtschaftspolitik sowie Gehaltserhöhungen vereinbart. Das wurde dann auch umgesetzt. Die Volksbewegungen konnten in jener Zeit große Fortschritte erreichen im Parlament und mit der durchgesetzten Verfassung. Unsere Partei ist immer aktiv in den Bewegungen der Arbeiter, Kleinbauern, Indigenen und über unseren Jugendverband auch in den Bewegungen und Verbänden der Schüler und Studenten. Ziel ist der Sozialismus.

Nach alten Presseberichten kam es aber während der Amtszeit Correas zu einem Zerwürfnis mit Teilen des Jugendverbands, in dem es auch um die Beurteilung des Konzepts eines Sozialismus im 21. Jahrhundert ging. Dies führte sogar zur Gründung einer neuen Partei, des Partido Comunista Ecuatoriano.

Wir haben als Partei in der hundertjährigen Geschichte immer die Disziplin wahren können, und das Statut fußt auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus. Auf Versuche, auch in Leitungsebenen, die teils von außen gesteuert waren und die Richtung der Partei ändern wollten, konnten wir reagieren. International sind wir Mitglied des Forum São Paulo und beteiligt am Internationalen Treffen Kommunistischer und Arbeiterparteien, das als nächstes im August in Havanna stattfinden soll. Wir hoffen aktuell auf einen Wahlsieg der linken Kräfte in Kolumbien, des »Historischen Pakts«, unter Beteiligung der dortigen Kommunistischen Partei, und unterstützen Lula da Silva in Brasilien. Wir sind im regen Austausch mit Kommunistischen Parteien auf dem gesamten Kontinent.

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Ecuador befindet sich unter der rechten Regierung von Daniel Noboa in einer schweren sozialen und Sicherheitskrise. Was heißt das für revolutionäre Kräfte?

Neben der enormen Gewalt leiden die Menschen unter den hohen Lebenshaltungskosten, aktuell unter den Preissteigerungen bei Benzin und Gas. Die Löhne reichen nicht zum Leben. Schulen und Universitäten sind unterfinanziert und schlecht ausgestattet. Aktuell stehen alle sozialen Bewegungen im Land vereint hinter dem angestrebten Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Noboa. Wir denken, dass die Krise auch zu einer Stärkung der revolutionären Kräfte führen kann.

Wie ist die Situation der Gewerkschaften im Land?

Es ist der herrschenden Klasse gelungen, die Zahl aktiver Gewerkschaften im privaten Sektor zu reduzieren, vor allem in der Erdölindustrie. Im öffentlichen Sektor sind Gewerkschaftsfunktionäre Verfolgung, aber auch individueller Bestechungsversuche ausgesetzt. Wir haben enge Beziehungen zur Confederación de Trabajadores del Ecuador, einem der ältesten und größten Gewerkschaftsverbände Ecuadors. Im Juli werden wir am Nationalen Kongress der CTE teilnehmen, mit wichtigen Entscheidungen und Antworten auf die Krise im Land und großer Verantwortung unserer Partei.

Sie waren in den 1970er Jahren in der DDR. Wie kam es dazu und welche Eindrücke hatten Sie?

Ich hatte 1971 die Möglichkeit, ein Jahr als Student an der Jugendhochschule »Wilhelm Pieck« zu sein. Das war eine tolle Erfahrung, vor allem als junger Mann. Ich habe sehr viel gelernt über den Marxismus und im Austausch mit Genossen der FDJ.

Sie kennen die Junge Welt von damals?

Natürlich.

Winston Alarcón Elizalde ist ­Generalsekretär des Partido Comunista del Ecuador

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Erschienen in der Ausgabe vom 15.06.2026, Seite 3, Ausland

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